Klassenfahrt #2

Klassenfahrt #2

Der erste Tag der Klassenfahrt ist rum und ich bin wirklich müde.

Ansprachen: 2
Ernste Ansprachen: 1

Klassenfahrten bedeuten in erster Linie Stress, ganz egal, wie gern man die Kinder hat. Morgens direkt die erste Auseinandersetzung wegen eines Energydrinks – dafür dann im Bus eine sehr entspannte Stimmung. Müll wurde selbstständig weggeräumt, die Musik nicht übermäßig aufgedreht und Absprachen eingehalten. Schwierig bei Abschlussklassen das Verhältnis zu Alkohol und Zigaretten. Grundsätzlich gilt, dass auf Schulveranstaltungen weder geraucht, noch getrunken wird. Aber – ich bin Realist genug: Dann wird eben heimlich geraucht. In der Dusche. Oder hinter den Autos. Hm, hm. Wir haben mit den Rauchern der Klasse vernünftige Regeln aufgestellt und bisher wird sich daran gehalten.

Der Weissenhäuser Strand entspricht in etwa einem „Center Parc“ für Schulklassen. Wir sind in einem großen Mehrfamilienhaus untergebracht. 

Als ich mein eigenes Appartement betrete, bin ich zutiefst überrascht und auf irritierende Art und Weise verstört: Die Wohnung ist wie ein Hotelzimmer – sehr aufgeräumt, mit zwei Fernsehern. Ein bisschen, wie eine Junggesellenwohnung. Und so fühle ich mich, auf dieser letzten Abschiedsreise mit meiner Co-Klassenlehrerin: Als hätte ich gerade eine Scheidung hinter mir und würde nun in meiner neuen, leeren Wohnung sitzen. Ich bin zutiefst deprimiert und sehne mich nach den Zeiten, da ich mir mit einem Kollegen ein Etagenbett teilen musste. London war eng und klein und schmuddelig – aber zumindest war ich nicht ganz allein. 

Nach dem ersten Ankommen einen kurzen Spaziergang an den Strand gemacht. 

Anschließend gemeinsam gegrillt. Aus pädagogischer Sicht ein ganz spannender Abend. Zunächst war schön zu beobachten, dass sich ein paar der Jungs für das Grillen verantwortlich zeigten (je zur Hälfte Freiwillige Feuerwehrleute und selbsternannte Hobby-Köche). Zu sehen, wie die Kinder in den vergangenen Jahren gealtert sind und nun alleine klarkommen… da geht einem das Herz auf.

Außerdem zu beobachten: Es fällt den Kindern nach all den Jahren schwer, die Grenze zwischen Lehrer und Schüler einzuhalten. Die Stimmung wird salopper und die Sprüche, die ich mir anhören muss, frecher. Als Vegetarier und Antialkoholiker auf dem Grillabend einer Abschlussklasse – da ist in den Augen vieler Jungs irgendwas schief gelaufen. 

Am ganz späten Abend dann noch mit ein paar Freiwilligen eine weitere Wanderung zum Strand. Der ein oder andere steckt noch voller Energie und muss sie loswerden. Im Dunkeln versuchen wir Sternbilder zu finden (als Physiklehrer gebe ich keine gute Figur ab) und die Stimmung wird ausgelassener.

Morgen hat eine Schülerin Geburtstag und die halbe Klasse will es sich nicht nehmen lassen, ihr pünktlich um 0 Uhr zu gratulieren. „Aber natürlich leise, Herr Klinge! Wie Ninjas! Sie werden uns gar nicht hören!“

Mir schwant übles.

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