„Das war die schönste Zeit…“

„Das war die schönste Zeit…“

4. Februar 2019 2 Von Jan-Martin Klinge

Nachdem wir gestern Abend die Kinder endlich ins Bett gebracht haben, konnten meine Frau und ich uns irgendwann zurücklehnen und einmal durchatmen.

Und eine Weile schwiegen wir einfach.

Kommt man aus sozialen Berufen wie Pastorin oder Lehrer, lernt man die Stille zu genießen. Einzuatmen. Genauso wie ich im Sommer aus dem Lehrerdasein einen Schritt in eine neue Richtung gewagt habe, ist meine Frau in einen pastoralen Vertrauensrat gewählt worden. Damit verbunden sind neue Aufgaben und auch viele Reisen im Jahr. Ohne die Großeltern in unserem Mehrgenerationenhaus würde vieles nicht so reibungslos klappen.

Vor dem Hintergrund dieser intensiven Phase reflektiere ich, ob das, was ich tue auch das ist, was ich will.

Meine Tage sind gerade sehr, sehr voll.

Ihr kennt das: Am Ende des Lebens wünschen sich alle, sie hätten mehr Zeit mit den Kindern verbracht. „Niemand erinnert sich später an diesen einen Tag im Bürostuhl.“

Meine Lebenszeit ist mir sehr kostbar. Ich schneide belastende Zöpfe recht rigoros ab und fokussiere mich konsequent auf Dinge, die mir gut tun.

Also?

Also: Ich komme zu dem Schluss, dass ich wahnsinnig liebe, was ich gerade tue. Ich gehe morgens gerne in die Schule und beende die Tage nicht ächzend, sondern voller Ideen und Gedanken für die nähere Zukunft. In den letzten zwei Wochen hatte ich viele lustige und ermunternde Gespräche mit KollegInnen über Stundenkonzepte und Unterrichtsprojekte. Miterleben und mitgestalten zu dürfen, wie die eigene Schule sich entwickelt ist Wahnsinn!

Außerdem bin ich meinen alten Kollegen Freunden noch sehr verbunden.

Wir treffen uns zum Kaffee und hecken Ideen aus, planen Projekte und träumen von einer anderen Form von Unterricht. Mit dem DFB ins Fußballstadion. Skypen mit Ecuador. Das Spritzmuster von Toilettenspülungen und die Analyse von Pferde-Urin im Mathematikunterricht. Ein Rollstuhltag und ein nächtlicher Ausflug in die Sternwarte. Tausende verkaufte Bücher. Der Deutsche Lehrerpreis. In den letzten Jahren sind diese Schnapsideen im Zusammenspiel mit wunderbaren Freunden entstanden. Im Augenblick habe ich so viele Ideen auf meinem Computer skizziert, dass ich am liebsten ein Sabbatjahr nehmen würde, um sie alle zu realisieren (nicht nur Schulisches: Das Hühnerhaus muss nach diesem Herbst dringend gestrichen werden und mir fehlen die langen Spaziergänge durch unseren Wald!).

Eine wahnsinnig intensive Zeit. Aber eine, in der ich mit Lust auf jeden neuen Tag schiele.

Diese Woche findet meine erste Zeugniskonferenz als Abteilungsleiter statt. Und natürlich das erste Mal Zeugnisse drucken und rausgeben in selber Funktion. Nächste Woche ist Anmeldewoche und das heißt: Zahlen, Zahlen, Zahlen! Für meine großartige Schule erwarte ich viel und bin insbesondere gespannt, ob wir eine Tablet-Klasse realisieren können. Außerdem muss ich Mittwoch als Zeuge vor Gericht erscheinen und Richtung Wochenende nach Berlin düsen: Cornelsen hat mich zu einem Mathematiker-Netzwerk eingeladen. Das wird sicher interessant. Ich wäge noch ab, ob ich mit der Bahn reise oder dem Auto.
Eine Woche später beginnt die didacta und am Samstag, den 23.2. bin ich für Microsoft auf der Bühne und darf ein bisschen über meine Erfahrung mit OneNote sprechen. Das wird mega aufregend und ich bin nicht nur ein bisschen nervös. Besonders freue ich mich, ein paar Kollegen aus der digitalen Welt kennenzulernen und Sebastian Schmidt und ich begegnen uns sowieso immer wieder mal.

Wenn ich irgendwann mal zurückblicke, dann sicher nicht mit Bedauern. Denn ich genieße diese Zeit, diese intensiven Tage in vollen Zügen.