OneNote-Projekt – ein Zwischenfazit

Vor einigen Jahren haben ein paar Studienfreunde mit mir ein Projekt gegründet, das uns erlauben sollte, unsere vorbereiteten Unterrichtsmaterialien untereinander auszutauschen. Im Idealfall sollte das ohne jeden Aufwand geschehen (kein Einsortieren etc.) und in einer Art und Weise strukturiert sein, dass wir keine Zeit mit dem Suchen und Verstehen von fremdem Material vergeuden müssten.

Mehr über die Hintergründe findest du hier, eine Anleitung, wie man das Projekt realisiert hier.

Grau ist alle Theorie, sagt man. Seit Anfang Februar muss sich das System also im täglichen Einsatz bewähren und ich möchte kurz berichten, wie das aussieht, wo Schwierigkeiten liegen und was ganz wunderbar klappt.

Fangen wir mit dem Negativen an:

Etwa drei Viertel der Leute, die mit dem System im Laufe des Studiums begonnen haben, sind abgesprungen. Über die Gründe kann ich nur mutmaßen. Die größten Hürden stellen sicher die technische Umsetzung dar (“OneNote..? Nie gehört.”) verbunden mit dem Zwang, am Computer arbeiten zu müssen.

Damit das System läuft, muss jeder seine Stunden ordentlich und bestimmten Auflagen folgend in den Computer schreiben. Ich vermute, dass dies die größte Schwierigkeit darstellt. Gerade am Anfang ist das für viele sicher eine Umstellung, durch die man sich durchbeißen muss. Viele Kollegen schreiben ihre Verlaufspläne lieber in Word (weil sie das kennen) als in OneNote – wenn überhaupt. Mein erstes Fazit lautet also: Das OneNote-Projekt erfordert Disziplin und den Willen, sich mit Neuem zu befassen.

Nächste Schwierigkeit: Je nach Anzahl der synchronisierenden Kollegen und der Fülle an digitalisiertem Material schwillt das Ganze ordentlich an. Nur meine Notizbücher sind schon knapp 15 GB groß – dazu kommen Sicherungen und der OneNote-Cache (zum Durchsuchen von gescannten Bildern). Für aktuelle Festplatten sicher kein Problem – für ältere Notebooks mit bescheidenen Kapazitäten aber durchaus ein Hindernis. Fazit: Man braucht Speicherplatz. Und zwar nicht zu knapp.

image

Nun aber endlich zu den positiven Dingen :-).

Dadurch, dass ich alle meine Stundenverläufe, die Arbeitsblätter und Überlegungen in OneNote verfasse, ist mein eigener Unterricht sehr strukturiert. Ich möchte nicht von mir behaupten, ein guter Lehrer zu sein – aber durch die erzwungene Strukturierung bin ich sicher ein besserer Lehrer, als wenn ich mich mit einer Zettelwirtschaft herumschlagen würde. Das ist sicher eine persönliche Vorliebe, die Kollegen mit Leitz-Ordnern genauso erreichen können. Jede meiner Stunden lässt sich – auch im Nachhinein – minutiös rekonstruieren. Ich weiß genau, was ich wann warum gemacht und welches Material ich dafür genutzt habe. Ohne einen einzigen Zettel. Wenn ich diese Einheit also wieder unterrichte, habe ich eine ordentliche Stunde, auf deren Basis ich dann Dinge verändern oder übernehmen kann. Nächstes (persönliches) Fazit: Mein Unterricht wird besser, wenn ich ihn (gezwungenermaßen) in OneNote strukturiere.

Heute bin ich über OneNote mit mehr Lehrern verbunden, als je zuvor. Viele meiner Kollegen haben das Potenzial des Systems erkannt. Tag für Tag bekomme ich von ihnen komplett ausgearbeitete Unterrichtsstunden in Biologie, Chemie, Physik, Technik, SoWi, Englisch, Mathematik, … Nichts davon muss von mir einsortiert werden und abgesehen vom LiveSync-Bug bemerke ich nichts von der Synchronisation. Inzwischen beinhaltet mein OneNote deutlich mehr Stunden von Kollegen, als von mir selbst erstellte.

Ein konkretes Beispiel ist im Screenshot zu sehen: Die Methode “Differenziert mit dem Buch üben” (als Unterseite im Screenshot auf der rechten Seite) habe ich in der aktuellen Einheit zweimal genutzt und mir vom Kollegen Dinkel geklaut. Damit auch andere  (und ich selbst in ein paar Jahren) verstehen, worum es geht, habe ich die Erklärung einfach als Seite angefügt.

Ich freue mich jetzt schon darauf, später fachfremd zu unterrichten und auszuprobieren, was ich da jetzt lese. Letztes Fazit: Das OneNote-Projekt erlaubt mir, blitzschnell im Unterricht meiner Kollegen nach Ideen zu stöbern.

Nach drei Jahren eher theoretischem und nun drei Monaten praktischem Gebrauch bin ich von dem Projekt mehr begeistert denn je. Ich bin ein Mensch, der Struktur und Ordnung liebt und würde meinen Unterricht auch dann über OneNote organisieren, wenn ich ihn nicht mit anderen austauschen würde. Ich habe KollegInnen, die sich, nachdem sie das ganze zwei Wochen probiert haben, sehr begeistert zeigen. Da wächst was zusammen! Zusammengefasst:

Es klappt!

Nach wie vor kann ich also vor allem Referendaren und Lehramtsanwärtern dieses System nur empfehlen. Man braucht Disziplin und muss sich einmal durchbeißen, aber wenn es läuft ist es nur noch… wow! 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

16 Gedanken zu “OneNote-Projekt – ein Zwischenfazit”