KidS #2: Angebot

Dieser Text ist Teil einer Serie, die sich mit Kommunikationsmanagement in der Schule (‚KidS‘) auseinandersetzen. In dieser Serie soll das Thema von verschiedenen Stellen aus beleuchtet werden. Dazu zähle ich im weitesten Sinne Gesprächsanalysen, Argumentationsstrukturen und Deeskalationsstrategien aber auch Körperhaltung, Stimmlage und Präsenz. Die einzelnen Artikel konzentrieren sich auf verschiedene Aspekte von Kommunikationsmanagement und sollen langfristig zu einem schulinternen Fortbildungsseminar zusammengefügt werden.

Kreischende, von zuviel Zucker aufgepeitschte Kinder mit viel zu viel Energie testen ihre Grenzen aus und ignorieren alles, was ich sage. Ich bin verantwortlich für diese Bande und nach jedem dieser Horrortage falle ich abends müde ins Bett und zähle die Jahre rückwärts.

Schule? Nein! Die Kindergeburtstage meiner Töchter sind für mich die anstrengendsten Tage im Jahr.

Aber machen wir uns nichts vor: Auch Schule kann sehr anstrengend sein. Je nach Standort und Art der Schule, je nach Klassenstufe und Kurszusammensetzung kann der Schulalltag an die Gesundheit gehen. Nicht umsonst ist die Burn-out-Rate unter Lehrern exorbitant hoch.

Obwohl ich den Satz „Darauf hat mich das Studium nicht vorbereitet“ schon häufiger gehört (und sicherlich auch einige Male selbst gesagt) habe, stehen Lehrer, wenn es um das Thema Selbstbehauptung, Deeskalation oder Kommunikationsmanagement in der Schule geht, nicht alleine da.

Angebot: Systemische Ansätze

Es gibt zum einen systemische Ansätze, um die Lehrerrolle zu stärken. Der Stufenplan bspw. ist ein solches Verfahren. Nach einem relativ starren Schema wird der Schüler mit seinem Fehlverhalten konfrontiert. (Verkürzt: „Was tust du?“ „Gegen welche Regel verstößt du?“ „Wie entscheidest du dich, weiterzumachen?“). Stört der Schüler weiterhin, so gibt es einen Eintrag in den Stufenplan. Bei einem sogenannten Stufengespräch (nach jeweils fünf Einträgen) wird eine Zielvereinbarung getroffen, um das Verhalten des Schülers langfristig zu verändern. Diese Gespräche werden zunächst nur mit Klassenlehrern und Eltern, in höheren Stufen auch mit Sozialarbeitern und Vertretern der Schulleitung geführt. Entscheidend ist, dass der Stufenplan kein Sanktionierungsmodell sein soll, sondern ein Erziehungsmodell zur einheitlichen Orientierung an einer Schule. Ziel ist immer, dem Schüler zu helfen, sich an die Schulordnung zu halten.

An anderen Schulen findet sich das Trainingsraumkonzept und zuletzt begegnete mir die Einsetzung einer „AktiF-Gruppe“. All diesen Ideen gemein ist, dass sie systemische Ansätze sind, um die Rolle des Lehrers zu stärken. Als einzelner Lehrer bin ich stark davon abhängig, ob diese Angebote an meiner Schule existieren oder sich entwickeln lassen.

Angebot: Fortbildungen

Außerdem gibt es natürlich die Möglichkeit, sich persönlich weiterzuentwickeln. Immer wieder werden von der Bezirksregierung, den Gewerkschaften und weiteren Partnern Lehrerfortbildungen zu Themen wie „Umgang mit schwierigen Schülern“ „Stoppstrategien im Unterricht“ etc. angeboten, die in genau jene Richtung zielen: Die Rolle des Lehrers im Unterricht zu stärken.

Ich habe in den letzten Jahren mehrere solcher Fortbildungen genossen, die für mich zu jenem Zeitpunkt Augenöffner gewesen sind. Je nach Referent verschoben sich die Schwerpunkte etwas. Ulrich Krämer berichtete bspw. ganz viel aus der Praxis über den direkten Umgang mit aggressiven Jugendlichen, bei Schauspieler und Kommunikationstrainer Rudi Rhode habe ich dagegen viel über Gesprächsanalyse und Statusverhalten gelernt.

Das Problem

So sehr ich solche Fortbildungen genieße – sie sind oft nicht besonders nachhaltig.

Es ist, wie bei einem Erste-Hilfe-Kurs. Er ist wichtig und sinnvoll – aber schon nach drei Wochen habe ich die Hälfte wieder vergessen: Benutze ich die Mullbinde oder das Verbandspäckchen für einen Druckverband? Wie geht nochmal die stabile Seitenlage? Ist der Rhythmus Herzdruckmassage-Beatmung 30-2 oder anders?

Ich vergesse vieles sehr, sehr schnell. Erst recht, wenn ich es im Alltag nicht beständig übe. Zusammenfassend lässt sich vielleicht sagen: Die Fortbildungen sind cool (und insbesondere die o.g. Referenten sind sehr zu empfehlen!), aber eigentlich bräuchte ich einen Personal Coach wie im Fitnessbereich: Einen Trainer, der mir Woche für Woche aufs Neue sagt, wo meine Schwachstellen sind.

Die Frage lautet also: Wie bekomme ich die Expertise von Krämer und Rhode nachhaltig in mein Kollegium?

Nun, darum soll es in dieser Reihe gehen.

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