Krankenwagen rufen? Was kostet das?

7. September 2010 5 Von Jan-Martin Klinge

Die meisten Lehrer werden schon diverse Unfälle an ihren Schulen erlebt haben.
Angehende Kollegen stehen in solchen Situationen erst einmal ratlos da. Was macht man eigentlich? Ruft man die 112? Die Eltern? Wie ist das im privaten Bereich? Fährt man selbst? Wann ruft man eigentlich einen Krankenwagen?

Ich versuche, Licht in mein diffuses Halbwissen zu bringen. Von irgendwoher habe ich die Informationen, dass es Geld kostet, einen Krankenwagen zu bestellen. 90 Euro geistern durch mein Hirn. Na, für 90 Euro halte ich den Schmerz aus und fahre lieber selbst, denke ich.

Ein Gespräch mit Freunden und Kollegen hilft und verunsichert. Immer wieder taucht die Behauptung auf, dass es Geld kosten würde, wenn man mit dem Rettungswagen abtransportiert würde. Andere wissen anderes.

Eine rechtsverbindliche Auskunft kann mir das Deutsche Rote Kreuz geben. Am Telefon werde ich freundlich begrüßt – der Sachverständige schmunzelt über meine Sorgen. Offenbar hat er das schon öfter gehört.

“Passen Sie auf”, sagt er, “das ist ganz einfach. Was immer in der Schule passiert, wird durch die Berufsgenossenschaft abgedeckt. Das heißt, Sie rufen die 112 und die Person am Telefon entscheidet, ob da ein Notarzt, Rettungswagen oder Hubschrauber kommt und schicken die Rechnung dann an die Berufsgenossenschaft. Der Schüler oder die Eltern oder die Schule oder die Lehrer haben damit nichts zu tun. Da kommt ganz sicher keine Rechnung.

“Und wenn ich mir im Wald die Beine breche”, frage ich.
oder die Finger luxiere?, denke ich.

“Auch dann rufen Sie die 112” erwidert der geduldige Mensch am anderen Ende, “und die entscheiden, was gemacht wird. Denn im Zweifel hat derjenige am Telefon einfach mehr Ahnung und kann das dann vernünftig beurteilen. Bei gesetzlich Versicherten greift dann unter Umständen der Eigenanteil – das sind dann maximal 10 Euro. Bei privat Versicherten wird das alles über die Krankenkasse abgerechnet.”

Maximal 10 Euro.

Nun, dass ist doch eine verbindliche Information.
Ein weiterer Aspekt kommt mir in den Sinn. Einige meiner Freunde durften schon viele Stunden in der Notaufnahme mit ‚Warten‘ verbringen. Wer mit dem Krankenwagen ankommt, wird sofort versorgt. Da fällt in Zukunft die Entscheidung leichter.
Natürlich soll man nicht wegen jeder Schürfwunde einen Krankenwagen rufen – aber das versteht sich ja von selbst. Und wenn ich den aus Spaß rufe, wird das tatsächlich eine sehr teure Angelegenheit. Aber meine Scheu, bei schweren Unfällen und Knochenbrüchen (Gruß an meine Schüler) die 112 zu rufen, ist nicht mehr da.

Ich kann jedem, der noch unsicher ist, nur empfehlen, selbst beim DRK anzurufen und zu fragen. Im Zweifel rettet das Menschenleben.