Die Tage sind schwer.
Begriffe wie Inzidenzen, Pflegenotstand, Long Covid und Distanzunterricht sind vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine in den Hintergrund gerückt. Im Angesicht meiner eigenen Hilflosigkeit kann ich die mediale Berichterstattung nur in geringen Dosen ertragen.

In den vergangenen Monaten habe ich mir im Unterricht immer wieder die Zeit genommen, mit den Kindern über Corona zu sprechen. Wir haben morgens die Tagesschau geguckt, über Verschwörungstheorien und politische Entscheidungen gesprochen.

Daraus sind oft ethische Diskussionen erwachsen, die ich sehr geschätzt habe: „Wenn du Bundeskanzler*in wärest, wie würdest Du entscheiden?“

Ich habe mich dabei oft zurückgehalten. Nicht, weil ich keine deutliche Meinung dazu hätte, sondern weil mich Diskussionen über ‚Richtig und Falsch‘ mehr geprägt haben, als feststehende Überzeugung engagierter Erwachsener.

Nun hat der Krieg in der Ukraine alle Gedanken an Corona vertrieben und meine Schüler*innen haben Sorgen und Ängste. „Worum geht es da eigentlich?“ „Droht uns ein Atomkrieg?“ „Warum tut Deutschland nichts?“

Ich verstehe zu wenig von den geopolitischen Zusammenhängen. Ich habe keine Ahnung, welche Sanktionen aus welchen Gründen sinnvoll sind oder nicht. Ich weiß, dass ich nichts weiß und die Welt wäre vermutlich ein besserer Ort, wenn wir in solchen Situationen die Klappe halten würden.

Aber Schule ist und war schon immer mehr, als nur eine Bildungsstätte – also haben wir uns Raum und Zeit genommen. Für Fragen. Und Sorgen. Wieder bemühe ich mich um Zurückhaltung: Lieber ist mir, dass sie die Herausforderung der Zeit verstehen, als dass ich Parolen raushaue.

Nur eine einzige Frage, die ich heute wirklich beantworten konnte: „Was können wir denn tun, Herr Klinge?“

Lernen. Immer weiter und immer mehr lernen. Kritisch Denken. Hinterfragen. Verstehen. Toleranz und Akzeptanz üben. Schule als Chance betrachten.