In einer lange vorbereiteten Preisverleihung haben wir gestern Schülerinnen und Schüler ausgezeichnet. Die Kategorien unterscheiden sich dabei von dem, was man so kennt und haben auch Kinder herausgestellt, die eine solche Ehrung noch nie erlebt haben.

Vowort

Das Wichtigste zuerst: Ich suche nach Pokalen!
Wenn ihr einen Verein kennt der mal aufräumen oder einen Sportler, der im heimischen Arbeitszimmer Platz schaffen muss – meine Schule sucht nach Pokalsammlungen. Im Austausch gegen eine Kiste Bier werden sie, wie ich gleich erzähle, einem guten Zweck überführt!

die Idee

Gegen Ende des letzten Schuljahres sprachen wir in der Schulleitung über den Punkt, dass wir sehr oft mit Hürden, Problemen und Frust zu kämpfen haben – und dabei die Erfolge manchmal untergehen. „Eigentlich müssten wir die leistungsstärksten Kinder feiern!“ war der Grundgedanke.

Diesen Ansatz habe ich einige Zeit in meinem Kopf gewälzt. Aus der ersten Idee wurde nach und nach eine konkrete Vorstellung, die von rechts und links mit Puzzlestücken ergänzt wurde und gestern ihre fulminante Durchführung erlebte.

Die Preise

Von einem Autosport-Verein haben wir zwei Kisten mit aussortierten Pokalen geschenkt bekommen (ein herzliches Dankeschön dafür!). Im Laufe der Jahre sammeln sich in den Vereinshäusern Dutzende von Trophäen und da muss irgendwann aussortiert werden.

In der Schule angekommen haben wir sie poliert, die Plaketten entfernt und im Deckel den Schulnamen eingefügt.

Zwei Wochen haben wir die Masse an Gold und Silber im Eingangsbereich der Schule ausgestellt und manch sehnsüchtigen Blick wahrgenommen. Das sah schon gut aus.

Außerdem habe ich mir etwas Mühe gemacht und (mit der Allzweckwaffe PowerPoint) einige Urkunden erstellt. Weil ich aus eigener Erfahrung weiß, dass papierene Urkunden jeder Art in den Tiefen einer Schreibtischschublade landen, haben sie direkt eingerahmt. So lässt sich die Urkunde im Regal aufstellen oder mit einem Nagel an der Wand befestigen.

Aber, wofür gab es denn nun Preise?

Kategorie: Leistung

In Schule geht es zunächst um Leistung. Darum erklärt sich die erste Kategorie von alleine: Wir haben die Besten eines jeden Jahrgangs gesondert geehrt. Sie sind durch Strebsamkeit, Ehrgeiz und Fleiß ein Vorbild für alle anderen und an einer großen Schule dürfen sie zuallererst genannt werden.

Aber: Ehrlicherweise besteht der Kreis der Titelanwärter aus einer Handvoll Mädchen und Jungen. So herausragend die Leistung von Bayern München im Fußball ist – wirkliche Spannung (oder auch nur echtes Interesse) am Ausgang einer Ehrung kommt da nicht auf.

Also benötigt es noch weitere Kategorien. Bereiche, in denen auch andere Kinder die Chance haben, einen Preis zu gewinnen.

Kategorie: Verbesserung

Besonders am Herzen lag mir Kategorie 2: Jene Schülerinnen und Schüler, die im vergangenen Jahr einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht haben.

In der Notengebung gibt es oft den „pädagogischen Anteil“, das bedeutet, es wird gemeinhin nicht der mathematische Mittelwert aller Noten bestimmt, sondern die Lehrkraft darf immer auch die Pädagogik einfließen lassen: „Dem Sebastian täte die 2- nicht gut, der würde sich darauf ausruhen. Eine 3+ würde ihn etwas kitzeln und herausfordern. Aber beim Jonathan ist es genau andersrum: Eine 2- wäre ein richtiger Motivationsschub!“

In diese Kategorie konnten Schülerinnen und Schüler fallen, die sich im Notenbild von Sorgenkind zu Durchschnitt verbessert haben. Und es konnten Kinder genannt werden, die sich sich einen Ruf als Raufbold und Tunichtgut erarbeitet hatten, aber im vergangenen Jahr im sozialen eine deutlich sichtbare Entwicklung vollzogen haben.

Vorgeschlagen wurden die Kandidaten (einer pro Klasse) von den Klassenlehrerinnen und -lehrern. Neben der Urkunde erhielten sie einen Wanderpokal für ein Jahr mit dem Versprechen: Wer diesen Preis ein zweites Mal gewinnt, darf den Pokal behalten.

Diese Kategorie ist auch deshalb so spannend, weil jedes Kind eine Chance auf den Preis hat. Das steigert die Vorfreude auf den Tag ungemein.

Kategorie: Besondere Verdienste

Zu letzt – und mit den größten und wertvollsten Pokalen von allen – ehrten wir jene Schülerinnen und Schüler, die sich in besonderer Art und Weise um die Schule verdient gemacht haben. Jemand, der sich unermüdlich für ein gemeinsames Miteinander einsetzt, Außenseiter zurück in die Klassengemeinschaft holt, Streitschlichter ist und viel freie Zeit und Engagement außerhalb des Unterrichts für das Schulleben entwickelt. Schülerinnen und Schüler, von denen wir gerne mehr hätten und an denen sich jedes Kind ein Beispiel nehmen darf.
Sie wurden zuletzt genannt und gefeiert.

Durchführung & Technik

Schon vor einer Woche hat der Instagram-Kanal meiner Schule das Event angekündigt und die Spannung ansteigen lassen.

Unsere aufbauende Gesamtschule hat mittlerweile über 500 Schülerinnen und Schüler und auch ohne Corona hätten die nicht in die Aula gepasst – es musste eine clevere Alternative her.

Die Preisverleihung als solche fand im Foyer des Hauptgebäudes statt. Als Zuschauer zugelassen waren unsere neuen 5er. Für sie war es das erste Highlight an der Schule und mit großen Augen verfolgten sie das geschehen.
Wie im Fernsehen gab es große „APPLAUS“ und „BITTE RUHE“ Schilder, mit denen ein bisschen Regie geführt wurde.

Vor der Bühne aufgebaut stand ein Notebook und streamte das Event in eine Videokonferenz. An unserer Schule nutzen wir dafür Microsoft Teams. In den Klassenräumen der 6er und 7er hatten die Kolleginnen und Kollegen ihre Dienstrechner Computer mit dem Beamer verbunden und konnten dem Geschehen folgen. Unsere 8er und 9er sind in einem anderen Gebäude – dort gibt es ebenfalls ein großes Foyer und dort konnten sie auf großer Leinwand dem zusehen, was wir uns ausgedacht hatten.

Preisverleihung

Das Besondere: Keiner der Nominierten wußte vorher, dass er heute einen Preis gewinnen würde und die Übertragung war live. Wenn vorne auf der Bühne also „Max Mustermann aus der 6d“ ausgerufen wurde, dann musste Max erst noch aus seinem Klassenraum zu uns runter in die Aula laufen.

Diese Wartezeit überbrückten wir mit großartiger Livemusik und für die Verkündigung der letzten Preisträger schalteten wir sogar – wie annodazumal bei Wetten, dass…? – zurück ins Forum des anderen Gebäudes, wo der verantwortliche Kollege mit der Kamera durch die Reihen lief, glückliche Gesichter und stolz emporgereckte Pokale und Urkunden filmte.

Das war ein absoluter Traum und ein fantastisches Ende einer Schulwoche.

Fazit

Unzweifelhaft war dieser Tag ein Höhepunkt im Leben einiger Kinder. Als städtische geprägte Gesamtschule vereinen wir die ganze Bandbreite der Gesellschaft bei uns – von der absoluten Leistungsspitze bis zu jenen Kindern, die mehr Zerbruch im Leben erfahren haben, als man einem Menschen zumuten dürfte.

Wenn dann ein Kind in Tränen ausbricht, kein Wort mehr herausbekommt und Urkunde und Pokal fest an den Leib gepresst nach Hause stürmt um der Mama davon zu erzählen – dann sind das genau die Momente, für die wir diesen Beruf ergriffen haben.

Neben der verdienten Ehrung der Schülerinnen und Schüler war dieses Event auch für uns als Kollegium wichtig. Viel Zeit verbringen wir mit dem Lösen von Konflikten und Problemen. Dabei verliert man manchmal das den Augen, wie oft wir unsere Ziele erreichen. Jungen und Mädchen, die gewaltige Sprünge nach vorne machen, die nach vielen Monaten und Jahren des Pädagogisierens gefestigt im Leben stehen.

Wir haben uns gestern ein Stück weit selbst gefeiert und das ist – gerade in diesen Zeiten – wichtig für die Seele.


Preisverleihung

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn ihr jemanden kennt, der seine Pokalsammlung ausdünnen möchte: Werft das Blech nicht in den Müll, sondern schickt es uns! Jede einzelne Trophäe kommt einem guten Zweck zugute und wird das Leben eines Kindes positiv prägen. Danke!

z.Hd. Jan-Martin Klinge

Gesamtschule Auf dem Schießberg
Schießbergstraße 111
57078 Siegen