Licht, Nahrung und Lichtnahrung

25. Februar 2013 5 Von

Mal bewusst durch den Supermarkt gegangen? Die Musik wirkt entspannend, der Duft betörend, die teureren besseren Produkte stehen im Regal auf Augenhöhe (außer für Jan), die Angebotsschilder verführen zum Kauf von zehn Packungen Nudeln anstatt einer und die meisten Kinder verfallen in einen teils wahnsinnigen, durch bunte Bilder induzierten Zustand, der stetig mit intensivem Tränenfluss einhergeht. Trivialen Marketingtricks, wie diese sind vielen Menschen geläufig und man versucht, meist sehr ineffektiv dagegen anzukämpfen auf sie hereinzufallen. Doch der unsichtbarste aller Tricks ist gleichzeitig der sichtbarste. Das Licht. Die Beleuchtung in Supermärkten ist makellos und einige schlaue Köpfe haben es geschafft das Aussehen der Nahrungsmittel durch einfache Lichteffekte bis zur Vollendung zu optimieren. Dabei wirkt das Beleuchtungssystem so einfach. Wenn man den Supermarkt betritt landet man in den meisten Fällen als erstes in der Obst- und Gemüseabteilung. In der Auslage, Äpfel. Der rote Apfel glänzt und seine intensiv rote Farbe verführt zum reinbeißen. Doch schaut man nun an die Decke erkennt das geschulte Auge, dass sich neben den normalen Strahlern weitere Strahler befinden, die speziell für rote Äpfel entwickelt wurden. Sie strahlen ein sehr warmes, rotes Licht auf die Äpfel und lassen diese im richtigen Licht erscheinen. Man könnte jetzt einwerfen, dass es keine besondere Leistung darstellt auf die Idee zu kommen einen roten Apfel rot zu beleuchten, doch es steckt eine Wissenschaft dahinter. In der Käseauslage Beispielsweise werden verschiedene Käsesorten verschieden beleuchtet. Gelber Käse mit einem warmen Orangeton, der die Rinde besonders Käseartig daherkommen lässt. Weichkäse mit Schimmelrinde mit einem kalten weißen Licht, dass die Rinde zum leuchten bringt. Die Firma Philips bietet in ihrem Onlineangebot eine wunderschöne Broschüre zum Thema “Perfekte-Warenpräsentation” und wer sie lesen möchte wird überrascht sein, wie wissenschaftlich dieses Pamphlet doch ist. Diagramme erklären die lineare Abhängigkeit der Fleischproduktfarbe von der eingestrahlten Lichtmenge von Pastete und Hühnerbrust und die Auswirkungen der spektralen Verteilung. Natürlich handelt es sich dabei um eine Werbebroschüre für Supermarktbesitzer, doch diese Tatsache soll die Relevanz dieser Arbeit nicht schmählern. Licht kann Produkte nicht nur dekorieren sondern auch deren Geschmack stark beeinflussen. Das Aroma, dass entsteht, wenn man Produkte Licht aussetzt nennt man Lichtgeschmack. Ein gutes Beispiel dafür ist das Käseln. Käseln ist der Lichtgeschmack des Weins und entsteht durch photochemische Reaktionen der Moleküle im Wein mit dem UV-Lichtanteil aus dem Tageslicht. Der Name Käseln ist selbsterklärend und rührt vom Käsegeschmacks des durch das Licht verdorbenen Weins. Zum Schluss noch eine kleine Geschichte über die Australierin Ellen Greve alias Jasmuheen. Sie ernährte sich angeblich seit 1993 ausschließlich von Licht. Nach ihrer äußerst schlüssigen (und widerlegten) Theorie reicht es vollkommen aus sich den ganzen Tag von den Lichtquellen dieser Erde bestrahlen zu lassen um zu überleben. Natürlich gab es, wie bei jeder esoterischen Lehre eine Großzahl von Anhängern der sogenannten Lichtnahrung. Nachdem es zu drei (unvorhersehbaren!) Todesfällen aufgrund von Verdursten kam stellte sich Ellen Greve dem öffentlichen Selbstversuch, der, wie sollte es auch anders sein, aufgrund von lebensbedrohlichen Mangelerscheinungen abgebrochen werden musste.

Wie auch immer. Ich wünsche allen Lichtessern da draußen guten Appetit (Jan empfiehlt „schwarz-gelbes Licht, wat denn sonst?“), allen anderen viel Spaß beim nächsten Einkauf.   Schließen möchte ich mit den letzten Worten des hungrigen  Johann Wolfgang von Goethe:

“Die Fensterladen auf, damit mehr Licht eindringe”