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Angebot und Nachfrage von Fortbildungen

An meiner Schule und innerhalb meines Kollegiums herrscht – wie an den meisten anderen Institutionen auch – ein hoher Bedarf an Fortbildungen. Ehrlicherweise ist meine Perspektive auf Fortbildung eher negativ assoziiert:

  • Bei „Fortbildung“ erinnere ich mich an lange, langweilige Vorträge zu einem Thema, das mich nicht interessiert.
  • Bei „Fortbildung“ denke ich darüber nach, wie viel ich „netto“ bei einer solchen Veranstaltung gelernt habe.
  • Bei „Fortbildung“ steht für mich immer retroperspektiv die Frage im Raum, wie nachhaltig sie meine Arbeit beeinflusst hat.

Keine guten Voraussetzungen, um wertneutral in zukünftige Fortbildungen zu gehen. Dabei habe ich auch viele sehr gute Fortbildungen genossen.

Immer wieder begegnen mir (per Mail, Twitter oder über die Bezirksregierung) Werbung für Fortbildungsangebote. Auch schulintern haben wir ein Fortbildungsangebot (im Abkürzungsjargon SchiLF für „schulinterne Lehrerfortbildung) auf die Beine gestellt, sogenannte „Kurskioske„.

Dabei bieten Kolleg*innen etwas an, das sie besonders gut können und sobald sich drei oder mehr andere dafür interessieren (d.h. in den Kurs eingeschrieben haben), findet er zu einem Zeitpunkt, der allen passt, statt. Das kann in der Mittagspause sein, am Nachmittag oder am Wochenende.

Eine Randbemerkung: Die BASS (=Bereinigte amtliche Sammlung von Schulvorschriften) gibt vor, dass schulinterne Fortbildungen auch „in der unterrichtsfreien Zeit“ stattzufinden haben. Ich kann also nicht Montagsmorgens meine Fortbildungen planen, um der überaus anstrengenden Klasse 7d aus dem Weg zu gehen.

Die Kurse, die an meiner Schule für alle Kolleg*innen angeboten werden beginnen bei einfachen Dingen wie der Schulung von bestimmten Apps: Wie funktioniert das OneNote Kurs-Notizbuch? Wie erstellt man in Teams einen Kurs? Außerdem gibt es sonderpädagogische Angebote zum Umgang mit zielleistungsdifferenten Lerngruppen oder dem Umgang mit schwierigen Lernsituationen. Es gibt Fortbildungen zur Lehrergesundheit wie Sprechtraining oder Kollegialer Fallberatung, man kann sich zum Thema Schulrecht und Abschlüssen von Fachleuten ebenso weiterbilden lassen wie zum Thema Berufsorientierung von A-Z.

Es gibt einige Fortbildungen auf dieser Liste, für die ich mich sehr interessiere: Ganz oben auf der Liste steht ein breakoutEDU, dass ich noch nie durchgeführt habe. Außerdem würde ich gerne selbst noch Fortbildungen anbieten – das aber stellt mich vor ein Dilemma:

Ich würde gerne anbieten „Gespräche professionell führen“. Das klingt aber schnarchig und langweilig und keine Sau würde je freiwillig zu so einem Kurs gehen – siehe oben. Im Sinn habe ich aber eine Fortbildung aus dem Gruselkabinett: „Völlig eskalierende Gesprächssituationen und wie man damit umgeht.“ Was kann ich tun, wenn mir z.B. ein Elterngespräch völlig (!) entgleitet? Wie verhindere ich das im Vorfeld und wie gehe ich professionell damit um?

Ich würde gerne anbieten: „Classroom Management.“ Was ich aber eigentlich meine ist: „Hilfe! Meine Klasse ignoriert mich! Alle steigen über Tische und Bänke! Wie kann ich mir Respekt verschaffen?“

Dazu gibt es wirklich großartige Übungen, Reflexionsmöglichkeiten und Gesprächsthemen. Da hätte ich richtig Spaß dran.
Einfachste Übung: Zwei Kollegen. Einer sitzt renitent auf einem Stuhl. Aufgabe des anderen ist, diesen zum Aufstehen zu bewegen.

Es gibt noch ein zweites, größeres Dilemma: Ich bin fortbildungsmüde. Die ständige Sorge um Coronavorschriften, Kinder die z.T. völlig durch den Wind sind und den Frust, den sie zu Hause spüren, mit in die Schule nehmen; ständig sind irgendwelche Nasen in Quarantäne, hier hat jemand Angst um seine Großeltern, dort kommt jemand einfach nicht mehr mit.

Wir Lehrer*innen fangen das an ganz vielen Stellen auf. An meiner Schule beginnt jeder Tag (auch dafür) mit einer halben Stunde Beratung und gemeinsamem Anfang. Kein Mathematik, kein Englisch. Nur ankommen. Dazu eine Klassenlehrerstunde am Ende der Woche. Überall wird viel aufgefangen und – auch das – viel mit nach Hause genommen. Das merke ich auch an mir selbst.

Und dann noch Fortbildungen?

Puh.

Ich bewundere jeden, der gerade zusätzlich noch die Energie aufbringt, sich neue Tools, neue Methoden und neue Fertigkeiten anzueignen. Ich selbst bin abends dafür einfach zu müde.

Fortbildungen? Gerne! 2022 2023 wieder.

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