Gegen das Vergessen schreiben

Gegen das Vergessen schreiben

18. August 2017 2 Von Jan-Martin Klinge

In Nordrhein-Westfalen ist die kommende Woche die letzte vollständige Ferienwoche. Für mich geht es Donnerstag mit einem freiwilligen Erste-Hilfe-Kurs weiter. Ich finde, solche Kurse sollten in regelmäßigen Abständen verpflichtend sein. Aus Israel ist mir ein System bekannt, bei dem in einem Notfall nicht nur Feuerwehr und Krankenwagen benachrichtigt werden, sondern in einem GPS-nahen Umfeld auch sogenannte “mobile Retter”. Das sind normale Bürger mit medizinischer Fachkenntnis, die näher am Ort sind und entsprechend schneller eingreifen können.

Das Schlimme ist, dass ich – trotz jährlichen Kurses – ganz viel Inhalt wieder vergesse. Ich komme mir richtig dämlich vor, wenn ich mich Jahr für Jahr wie ein Trottel der Übungspuppe nähere und den Eindruck erwecke, die Puppe würde gerade mich beatmen.

Überhaupt: Das Vergessen.

Ich vergesse so viel. In diesem Sommer haben wir sehr viel am und um das Haus umgebaut (und mit “wir” meine ich, dass ich Carolina gesagt habe, was ich gerne wie haben will). Ich bin zuletzt öfter durch die Räume getigert und habe versucht, mich daran zu erinnern, wie es aussah, als wir das Haus vor vier Jahren gekauft haben. Welche Farbe hatten die Wände? Wie war es eingerichtet? Welche Türen und Fenster existierten noch nicht?

Wir haben hier so wahnsinnig viel umgebaut, dass ich mich einfach nicht erinnern kann. Absurde, mit Latexfarbe bestrichene Putzwände. Aquarien bis zur Decke. Furchtbar hässlichen Stuck. Ich habe das meiste vergessen. Auch die vielen, investierten Stunden und Wochen sind ausgeblendet. Ärgerlich!
Auch diesen verregneten Sommer haben wir intensiv genutzt und ich dokumentiere aus reinem Eigennutz. Zunächst wurde aus unserer alten, verlotterten Gartenhütte

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eine hübsche, verlotterte Gartenhütte:

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Ein Fenster wurde eingebaut und die Tür verbreitert, damit ich mit dem Rasenmäher besser hineinkomme. Außerdem rostet unsere Feuertonne jetzt nicht mehr unter freiem Himmel vor sich her, sondern gammelt nun im Häuschen. Innen weiß gestrichen, statt vorher dunkelgrau.

Vor dem Haus eumelten die Mülltonnen irgendwo vor sich hin. Weil im Siegerland alles am Hang steht, ist ihr kleiner Platz in den letzten dreißig Jahren wohl nach und nach abgesackt und die Tonnen balancierten immer näher am Rande des Abgrundes. Auch hier wurde Hand angelegt, alte Wurzelstämme ausgerissen, ein Fundament gegen den Hang angelegt und alles begradigt.

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Im Anschluss Kies ausgelegt und mit alten Wabensteinen, die ich geschenkt bekommen habe, neu gepflastert. Dazu ein kleiner Holzzaun, damit niemand (also vor allem ich) nicht beim Mülltonnen füllen den Hang hinabstürzt und vielleicht auch ein wenig, damit keine Rehe in den dahinterliegenden Gemüsegarten einbrechen (verdammte Viecher!).

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Zuletzt und seit ein paar Tagen ist die Garage das Ziel unserer Arbeitswut. Wie auf den Bildern zu sehen, hat sie einen wunderbaren Knick in der Mitte. Gebeugt von Zeit und Last erinnert sie an mich selbst nach der 8. Stunde: Voller Würde aber nicht mehr hübsch anzusehen.

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Die Mittelsäule wurde angehoben und mit drei Säcken Zement und jeder Menge Steine unterfuttert (ein Glück, dass ich mich zuletzt ein Jahr mit Bautechnik auseinandergesetzt habe – Grüße an meinen Kurs!). Inzwischen ist sie wieder wunderbar gerade und ehrwürdig – leider habe ich vergessen, das zu fotografieren.

Außerdem eine Woche in Frankreich verbracht (Reisetagebuch) und gestern mit dem wunderbaren Riza Kara in einem schmerzhaften Kraftakt den vorläufig letzten Band der Reihe “Arbeitslehre unterrichten” fertiggestellt: Den Küchenführerschein. (Dazu später mehr.)

Am Wochenende feiere ich mit meinen Geschwistern uns und das Leben und kommende Woche, bevor es dann losgeht, selbiges nochmal mit ein paar Kollegen.

Klingt für mich alles in allem nach einem guten Sommer.