Der Husten des Ammon

Husten. Ab zur Apotheke meines Vertrauens. Wie immer ärgern freuen sich die netten Angestellten über ein aufgedrängtes, intensives Gespräch über die Wirksamkeit von homöopathischen Arzneien und über den Sinn und Zweck von Vitaminpräparaten. Als die wahre Absicht meines Besuchs zum Vorschein kommt, mein Husten, beginnt ein erneutes Gespräch über das Mittel der Wahl. Mucosolvan®, Prospan®, Silomat®, Tonsipret®… Ich entscheide mich für eine Packung Salmiakpastillen für 0,70 € und verlasse die verärgerten glücklichen Apotheker. Doch warum Salmiakpastillen? Heutzutage werden die kleinen rautenförmigen Pastillen häufig von Lakritzliebhabern aufgrund ihres intensiven Geschmacks gekauft. Dabei steckt viel mehr in ihnen als nur Lakritz. Der Name Salmiak leitet sich ab vom lateinischen “sal ammoniacum”, was soviel bedeutet wie “Das Salz des Ammon”. Es wurde während der Antike in einem Steinbruch an der Oase des Ammon (Oase Siwa) entdeckt und nach ihr benannt. Versierte Menschen kennen dieses Salz unter dem Namen “Ammoniumchlorid”. Salmiakpastillen bestehen meist aus 7-8% Ammoniumchlorid, Lakritz (Süßholzwurzel), Zucker, Anisöl, eingebettet in einer Mischung aus Weizenmehl und Melasse. Die heilende Wirkung der Pastillen beruht auf einer chemischen Reaktion des Ammoniumchlorids mit dem Mundspeichel. Löst sich das Ammoniumchlorid aus der Pastillenmatrix entstehen sogenannte Ammonium-Ionen, die unter Bildung von gasförmigem Ammoniak mit dem im Speichel enthaltenem Wasser reagieren (1). Ammoniak, bekannt als äußerst stechend riechendes giftiges Gas, soll in kleinen Mengen inhaliert antibakteriell und Schleimlösend wirken.

NH4+ + H2O –> NH3 + H3O+   (1)

Einen wissenschaftlichen Beleg für die Wirksamkeit des Ammoniaks gibt es bisher noch nicht. Wer aber weiß wie Ammoniak riecht (ähnlich einer Raststättentoilette) kann sich gut vorstellen, dass die Bakterien in den Atemwegen nichts zu lachen haben, wenn man eine Salmiakpastille lutscht. Für alle körperbewussten Leser habe ich auch noch eine gute Nachricht. Salmiakpastillen schmecken nicht nur hervorragend, sie sind mit 0,78 kcal und 0,003% Fett pro Pastille ein sehr Kalorien- und Fettarmes Arzneimittel.

Salmiak

Für alle Lehrer, die Lust haben mit Ihren Schülern der Chemie des Salmiaks und der Lakritze auf die Spur zu kommen habe ich jetzt noch einen kleinen Tipp. Herr Prof. R. Blume bietet auf seiner Seite ein paar schöne Schülerversuche zum Thema.

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2 Responses to Der Husten des Ammon

  1. Michael sagt:

    “Schmecken hervorragend”?!

    Das kann ich nicht bestätigen – aber wenn’s nicht schmeckt hilft’s vielleicht ^^

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