Der heutige Tag markiert die Geburt meines politischen Lebens. Es wird Zeit, die Ersatzbank zu verlassen und aktiv mitzuwirken. 

Vor zwei Jahren habe ich in diesem Artikel moniert, an welchen Stellschrauben meines Lebens ich noch unzufrieden bin. Die Zeit habe ich genutzt, um mehr oder weniger erfolglos an mir zu arbeiten. Über einige Monate hinweg habe ich mir die Grundlagen des Klavierspielens angeeignet – aber insgesamt hat mir das wenig Spaß bereitet. Ähnliches gilt für meine Vorsätze, mehr Sport zu treiben – meine Ausrede ist das Baby, aber natürlich ist es nur eine Frage der Prioritäten. Die Wahrheit ist: Mir ist „Sport treiben“ einfach nicht wichtig genug.

Von meiner Liste bleiben noch „kochen lernen“, „Physik lernen“ und „politisch engagieren“ übrig.

Letzteres habe ich nun in Angriff genommen. Ich habe vor zwei Wochen einen Mitgliedsantrag für eine grüne, politische Partei gestellt und mich heute Abend in der Videokonferenz als neues Gesicht dem Kreisverband vorgestellt.

Ganz schön nervös war ich im Vorfeld und hatte mich ordentlich auf das Kolloquium vorbereitet.

  • Parteiprogramm auswendig gelernt: Check.
  • Flapsige Bemerkungen über die anderen Parteien: Check.
  • Politische Floskeln um eigene Unwissenheit zu überspielen: Check.

Gut vorbereitet stolperte ich in die Prüfung Videokonferenz – die dann am Ende aber schlicht ein nettes Kennenlernen war.

Wahnsinnig neugierig bin ich auf die Mühlen der (Kreis-)Politik. Ich habe von den Abläufen, Vorschriften und Strukturen lokaler Politik wahnsinnig wenig Ahnung und verspüre gleichzeitig große Lust, mich damit auseinanderzusetzen. Warum ist was wie geregelt? Wenn das nur halb so spannend wie „Schulrecht“ während meines Referendariats wird, dann wird das mega!

Mit Haus und Huhn und Hund und Baby und Schulleitung werde ich tendenziell keine große politische Karriere starten – aber darum geht es mir gar nicht. Ich möchte Teil eines Aufbruches in die richtige Richtung sein.

Entscheidend ist für mich etwas anderes: Ich schrieb damals „ich will mich politisch engagieren und bin doch nicht mehr als ein Cheerleader, der auf Twitter die wirklichen Macher mit „Likes“ anfeuert.“

Endlich: Ich bin kein Cheerleader mehr. Ich stehe im Feld.