Die Weihnachtsferien stehen an, zweieinhalb Wochen Pause im Schulbetrieb, aber eine ellenlange ToDo-Liste. Ich habe mir ein paar Gedanken darüber gemacht, wie Schulen diese Zeit nutzen sollten.

Ein Elternbrief der Grundschule meiner Tochter erreicht uns. Der Fernunterricht sei in der Grundschule besonders schwierig aber man würde sich mit dem Kollegium ab dem 28.12. wieder zusammensetzen und dann mit konkreten Plänen an uns Eltern herantreten.

Elternbrief Weihnachtsferien

Nun bin ich vorsichtig, die terminlichen Abläufe anderer Schulen zu kritisieren – zumal in Rheinland-Pfalz die Ferien offiziell mit dem 31.12. enden – und doch kann ich ein dezentes Kopfschütteln nicht vermeiden.

In den vergangenen Monaten haben, wo immer ich hinschaute, engagierte Lehrerinnen und Lehrer zahlreiche Überstunden geleistet. Manchmal sichtbar, wenn KollegInnen aus Risikogruppen oder Schwangere vertreten werden mussten und allzuoft unsichtbar, wenn man sich am Abend oder Wochenende Gedanken um die Schülerinnen und Schüler gemacht hat. Mikrofortbildungen, Web-Seminare und Austausch fand auf allen Ebenen statt. Keine Schule steht mehr da, wo sie im Januar 2020 stand.

An meiner kleinen Gesamtschule im Aufbau haben wir einen virtuellen Tag der offenen Tür aus dem Boden gestampft, zahlreiche interessierte Eltern durch die Flure geführt, mehr schulinterne Fortbildungen als je zuvor durchgeführt, uns mit alternativen Prüfungsformaten und Hybridunterricht auseinandergesetzt nun diese Woche erst, nach der spontanen Ankündigung des Ministeriums, den Präsenzunterricht auszusetzen, in einem Kraftakt dafür gesorgt, dass wirklich alle unsere Schülerinnen und Schüler mit digitalen Endgeräten ausgestattet sind. 100% Abdeckung.

Fragt man mich, dann sollte, nein: muss! die ToDo-Liste für die Weihnachtsferien lauten:

Füße hoch legen! Gar nichts tun.

Ich halte mich nicht für den allerschlechtesten Lehrer. Ich habe Freude am Beruf, komme mit den meisten Kindern gut klar und nur drei von zehn Kollegen finden mich merkwürdig oder sehr merkwürdig. Viel mehr kann ein Physiklehrer nicht erreichen.

Aber: Die letzten Monate waren richtig anstrengend. Die fortwährende Flexibilität über das gewohnte Maß hinaus. Die konstante Unterstützung mangelnder sozialer Interaktionen in der Schule. Das fortwährende Denken, Grübeln, Planen. Zwischendurch merkten auch meine Schüler meinen Schlafmangel an.

Ich kann aber nur dann ein guter Lehrer sein, wenn ich gesund bin. Und dazu braucht es gerade Ferien. Pause. Nichtstun. Kommenden Dienstagabend werde ich meinen Computer herunterfahren und ihn auch zwei Wochen nicht mehr anrühren erst dann wieder einschalten, wenn ich Lust verspüre.

Die Politik, und besonders das Resort „Bildung“, hat in den vergangenen Wochen viel Vertrauen eingebüßt. Nicht ganz zu Unrecht wurden den Verantwortlichen eine verbesserungswürdige Kommunikation und fehlende Weitsicht attestiert. Da wäre mehr drin gewesen.

Für die LehrerInnen dieses Landes, für die SozialarbeiterInnen und weitere MitarbeiterInnen der Schulen wünsche ich mir in den kommenden zwei Wochen wirklich nur, getreu dem großen Peter Lustig folgend:

Einfach mal abschalten!