LichtschwertStumm wiege ich das schwere Lichtschwert in meinen Händen. Die Qualität ist außergewöhnlich, das fällt sogar mir auf, obwohl ich mit Star Wars nur wenig anfangen kann. „Weißt du“, meint mein Bruder, „wären wir jetzt in den USA, würden wir unsere Jobs kündigen und unser eigenes Business, unsere eigene Firma gründen.“ „Amerikanischer Enthusiasmus versus deutsches Bedenkenträgertum?“, frage ich.

Recht hat er.

Berufe der Zukunft

Eine oft unwidersprochene Zukunftsannahme ist die des sich wandelnden Jobs: Während man früherTM ein Leben lang den gleichen Beruf ausgeübt hat, könne man sich darauf in Zukunft nicht mehr verlassen: Junge Erwachsene müssten davon ausgehen, dass ich ihr Beruf und Berufsbild immer wieder wandeln würden.

Ich bin mir dessen nicht so sicher.

Sieben Jahre lang bin ich Lehrer gewesen, bevor sich meine Aufgabentätigkeit in Richtung „Schulleitung“ verschoben hat. Ist irgendwie immer noch Schule, wenn auch mit anderem Fokus. Ich vermute, dass das in vielen Berufen ähnlich abläuft. Ja, es wird neue Werkzeuge, neue Abläufe und sicher mehr Digitalisierung geben, aber am Ende wird ein Arzt immer noch heilen, ein Wissenschaftler forschen, ein Mechatroniker Autos reparieren.

Aber:

Vielleicht ist das aber auch eine Charakterfrage. Deutsches Bedenkenträgertum. Denn in meinem Leben gab es immer wieder Weggabelungen, an denen ich die Möglichkeit hatte, aus dem Umfeld „Schule“ auszusteigen und etwas anderes zu machen.

Ein Leben als Autor.

Wie man (k)ein Business startet! 1In den letzten Jahren habe ich einige Bücher über Unterricht geschrieben und veröffentlicht. Darunter sind komplette Unterrichtsreihen („Elektrotechnik für die Schule„), Bücher über Unterrichtsmethoden („Mit Lerntheken den Mathematikunterricht neu gestalten„), Fachspezifisches („Physik von Hollywood„) und Pädagogisches zu Teamspielen und gruppendynamischen Prozessen („Klasse(n) stärken: 86 Team-Spiele für die Schule„). Darüber hinaus an einer Handvoll Büchern als Co-Autor mitgewirkt.
Alle paar Monate schiebt sich eines meiner Bücher auf den Amazon-Bestsellerlisten für kurze Zeit auf Platz 1.

Das öffnet Möglichkeiten: Ich könnte die Schule aufgeben und mich ganz aufs Schreiben konzentrieren. Ideen und Material hätte ich genug – es fehlt aktuell nur an Zeit. Bionik. Metallwerkstatt. Projekte mit Holz. Maschinenkunde. Mein Teamspiele-Buch gibt es seit ein paar Tagen auch als ebook bei eduki, aber noch lieber würde ich es gerne ins Englische übersetzen (lassen): Der Markt ist riesig und öffnet sich einem viel größeren Publikum. Was für Möglichkeiten!

Die Liste ist endlos.

Allein: Ich bin kein amerikanischer Enthusiast. Ich bin deutscher Bedenkenträger. Hör auf zu träumen! Das lohnt sich doch eh nicht! Konzentrier dich lieber auf das, was du hast, das ist sicher!

Ein Leben in der Politik

Im Schneckentempo gewinnt mein Leben in der Politik an Fahrt. Nachdem ich in diesem Jahr Mitglied jener Partei geworden bin, die den Umweltschutz ins Zentrum ihres politischen Wirkens gesetzt hat, bin ich nun offiziell ein „Mandatsträger“ meiner Verbandsgemeinde geworden.

Das fühlt sich richtig an.

Neulich hat mich meine Tochter gefragt, was ich wohl machen würde, wenn ich im Lotto gewänne. „Autor werden und schlechte Romane schreiben„, habe ich geantwortet, aber gedacht habe ich: „In die Politik gehen und da Zeit und Energie investieren.“

Aktuell bin ich nur Mitglied eines Schulausschusses. Schneckentempo halt. Aber ich habe Blut geleckt. Lust auf mehr.

„Hör auf zu träumen!“, ruft der Bedenkenträger in mir, „das lohnt sich doch eh nicht! Konzentrier dich lieber auf das, was du hast, das ist sicher!“

Ein Leben als Lichtschwert-Schmied

Wie man (k)ein Business startet! 2Mit fachkundigen Handgriffen zerlegt mein Bruder das Lichtschwert. „Hier ist der Neopixel-Connector und das die Diffusionsfolie“, erklärt er beiläufig, „deutlich heller als der normalerweise benutzte Diffusionsschaum.“

Wieder eine Tür. Wieder eine weitere Möglichkeit vor mir.

Wie man (k)ein Business startet! 3Bauteile aus einem industriellen 3D-Drucker, jahrelange Innovations- und Prozessarbeit. Als wir uns mit zwei Schwertern duellieren, wird jeder Schwung und jeder Treffer von originalen Soundeffekten begleitet (hier im Video bekommt man eine bessere Vorstellung davon). Ein Hobby eigentlich. Und eine Gelegenheit.

In den USA würden wir jetzt sofort eine Firma gründen. Uns selbstständig machen. Enthusiasmus leben und volles Risiko gehen.

Wie man (k)ein Business startet

Das nagt an mir. Mehr, als ich zugeben will. Und so mache ich alles ein wenig, aber nichts mit 100%. Immer mit Sicherheitsnetz.

Im #Twitterlehrerzimmer, jener großen Gemeinschaft digital-affiner Lehrer*innen aus ganz Deutschland, häuft sich die Müdigkeit. Immer wieder öfter Kolleg*innen aus und suchen sich Alternativen zum Lehrerdasein.

Ans Aufhören denke ich nicht, dazu macht mir der Beruf zu viel Spaß.

Aber ob ich irgendwann bereuen werde, nicht auch andere, aufregende Pfade gegangen zu sein?

Hm.


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