Ein Ball geht noch. Und noch einer. Und noch einer?

In stillen Momenten, wenn ich innehalte und darüber nachdenke, aus wie vielen Zahnrädern diese Maschinerie besteht, die ich mein Leben nenne, dann bekomme ich Atemnot. Ich merke, wie mich die Angst lähmt und der Blick auf diesen schier unüberwindbaren Berg, die Vielzahl an komplexen Aufgaben und Verantwortungen mich zu ersticken droht. Geht das nur mir so? Vielleicht.

Den frühen Morgen habe ich beim Arzt verbracht: Krebsvorsorge. Ein so wichtiges Thema, dass es einen eigenen Blogartikel wert ist. Anschließend zur Schule gefahren und mit meiner neuen 5 gearbeitet. Zwischendurch Schülern und Lehrern technischen Support geleistet. Fragen beantwortet, Computer eingerichtet. Und mit jenem Kollegen gequatscht, mit dem ich das Büro teile.
Nach der Schule schnell zur Jugendherberge gefahren um letzte Absprachen abzusichern: Nächste Woche geht es auf Klassenfahrt und ich möchte nicht wieder in die Verlegenheit kommen, ohne Schlafräume, Seminarräume oder Essen dazustehen. Dann kurz zum Kindergarten und meine Jüngste abgeholt. Die ist zu einem Geburtstag eingeladen worden. Wann? Ach ja! Und ihr eigener muss auch noch geplant werden. Geschenke besorgen? Heute geht nicht.

Früh am Abend zurück in die Schule. Mit meiner wunderbaren Co die Grundlagen des U-Bahn-Planes für den Englischunterricht angebracht. Mit jeder neuen Lektion ergeben sich neue Strecken. Ach! Das sieht wunderbar aus. Eine Stunde lang auf Stühlen geklettert und Strecken geklebt.
Abends dann Elternpflegschaft. Meine neuen Eltern kennengelernt. Viele Fragen zu Klassenfahrt und zur den Tablets (noch mehr Blogartikel). Ganz viel Gelächter, Vertrauen und Lust auf die kommenden Jahre. Ich glaube, alle Eltern sind zufrieden nach Hause gegangen.

Jetzt, abends, merke ich, wie mir dies hier, das Schreiben gut tut. Wie eine Therapie, kann ich den Tag nochmal kurz reflektieren und den ein oder anderen mitnehmen in ein Lehrerleben.
Aber ich erschrecke auch: Vor der Vielzahl an Anforderungen. Innehalten geht nicht. Die Maschine muss weiterlaufen.

Der entscheidende Punkt ist: Diese Arbeit macht einen unfassbaren Spaß. Es ist, als würde ich mit acht Bällen gleichzeitig jonglieren. Ich muss mich ständig konzentrieren, es ist höllisch anstrengend aber wahnsinnig aufregend: Geht noch ein Ball mehr? Und noch einer?

Mit meiner Co ist das Arbeiten ein Traum. Wir beenden gegenseitig unsere Sätze. „Hast du das…“, frage ich sie mittags und sie unterbricht mich: „Ja, habe ich schon kopiert, liegt für heute Abend bereit.“
Die wenigen freien Minuten eines Tages verschönern mein Bürokollege und ich unser Büro. Pflanzen. Kaffee. Süßkram. Obst. Ende der Woche kommt ein kleiner Kühlschrank. Wir arbeiten so intensiv, so effektiv und so herzlich miteinander, dass jeder Tag wirklich und wahrhaftig ein Geschenk ist. „Ein gutes Büro erkennt man daran, dass man da auch mal zwei Tage autark drin leben kann“, erklärt er.

Ich kann verstehen, wenn Menschen sich in ihren Job verlieben. Wenn sie tief eintauchen in das, was sie machen. So etwas wird oft negativ verklärt (und auch von mir!), aber heute denke ich anders: Ich liebe meinen Job. Die Arbeit in der Schulleitung, mit den KollegInnen und den Kindern ist mega herausfordernd und mega lustig.

Nur hin und wieder, wenn ich innehalte und mir vergegenwärtige, was da alles läuft, dann bekomme ich kurz keine Luft mehr.
Und das Einzige, was mir hilft, aus dieser Starre herauszukommen ist, mich blauäugig in neue Projekte zu stürzen. Noch mehr zu machen. Weiterhin die Dinge abzuschneiden, die mir Kraft rauben, die negativ sind. Anderes, neues ausprobieren. Immer weiter, immer mehr.

Ich bin noch lange nicht fertig. Und ich habe so Lust auf die Dinge, die da kommen.

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