Hospitation.

Hospitation.

Als Lehrer ist man nicht nur für die Bildung und Erziehung der Schüler mitverantwortlich, sondern auch für die Ausbildung der Referendare. Dazu gehören Planen und Auswerten des Unterrichts, Feedback über Verhaltensweisen in bestimmten Situationen und Austausch über einzelne Schülerleistungen.
Dem einen Kollegen muss man mehr, dem anderen weniger helfen, um in die Lehrerrolle hineinzufinden; Schlüsselfragen zu Beginn sind vor allem “Wie bekomme ich Disziplin in den Haufen?” und “Wie reagiere ich, wenn ein Schüler xy macht?”.

Gerade habe ich das Glück, angehenden KollegInnen zuschauen zu dürfen, die gut sind. Und ich meine wirklich gut. Die zaubern Stunden aufs Parkett, bei denen ich gespannt hinten drinsitze und wissen will, wie es weitergeht. Die ohne mit der Wimper zu zucken die Rabauken der Klasse genau im richtigen Ton zurechtweisen und nicht den Hauch eines Zweifels übrig lassen, wer hier die Hosen anhat und gleichzeitig den stillen Kindern gerecht werden.

2013-12-04 12.48.13

Ich würde gerne viel öfter bei Kollegen hospitieren. Nicht so sehr, um deren Unterricht zu bewerten oder weil ich den Französischunterricht von früher vermisse – sondern vielleicht aus einem ähnlichen Grund, weshalb ich ins Museum gehe: Ich staune gerne. Zu sehen, wie andere Kollegen mit den Kindern arbeiten, wie sie Zusammenhänge herleiten oder einfach nur begeistert von der französischen Revolution erzählen. Ich genieße das.
Verblüffend (für mich) ist, dass ich als Referendar das Hospitieren eher öde fand – vielleicht liegt der Unterschied darin, ob man “hin und wieder” einem Kollegen zuschaut, oder “andauernd dem gleichen”.

Leider bleibt im Alltag nur wenig Zeit dafür. Außerdem muss man als Lehrer seinen eigenen Unterricht ganz schön toll finden, um die Hospitation eines Kollegen zu ertragen (ich finde meinen Unterricht total großartig 😀 ).
So bleibt mir letztlich nur, die Show der Referendare zu genießen.

7 Replies to “Hospitation.”

  1. Hallo Jan-Martin,
    Wir hatten bei uns ein ähnliches Problem und sond damit zur Schulleitung. Jetzt haben wir jedes Halbjahr einen Tag der offenen Klassentür, bei dem einzelne Lehrer ihren Unterricht für Kollen öffnen. Der vertretungsplan ist dann halt mal etwas länger an so einem Tag. Vielleicht eine Anregung ans Kollegium.

  2. In der Hauptschule hat uns ein Lehrer mal gesagt, dass wir die Klasse sind, in denen die meisten Referendare eine Unterrichtsbeschauung durch ihren Prof (oder wie die sich nennen, die von der Uni sich die Unterrichte der Refis angucken) gemacht haben, oder vor hatten.
    Ich kann es mir selber nur so erklären, dass sie positiv überraschen wollten, da unsere Klasse als Krawallklasse bekannt war, aber in diesen Unterrichtsstunden, wo die Refis beobachtet wurden ganz friedlich und lieb waren.

    In der Ausbildung, wie auch im Abi hatten wir eine ganze Referendarschwämme. Aber eben für den normalen Unterricht.
    Das gute daran ist, dass man, wenn man einen Refi als Fachlehrer in einem Fach hat, sich die Fortschritte genauer anschauen kann.
    zum Beispiel hat eine Referendarin mit an der schule angefangen, als ich meine Ausbildung angefangen habe. sie hat uns dann zusammen mit einer anderen Lehrerin Ernährungslehre gegeben.
    und als ich ins Abitur kam, hat sie bei uns das fach Politik übernommen. Ich fand es ganz toll zu sehen, dass nicht nur wir beim Unterricht etwas für unsere Ausbildung lernen, sondern auch die, die vorne steht für ihre.

  3. Ich gebe zu – ich bin auch neugierig! Die Schüler erzählen mir so viel über Kollegen, dass ich das selbst auch gerne mal erleben würde. Aber bei uns sind die Türen zu. Dabei könnte man sicher auch voneinander lernen. Aber es würden auch Kränkungen hochkommen und Lehrer sind ja so sensibel. Selbst Referendare werden zum Teil abgewimmelt, der Gründe gibt es viele…

  4. Oh, man! Mir steht die Beurteilung durch die Schulleitung bevor …
    mir schlottern heute schon die Knie.
    Ich bin absolut kein Hospitations-/Prüfungsmensch! Obwohl ich von Studenten und Fachberatern ein positives Feedback erhalte, bin ich in der Hinsicht total unsicher.
    Wenn meine Schüler mich mögen, dann klappt alles wunderbar. Mögen sie mich nicht, kann ich Handstand machen und mit den Füßen in der Luft schlagen, da läuft’s gegen den Baum. Ich bin keine Autoritätsperson und bewundere solche, die in ein Zimmer kommen und da ist Ruhe, einfach, weil DER Lehrer/ DIE Lehrerin drin steht. Bei mir ist keine Ruhe, da wollen alle erst einmal erzählen, was ihnen auf der Seele brennt und ich bin auch eine Quasselstrippe, da dauerts dann etwas bis zum Unterrichtsbeginn. 😉
    Im Moment mögen mich meine Schüler. 🙂
    Wenn da ein Kollege hinten drin sitzen würde … ???

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