So langsam kommt unser neues Schulsystem ins Rollen und ich finde mich (endlich) häufiger mit Unterricht und weniger mit Organisatorischem beschäftigt und lege meinen Fokus gerade auf den naturwissenschaftlichen Projektunterricht.

Spannend ist dabei zunächst folgende Grundfrage:

Sollten die Kinder sich zuerst ein gewisses Grundverständnis aneignen, auf dessen Basis sie dann ein Projektthema wählen können?
Oder sollten sie – umgekehrt – sich in völliger Unkenntnis über den Sachverhalt zuerst eine Forschungsfrage, ein Projekt wählen und sich von dieser Richtung motiviert erst anschließend die nötigen Grundlagen erarbeiten?

Ich habe mich für den zweiten Weg entschieden: „Schaut erstmal, was ihr spannend findet, was euch interessiert – und dann werdet ihr im Verlauf feststellen, was ihr dafür alles lernen müsst!“

So hat mein neuer 9er Kurs („Langweilen Sie uns bloß nicht!“) die vergangene Woche damit verbracht, sich Projektthemen zum Leitbegriff „Bewegung“ herauszusuchen.

Um zu vermeiden, dass wir im Unterricht sitzen und niemand sich Gedanken gemacht hat, habe ich eingefordert, mir Vorschläge und Ideen im Verlaufe der Woche zuzuschicken, um direkt Rückmeldung zu bekommen. Wichtigste Maxime: „Es muss mit dem Oberbegriff physikalischer Bewegung zu tun haben und… langweilt mich nicht!“

Was ich nicht möchte, ist das x-te, müde vorgetragene Referat über Isaac Newton – statt dessen Neugierde und Forscherdrang. Und viele der Projektthemen machen mich tatsächlich neugierig.

Eine Auswahl:

  • Der Einfluss der Größe der Schwanzflosse eines Fisches auf seine Geschwindigkeit.
  • Wie bewegt sich ein Tornado?
  • Wie schnell bewegt sich ein Gecko bei der Jagd?
  • Wie bewegt sich ein Fußball beim Freistoß?
  • Wie bewegen sich Schallwellen durch den Raum?
  • Bewegt sich die Zeit immer gleich schnell und in die gleiche Richtung?

Für die Projekte werden Vorträge verfasst, Facharbeiten geschrieben, Filme gedreht oder Experimente entwickelt. Ich bin wahnsinnig neugierig auf die Ergebnisse und folge ein wenig Nöltes „Master or Die„-Ansatz: Die Gruppen dürfen mir ihr Ergebnis so oft schicken, wie sie mögen, um Feedback einzuholen. Hauptsache, es wird am Ende eine sehr gute Arbeit.