Revision – Wozu eigentlich?

IMG_20141118_093250Heute hatte ich die Nachbesprechung meiner eigenen zwei Revisionsstunden und ich will gar nicht soviel darüber erzählen, was daran nun gut oder blöd war.
Einzig folgender Aspekt: Mein Unterricht lebt ganz besonders von der Beziehung zwischen mir und den Schülern. Es wird gelacht, Sprüche geklopft und wild ins Blaue hinein spekuliert. Wenn jedoch Prüfer (oder insbesondere die Schulleitung) im Klassenraum mit dabei sitzt, dann werden selbst die größten Chaoten plötzlich handzahm. Das ist natürlich nett gemeint, weil man mir ja helfen möchte, aber wenig hilfreich: Ich habe lieber lustige, lebendige Schüler die auch mal Unsinn machen, als handzahme, stumme Kinder, die sich kaum trauen, vor der Schulleitung etwas Falsches zu sagen.

Aber ganz ab davon ein paar Gedanken zu so einer Revision. Es gibt vier mögliche Ergebnisse dieser “Dienstlichen Beurteilung”:

  1. Der Beamte ist voll diensttauglich.
  2. Der Beamte ist überdurchschnittlich, großartig, fast schon gottgleich diensttauglich.
  3. Der Beamte ist nicht diensttauglich.
  4. Aus bestimmten Gründen ist eine Beurteilung nicht möglich.

Der Unterschied zwischen Ergebnis ‘1’ und ‘2’ besteht in der Wartezeit auf Beförderungsstellen. Ist man ein Superlehrer, verkürzt sich diese Wartezeit um ein Jahr. Ich dürfte also z.B. schneller Abteilungsleiter werden. Dies ist aus verschiedenen Gründen spannend: Denn tatsächlich kann (im positiven Fall) nur ein einziges Ergebnis erreicht werden:
Wenn nun mein Schulleiter davon überzeugt wäre, ich sei nicht nur ein großartiger Kollege, sondern ein außergewöhnlich fantastisches Exemplar, dann müsste er bei der zuständigen Bezirksregierung persönlich vorstellig werden und dort begründen, weswegen er mich für so toll hält. Diesen Aufwand nehmen bestimmt viele Schulleiter (die sonst auch nur wenig zu tun haben) gerne in Anspruch. Es gibt also nur “voll diensttauglich”.

Als Lehrer habe ich bei so einer Beurteilung entsprechend nichts zu gewinnen (Lehrer bin ich ja schon), ich kann höchstens verlieren (“Das reicht nicht”). Das senkt natürlich die Motivation für eine solche Revision ganz erheblich: Ob ich nun sterbenslangweiligen “schreibt-den-Text-Buch-Seite-16-ab”-Unterricht oder außergewöhnlichen “Wir-machen-eine-Exkursion-in-die-Kanalisation”-Unterricht mache spielt keine Rolle.

Am Ende ist beides diensttauglich.

Morgen dann Elternsprechtag. Das ist eigentlich immer nett.

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2 Responses to Revision – Wozu eigentlich?

  1. Andrea says:

    „Wenn nun mein Schulleiter davon überzeugt wäre, […] dann müsste er bei der zuständigen Bezirksregierung persönlich vorstellig werden und dort begründen, weswegen er mich für so toll hält.“

    Ist das echt so aufwändig in NRW? Ich bin Lehrerin in RLP, und dort ist der Aufwand für den Schulleiter gleich, egal wie er den Lehrer beurteilt. Fälle, in denen die Probezeit verkürzt wird, gibt es nicht selten (aber auch nicht wie Sand am Meer). Damit ist die Chance auf eine frühere Beförderung nach A14 tatsächlich vorhanden. (In RLP wird man aber nicht automatisch nach n Dienstjahren befördert, sondern man muss sich schon bewerben und dafür vorher was geleistet haben. Im Schnitt kann an einen Gymnasium pro Jahr ein Lehrer nach A14 befördert werden.)

    Erstaunlich, wie groß die Unterschiede zwischen den Bundesländern mal wieder sind…

  2. Tobias Raue says:

    Ich würde immer die Kanalisationsvariante nehmen.

    Die Folge wäre ein Schulleiter mit Anzug aber Gummistiefel und Bauhelm und eine verzweifelte Sekretärin, die das passende Genehmigungsformular „Exkursion zu unterirdischen Lernorten mit erhöhter Infektionsgefahr nach Bundesseuchengesetz Par. 16″ verzweifelt auf dem Rechner unter C:/Dokumente und Einstellungen/Formulare/ExperimentelleLehrer“ sucht.

    Wer weiß noch, wann das letzte Mal dieses Formular benutzt wurde?

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