Das Leben als Künstler

Mit meinen Kindern, meiner Frau und meinen Schwiegereltern füllen wir ein Mehr-Generationen-Haus. Die Eltern meiner Frau sind ganz wunderbare Menschen, die in ihrem Leben viel und hart gearbeitet haben. Mit den Händen. Nicht zu vergleichen mit einem fragilen Lehrkörper, der offenkundig keinerlei körperlicher Belastung ausgesetzt werden darf. Komme ich nachmittags aus der Schule, arbeiten sie im und am Haus oder im und am Garten. Es gibt immer etwas zu tun.

Wenn ich zu Hause ankomme und erst einmal die Füße hochlege, stößt das bei ihnen auf Unverständnis. Es ist doch noch so viel zu tun!?

Vor einigen Jahren erstellte ich eine Grafik über die verschiedenen Aspekte des Lehrer-Daseins. Je nach Jahreszeit und Schulwoche sind wir mal Buchhalter, mal Reinigungsfachkraft oder Kindergärtner – dazwischen aber immer wieder auf jeden Fall Kopierer-Reparateur.

Einen, wie ich finde, wichtigen Aspekt habe ich dabei jedoch vergessen: Lehrer sind Schaffende, Kreative, Künstler.

Klar, im Alltagsgeschäft bin ich Lehrer, Clown und Organisator. Eben das, was man sich unter einem Lehrer so vorstellt. Ja nach Fächern, Jahrgangsstufen und Korrekturen ist das mal mehr, mal weniger anstrengend. Gespräche, Kopien machen, Absprachen treffen, Unterricht halten.

Zwischendurch haben wir alle jedoch Stunden, die wahre Kunstwerke sind. Stunden, an die sich die Kinder noch Jahre später erinnern, Einheiten, die vollkommen rund sind. Jahr für Jahr werfe ich Bruno vom Dach der Schule und stets leiden meine Schüler mit dem armen Bären. Mit jeder sechs gestalte ich ein Symmetrietheater im Klassenraum. Jeder Lehrer hat solche Highlights in der Schublade.

Solche Stunden sind Kunstwerke.

Solche Stunden findet man nicht im Lehrbuch. Man findet sie auf Twitter, auf Facebook, in Blogs, in Gesprächen, in der Hängematte, beim Spaziergang, beim Denken und Träumen.

Klar: Immer dann, wenn ich mal früher Schluss habe, begegne ich meinen Eltern im Supermarkt. „Lehrer“, grinsen sie dann spöttisch. Und ja, müssen wir gar nicht drüber reden.

Aber, versprochen, ich mache besseren Unterricht, wenn ich Zeit finde, um kreativ tätig zu sein. Wenn ich Ideen spinnen darf. Wenn ich Kraft für Außergewöhnliches habe und Lust auf Experimente. Ich möchte festhalten: Zum Lehrer-Dasein gehört auch der Müßiggang.

Natürlich wissen meine Schwiegereltern auch: Mit einem Künstler unterm Haus ist das Leben nicht leicht. Bedauerlicherweise ist meine Frau Pastorin – mit zwei kreativen unter einem Dach haben sie zuweilen das Gefühl, sie müssten ihre Enkel vor uns beschützen. „Lehrers Kind und Pfarrers Vieh…“

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Disclaimer: Dieser Blogartikel entstand in einer Hängematte. Hehe… “Lehrer!”

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2 Responses to Das Leben als Künstler

  1. Warum haben Sie diese Schrift für den Namen Ihres Blogs gewählt?

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