Mathe-Klassenarbeit

28. September 2010 8 Von Jan-Martin Klinge

Klassenarbeiten in Mathematik gehören für einen nicht unwesentlichen Teil der Schüler zum großen Albtraum der Schule. Chemie und Physik kann man schon irgendwie aussitzen und sich auf eine 4 retten – in Deutsch kann man immer etwas schreiben. Englisch wurschtelt man sich irgendwie durch.

Aber Mathematik…
Immer wieder höre und erlebe ich, wie Schüler plötzlich versteinert vor dem Blatt sitzen und nichts mehr geht.

imageWeil ich ein wirklich netter Lehrer bin, habe ich mich an mein Studium zurückerinnert: Dort ist es Usus, sich die Klausuren der letzten Jahre zu besorgen und durchzupauken. Man “stellt sich auf den Dozenten ein”.
Ich bin also dazu übergegangen, bei Klassenarbeiten zuweilen drei Gruppen zu erstellen.
Gruppe A und Gruppe B ist die tatsächliche Prüfung, jeweils für die Banknachbarn, um übermäßiges Abschreiben zu verhindern – Gruppe C aber bekommen alle Schüler schon eine Woche vorher.

Zum Üben.

“Aber dann haben am Ende doch alle eine 1” lautet ein oft vorgebrachter Einwand. Aber das stimmt nicht. Wahr ist jedoch, dass sich die Noten derjenigen Schüler signifikant verbessern, die sich zu Hause hinsetzen und üben.

Grundsätzlich steht auf dem Blatt ja nichts anderes, als eine Auswahl der Themen, die wir im Unterricht behandelt haben. In der Uni würde der Dozent sagen “Schauen Sie sich das noch einmal gut an, *wink* *wink* *blink* *blink*”. In der Schule heißt es “schaut euch die Seiten 73 bis 75 an und alles, was wir gemacht haben.”
Schüler sind davon überfordert. Sie können aus 50 Aufgaben, verteilt auf vier Seiten nicht herausfiltern, was für eine Arbeit relevant ist, und was nicht.

Und gerade in der Realschule erlebe ich es aber oft, dass viele Schüler in erster Linie mit der Aufgabenstellung in einer Klassenarbeit zu kämpfen haben. “Was will der eigentlich von mir?” ist das eigentliche Problem. Dazu kommt die Grundangst vor der bösen Mathematik – und sofort habe ich einen guten Mix, um Nasenbluten und Panikattacken bei meinen Schülern zu erzeugen.

Drei Klassenarbeiten habe ich inzwischen nach besagter Methode geschrieben – mit durchaus positivem Ergebnis. Schüler, die sich fleißig vorbereiten und viel tun, schreiben deutlich bessere Noten. Auch die Frage der „Förderung“ stellt sich nur bedingt. Wer eine Woche die genauen Aufgaben der Klassenarbeit kennt und dann nicht in der Lage ist, eine ordentliche Arbeit abzuliefern, war schlichtweg zu faul. In Einzelfällen muss man nachhorchen. Die Einserkandidaten sind übrigens zum großen Teil nicht die mathematisch Begabten, sondern die fleißigen Schüler(Innen) der Klasse.

Vom rein subjektiven Gefühl her sind aber alle Schüler glücklicher: Sie wissen, was auf sie zu kommt und das gibt erst einmal Sicherheit.Wenn auch – für einen Teil der Schüler – ein falsches Gefühl von Sicherheit.