Eine Woche vor Weihnachten merke ich im Jahresendspurt ganz deutlich, wie die Anspannung und der Stress der letzten Wochen von mir abfallen. Ich wache wieder morgens kurz nach fünf auf und beginne, Energie in kreative Projekte zu stecken: Mit drei Schülerinnen aus der Jahrgangsstufe 5 gründe ich demnächst eine kleine Schülerfirma. Und ein kleiner Haufen begeisterter Jungs möchte gerne eine IT-Support-Schülerfirma gründen. Über beides werde ich demnächst im neuen Jahr berichten. Vieles weiteres spukt mir im Kopf herum und gerade verknüpfe ich ganz viele lose Fäden zu spannenden Schritten, die meine Schule weiter voranbringen.

Anderthalb Jahre bin ich nun Teil einer Schulleitung und stelle immer wieder fest, wie aufregend diese Position ist. Schule wirklich machen zu dürfen. Hätte ich vor drei, vier Jahren nicht für möglich gehalten.

Bill Gates sagte einmal sinngemäß, er würde zuweilen einen faulen Menschen für einen schwierigen Job einstellen. Denn der würde unweigerlich nach einem Weg suchen, die Aufgabe effizienter und mit weniger Aufwand durchzuführen. Etwas beschämt stelle ich immer wieder fest, wie gut diese Beschreibung auf mich zutrifft. Mir oblag es, die Organisation unseres schulischen Weihnachtsfestes durchzuführen. Das impliziert: Das Kollegium muss sich zahlreiche Tagesprojekte ausdenken und kurz skizzieren. Anschließend müssen alle Schülerinnen und Schüler aus der Liste von etwa 30 Projekten wählen und zugeteilt werden. In diesem Jahr sind das 400 Kinder. Nächstes Jahr 500. Danach 600. Wie kann man das bei geringstmöglichem Zeitaufwand realisieren?

Meine erste Idee, mit einem digitalen „Kurswahl-System“ zu arbeiten, habe ich schnell wieder verworfen. Dabei würden die Kinder sich online ein Projekt aussuchen können und sobald dieses die maximale Teilnehmerzahl erreicht hätte, wäre es von der Liste verschwunden.
In der Praxis hätte das wohl für viel Ärger gesorgt: Hier funktioniert das Internet nicht, dort hat die Wahl aus anderen Gründen nicht funktioniert. Am Ende hätten viele Kinder an meine Tür geklopft, um sich zu beschweren, warum sie nicht Projekt XY wählen konnten.

Handzettel vielen allerdings auch aus. Berge von Wahlzetteln nach Erst-, Zweit- und Drittwunsch zu sortieren hätte mindestens einen halben Arbeitstag gebraucht. Und ein weiterer Tag wäre dafür draufgegangen, dass ich die Namen auf den Zetteln hätte entziffern müssen.

Eine (fast) optimale Lösung habe ich in dem Tool „Microsoft Forms“ gefunden. Darin lassen sich Umfragen erstellen die anschließend in einem Excel-Dokument ausgegeben werden.
Auf einen Blick sehe ich, welche Projekt wie oft gewählt wurde und kann in der Tabelle schnell suchen und sortieren: „Wer hat alles Weihnachtsbaumschmuck gewählt?“
Auch das Zuteilen zu den Projekten lief dann viel via „ausschneiden“ (aus der allgemeinen Wahlliste) und „einfügen“ (in die Projektliste).

Nach zwei Stunden Arbeit waren alle Schüler verteilt. Den Erfolg dieser Vorgehensweise mache ich auch daran fest, dass sich die Anzahl der Nachfragen und typischen Wechselwünsche auf eine kleine Handvoll Schüler beschränkte. Bill Gates wäre stolz auf mich.

Auch die oben genannten Schülerfirmen werden in diese Richtung gehen. Wie kann ich bestimme Abläufe und Probleme abkürzen und so verändern, dass sie weniger Zeit und Energie fressen?

Bedingt durch die anstrengenden Wochen und viel Orgakram im Hintergrund ist die Arbeit mit meiner Klasse ein wenig in den Hintergrund geraten. Das bedaure ich zutiefst und hoffe auf Besserung im zweiten Halbjahr. Denn für die Kinder gilt:

 

Um die Zeit bis Weihnachten ein wenig zu verkürzen – und all jene unter euch zu erfreuen, die es bis hierhier geschafft haben – findet ihr zwei meiner Bücher (u.a. „Astronomie“) bis auf weiteres als kostenlosen Download auf diesem Blog, oben unter „Schulbücher“. Und weil viele von euch vermutlich Lehrer sind, gibt es die Bücher nicht nur als .pdf, sondern auch als veränderbare .pptx-Datei, damit ihr sie auf euren Unterricht anpassen könnt. Wer mag, kann ja vielleicht eine nette Rezension bei Amazon unter die gedruckte Fassung schreiben.

Bis dahin gilt erstmal: Eine besinnliche Adventszeit euch allen.