Digitalisierung von unten (3)

Während ich an meinem Schreibtisch sitze und Klassenarbeiten korrigiere, stört mich meine älteste Tochter. „Du, Papa“, erklärt sie bestimmt, „du musst da jetzt weggehen. Ich brauche deine Bildschirme.“

Jede prokrastinatorische Tätigkeit, die mich vom Korrigieren abhält, ist mir recht und bevor ich etwas sagen kann, sitzt Carolina schon auf meinem Stuhl. Sie wechselt den Benutzer und meldet sich an. Startet OneNote, Wort und Chrome, verteilt die Fenster auf die Bildschirme und legt ihren Tablet neben sich auf den Schreibtisch, während ich gespannt zuschaue.

Vor anderthalb Jahren hat meine Tochter alle ihre Hefte entsorgt und benutzt seitdem ein Tablet zum Mitschreiben im Unterricht. Auch nach anderthalb Jahren immer noch gegen den Widerstand einiger Lehrer, die darin keinen Nutzen erkennen können. Mir wird der Nutzen dagegen heute Abend deutlich vor Augen geführt und ich wünschte, ihre Lehrer könnten das sehen.

„Wir haben ein Projekt über Allergien gestartet“, erklärt Carolina, „hier das habe ich geschrieben“, sie deutet auf den Monitor, „und das da sind Fotos von den Aufschrieben meiner Gruppenmitglieder. Und weil ich einige Worte nicht kannte, habe ich die in der Wikipedia nachgeschlagen und hier eingefügt.“

„Und was machst du jetzt?“ „Ich fasse unsere Aufschriebe hier in dem Wortdokument zusammen für unseren Vortrag und schlage das ein oder andere nochmal nach.“

Ich bin wirklich stolz.

Unter dem Stichwort „Digitaler Bildung“ werden oft die 4K genannt, die wichtigen Kompetenzen des 21. Jahrhunderts:  Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken.

Davon ist einiges zu entdecken. Noch nicht ganz wie im Apple-Spot – aber für meine Verhältnisse schon nah dran. Einzig schade, dass sie weiterhin allein dasteht: Kooperatives Arbeiten ließe sich ganz neu erleben, wenn ihre Gruppenpartner auch digital gearbeitet hätten. Dann hätten sie arbeitsteilig die Zusammenfassung schreiben können.

Aber es wird. Es wird.

[In den Kommentaren zu den vorherigen Artikeln wurde die Bitte geäußert, diese nach einiger Zeit wieder aufzugreifen. Dies tue ich hiermit. Meine Tochter wird ihren Tablet wohl nie wieder gegen ein Heft eintauschen wollen.]

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