Schneeballschlacht (aus päd. Gründen)

7. Januar 2013 12 Von Jan-Martin Klinge

IMAG0114Als Lehrer Mensch stehe ich regelmäßig vor einem Dilemma: Schneeballschlachten sind an der Schule verboten. Wie ich finde: Leider.
Denn natürlich sind Schneebälle gefährlich. Und vom Boden aufgekratzter Schnee ist nicht selten mit Steinen versehen und wird bei einigen Rabauken zu Eisbällen. Alle Winter wieder geht so etwas wortwörtlich ins Auge.

Wenn an einer Schule etwas Schlimmes geschieht (wie z.B. ein Unfall), dann wird automatisch die Suche nach dem Schuldigen angeworfen. Ist der Verantwortliche gefunden, untersucht man im nächsten Schritt, welches “Maß an Schuld” ihn trifft. Das ist deswegen wichtig, weil das Land für etwaige Schäden haftet. Als ich mir vor einem halben Jahr an der Tafel die Hand aufgerissen habe, wurde anschließend geschaut, ob ich noch alle Tassen im Schrank hätte wie so etwas Lächerliches passieren konnte.
Wenn aber die Zeit der Schneebälle gekommen ist, fühle ich mir regelmäßig schlecht: Ja, sie sind gefährlich. Ja, das kann zu schmerzhaften blauen Flecken führen und selten zu dauerhaften Verletzungen.

Aber…

Aber!

IMG_0200Aus pädagogischer Sicht gibt es für einen Haufen Kinder nicht viel Besseres, als die Lehrer mit Schneebällen zu malträtieren. Und für uns Lehrer… wenn ich da an den ein oder anderen Schüler denke… Zwinkerndes Smiley
Pädagogisch kann eine Schneeballschlacht sicherlich das soziale Klima verbessern, denn Lehrerarbeit ist immer auch Beziehungsarbeit.

Wenn da nicht die Verletzungen wären. Und die Frage nach der Haftbarkeit.
Denn wenn ich als Lehrer Schneeballschlachten toleriere, dann handle ich grob fahrlässig. (Als Faustformel gilt: Wann immer ich denke “wird schon nichts passieren” ist das grob fahrlässig.) Das bedeutet, das Land haftet nicht für mich. Und wenn ein Schüler durch meine Fahrlässigkeit ein Auge verliert, dann kostet mich das um die 60.000 € aufwärts1.

Wirklich spannend ist aber, dass das Verwaltungsgericht Freiburg heute (07.01.2013) anders entschied. Ein Lehrer nahm an einer Schneeballschlacht teil und wurde am Auge verletzt. Während die Schulbehörde dies nicht als Dienstunfall anerkannte, widersprach das Verwaltungsgericht. Die Teilnahme an der Schneeballschlacht sei in “Ausübung des Dienstes” geschehen. Ein besonderer Fokus des Gerichts liegt auf der pädagogischen Situation. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig.

Ich werde wohl auch in Zukunft mit einem lachenden und einem weinenden Auge jeden Schneeballwerfer ermahnen. Aber wie man sieht – ganz so einfach ist die Situation nicht.

1: Wie immer, wenn es um Rechtsfragen geht: Hoegg – Schulrecht. Dringende Empfehlung!