Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?

In den letzten Tagen flog mir vieles im Leben um die Ohren. Zeiten, die gerade viel Kraft kosten mit sehr tiefen Tiefen und sehr hohen Höhen – darum war die letzten Tage hier eher Ruhe. Schreiben hilft (das hat etwas Therapeutisches), aber in einem öffentlichen Blog ist eher Platz für die schönen Dinge.

Nach der Publikation meines letzten Buches habe ich mir in den vergangenen drei Wochen etwas Zeit genommen, mich neu zu sammeln. Ich bin ein „Projektmensch„. Einfach so vor mich hinarbeiten, das fällt mir schwer. Ich brauche ein Ziel, eine Aufgabe. Etwas, worauf ich hinarbeite und das bewältigt werden möchte. Eine erste Idee wird durch Gespräche und Alltagssituationen handfester, konkretisiert sich und liegt nun vor mir: Ein ganzer Schreibtisch voll Arbeit und ich kann es kaum erwarten, loszulegen.

Ich erzähle demnächst mehr (es ist einen eigenen, ausführlichen Eintrag wert), aber heute gab es Wichtigeres: Meine älteste Tochter hat ihren Geburtstag gefeiert. Als großer Queen-Fan hat Carolina sich eine Schallplatte der Greatest Hits gewünscht und als bester Vater der Welt, habe ich sie natürlich schon vor Wochen gekauft. Um die Überraschung geheim zu halten, habe ich die Schallplatte versteckt. Irgendwo. Im Haus. Oder im Garten. Vielleicht zwischen den Büchern? Oder unter den Handtüchern?

Den Abend vor dem Geburtstag verbringen meine Frau und ich mit Suchen. Unter, auf und zwischen den Regalen. In den Wäschekörben. Ich fühle mich, wie der dämlichste Vater der Welt. Kurz, bevor wir endgültig aufgeben und ich schon drauf und dran bin, einfach eine neue Platte via Amazons Over-Night-Express zu bestellen, finden wir sie. Himmel! Welch ein Glück.

Außerdem bekommt sie einige jener Escape-Spiele geschenkt, die gerade sehr populär sind. Dabei handelt es sich um Rätselspiele, die man bloß ein einziges Mal spielen kann, weil im Verlaufe das Material zerschnitten, bekritzelt und zerknickt wird. Ganz euphorisch überredet sie meine Frau und mich, eines der Spiele zu spielen. „Ich auch das Einsteiger-Nivau!“, erklärt sie.

Und zu Beginn haben wir uns wirklich Mühe gegeben. Meine Frau und ich auch. Aber mit zunehmender Spieldauer merken wir beide, wie ungeduldig wir sind. „Oh, die Passagiere müssen den Weg zu den Notausgängen wissen! Ich helfe dir schnell“, quatscht mich die Stewardess an und mit dieser kryptischen Information soll ich irgendwie drei Zahlen zusammenbasteln. Wir sind beide sehr schnell genervt und schielen immer wieder auf die Hilfekarten.

Ich bin ungeduldig und fühle mich dumm. Ein schlechtes Gefühl. Das Umhertappen im Dunkeln bereitet mir keine Freude, sondern ist demütigend und im Unterschied zu Carolina fehlen mir Geduld und Lust, mich von einem Spiel („ab 10 Jahre!“) vorführen zu lassen. Irgendwann ist unsere Tochter genervt von uns und ich fühle mich wie der schlechteste Vater der Welt. Nach anderthalb Stunden spielt sie das Spiel alleine zu Ende. Wir hätten uns wirklich mehr Mühe geben sollen. Aber zwei Stunden lang ein dämliches Rätsel nach dem nächsten – das hält doch kein Mensch aus. Und wozu eigentlich? Es erscheint mir wie Zeitverschwendung – aber ich kann Gesellschaftsspiele auch per se nicht leiden.

Ein Gutes hat die Erfahrung: Meine Frau und ich wissen nun sicher, dass wir uns niemals eine „Escape Room“-Event schenken werden.

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