Karteileichen

28. September 2012 9 Von Jan-Martin Klinge

Eine Freundin erzählte mir eine amüsante Geschichte aus ihrer Schulzeit. In ihrer Klasse habe es eine Karteileiche gegeben, also einen Schüler, den es nur in den Listen der Lehrer gab. Bei den Anwesenheitskontrollen (“Christina?” –  “Hier”, “Moritz?” – “Hier”, …) hat sich zu Beginn des Schülers jemand den Scherz erlaubt, in der Anonymität der Klasse einfach “Hier” zu rufen, als jener Florian Silbereisen aufgerufen wurde, so dass die Karteileiche als solche gar nicht identifiziert wurde.

Mit der Zeit wurde ein Running Gag daraus. Wann immer Lehrer nach Florian Silbereisen fragten, rief jemand “Hier” oder “Anwesend” und so zogen Wochen und Monate ins Land und bei dem ein oder anderen Kollegen stand die Karteileiche immer noch im Notenbuch.

Skurril wurde es zum Ende des Halbjahres. Denn im Zuge der Transparenz bekamen alle Schüler der Reihe nach ihre Noten für die Sonstige Mitarbeit genannt. Und..ja.. bei dem ein oder anderen bekam der Florian eine gute “3” mit dem Hinweis, er könne sich durchaus mehr beteiligen.

Allein die Vorstellung finde ich so lustig – weil es so erschreckend real ist. Tatsächlich verliert man manchmal den Überblick über die zahlreichen Schülerinnen und Schüler. Natürlich darf so etwas im Normalfall nicht passieren – aber es sagt doch etwas über das Notensystem aus, nicht wahr?

Besonders schön: Ich habe dieses Jahr eine Karteileiche in meinem Physikkurs. Und… ein wenig bin ich versucht… hihi Smiley mit geöffnetem Mund