Ein Bildungssturm tobt.

Weitgehend unbeachtet von der deutschen Medienlandschaft zieht ein gewaltiger Bildungssturm heran, der insbesondere die deutschen Schulbuchverlage in den nächsten Jahren hinwegfegen könnte.

Deutschland gibt Jahr für Jahr rund 200 Millionen Euro für neue Schulbücher aus. Dieses Geld wandert an eine Handvoll Verlage, die sich im Bildungssektor sehr wohl fühlen: Klett, Schroedel, Cornelsen, Westermann etc.  Weil sich Schulbücher zügig abnutzen und ständig aktualisiert werden müssen, ist dies für die Verlage ein gutes, weil berechenbares Geschäft. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass auch diese Branche von ähnlichen Veränderungen betroffen sein wird, wie ehedem die Musik-, dann die Film- und zuletzt die Buchbranche: Die Digitalisierung erhält Einzug, alte Vertriebswege funktionieren nicht mehr. Zuletzt wurde versucht, dieser Entwicklung z.B. durch digitale Schulbücher entgegenzusteuern – viele dieser Ideen waren jedoch nicht durchdacht.

Nun ist nach Apple und Microsoft ein weiterer Big Player in den Bildungsmarkt eingestiegen – und er könnte das Ende der Schulverlage einläuten: Amazon.

Seit kurzem können sich Lehrkräfte aus Schulen in den USA unter amazoninspire.com bei einem Portal für Lehrunterlagen im Schulbereich registrieren – einem Äquivalent zum deutschen 4teachers.de. Im Unterschied zu diesem werden die Materialien auf Amazon allerdings unter der Creative Commons Lizenz zur Verfügung stehen. Das bedeutet,  Lehrer dürfen das Material beliebig verändern und weiterverbreiten. Die Gestaltung der Seite, wie Screenshots u.a. bei Techcrunch zeigen, orientiert sich am normalen Amazon Store. Die Kombination aus Amazons Marketingmacht und CC-BY als Standardlizenz könnte den Bildungssektor auch hier in Bewegung bringen.
Auch das US-Bildungsministerium verfolgt mit der Initiative #GoOpen das Ziel, Lehrunterlagen an Schulen zu öffnen, Stichwort #OER. Sukzessive sollen die herkömmlichen, teuren Bildungsmaterialien durch freie ersetzt werden. Spannend finde ich, dass diese (in meinen Augen sehr positive) Initiative durch Amazon unterstützt wird. Ein Indiz dafür, dass man den Einfluss von Wirtschaftsunternehmen auf den Bildungssektor nicht grundheraus ablehnen darf.

Im gleichen Atemzug hat Google neue Bildungstools für Lehrer vorgestellt. Google Cast for Education zielt mithilfe von Google Classroom auf einen besser strukturierten Computerraum. Die freie Office Suite wird weiter und weiter ausgebaut und Google Formulare erhält neue Vorlagemöglichkeiten für Lehrer, die nun mit wenigen Klicks Klassenarbeiten inklusive Multiple-Choice-Antworten und Punktevergabe erstellen können. Insbesondere letzteres finde ich sehr spannend und werde das in den nächsten Tagen mal testen und darüber schreiben.

Die deutschen Schulbuchverlage sehen sich einer gewaltigen Herausforderung gegenüber. Es wird spannend sein zu beobachten, wie sie der gewaltigen Macht von Amazon, Google, Apple und Microsoft entgegentreten werden. Noch sind die Lehrer auf ihrer Seite – aber das waren die Musikhörer, Filmegucker und Bücherleser auch einmal. Und heute gibt es Spotify, Netflix und den Kindle.

Es bleibt spannend.

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