Neues Jahr.

Das neue Jahr hat begonnen und ich hoffe, ihr hattet schöne Weihnachten, einen guten Start ins neue Jahr und womöglich großartige Ferientage.

Ich habe mit Familie und Freunden gefeiert und die Zeit wahnsinnig genossen. Nebenher mehrere Bücher gelesen und außerdem Bill Cosbys Show “Far From Finished” genossen. Unglaublich komisch. Und typisch Cosby: Man kann die Show sowohl mit dem dreijährigen Enkel als auch der 97jährigen Uroma gucken: Er verzichtet konsequent auf Witze über Minderheiten, Drogen, Sex oder Gewalt. Statt dessen viel Selbstironie und amüsante Anekdoten. Herrlich.

Ein kurzer Rückblick, bevor ich wieder neu durchstarten kann: Das letzte Jahr hatte nicht nur Schönes, sondern auch einige negative Erlebnisse zu bieten: Im Frühjahr ein heftiger Autounfall und im Sommer die Beerdigung meines Opas. Großartig dagegen der traumhafte Urlaub in Florenz und die viele Zeit, die ich mit meiner Tochter genossen habe. Seit kurzem schreibt außerdem meine Kollegin Eva hier im Blog (was ich ganz fantastisch finde). Überhaupt – das Blog:
Im letzten Jahr durfte ich über 770.000 Besucher hier begrüßen. Das ist einerseits schmeichelhaft (man schreibt schließlich, um gelesen zu werden), hat mir aber auch meine Grenzen aufgezeigt – bin ich doch nebenberuflich auch Lehrer und Familienvater.

Was steht nun im kommenden Jahr an?

Zunächst einmal machen viele Referendare ihr Examen und da bin ich auf die ein oder andere Weise involviert und fiebere sicher auch bei dem ein oder anderen mit.
Rob Bell hat sich im vergangenen Jahr eine wirklich coole Reihe über die Bibel verfasst, mit der ich mich intensiv auseinandersetzen will – mal sehen, wann ich dazu Zeit finde.
Außerdem haben meine Frau und ich gerade ein Haus gekauft – auch das wird ganz viel Zeit und Energie kosten.
Ich weiß von einem neuen Kurs, den ich ab dem Halbjahr übernehmen werde und nicht zuletzt laufen immer noch einige Projekte in der Schule und auch meine Inklusionsklasse wird mich weiter fordern.

2013-12-31 12.02.30Bis dahin aber spiele ich mit meiner Tochter weiter “Herr der Ringe” auf der Xbox. Ich bin ja kein großer Spieler vor dem Herrn, aber zu zweit im Splitscreen-Modus… das macht richtig Laune.

Der Nikolaus war da (2)

“PAPAAAAAAA!”

Aufgeschreckt renne ich nach unten. Carolina hat ihr Bild aus dem Kamin gezogen. Urgs…

“Oh weh…!”, stammel ich und überlege fieberhaft, wie ich die Situation retten kann.

“Der Nikolaus hat das Bild verloren, als er den Schornstein hochgeklettert ist!” erklärt Carolina besorgt. Eifrig nickend stimme ich zu. “Ja.. genau! Dann… erm…!”

Ich verstumme.

Papa…” .
Meine Tochter sieht mich an, als wäre ich debil. “Dann müssen wir das an Weihnachten nochmal hinlegen. Dann nimmt der Weihnachtsmann dem Nikolaus das mit!”

Ich vermisse diese Zeit.
Blöde Frau Pallhuber. ;-)

Der Nikolaus war da…

“Papa? Es gibt keinen Weihnachtsmann!!”
“Bitte was?” Ich schaue, möglichst neutral, auf. “Wer sagt denn so etwas?”
“Die Frau Pallhuber. Heute in der 6. Stunde.”
Sie hält kurz inne. “Weißt du, einmal hätte ich gerne noch mit dem Weihnachtsmann Weihnachten gefeiert. So wie früher.”

Früher.

Vor drei Jahren noch hat meine Tochter extra ihr Zimmer aufgeräumt, die Stiefel geputzt und ihm ein Bild gemalt. Mit viel Liebe und Sorgfalt. Das Bild hat sie dann auf die Stiefel gelegt, bevor sie ins Bett musste.

Am nächsten Morgen ertönte aufgeregtes Rufen aus dem Kinderzimmer. “Papa! Papa!” (Natürlich ruft sie mich als erstes..) “Der Nikolaus war da! Und er hat mein Bild mitgenommen!”

Carolina jubelte laut und brabbelt weiter, während ich mich ganz schlecht fühle. Denn der ‘Nikolaus’ hat das Bild im Kamin entsorgt – schließlich darf sie es ja nie wieder finden…

“Ist das nicht toll, Papa?”

“Hm..?”

“Na, dass er mein Bild mitgenommen hat!”

“Erm… ja! Sehr!”
Wann habe ich mich zuletzt so schlecht gefühlt?

Sapperlot. Das Dinosaurier-Spiel.

IMAG0374Das wahrhaft Schönste am Lehrerberuf ist, dass ich viel Zeit mit meiner Tochter verbringen darf. Ich komme nicht abends um “7 vonne Maloche und bin fix und feddich mit die Welt”.

Wir vertreiben uns die Zeit mit allerlei Schönem und Unsinnigem. Eines unserer Spiele ist das Dinosaurier-Spiel: Dabei geht es darum, möglichst viele Synonyme zu finden. Dinosaurier-Spiel heißt es deswegen, weil es nach der Thesaurus-Funktion von Word benannt ist und Thesaurus klingt wie ein Dinosaurier.

Nach der Schule klingen unsere Gespräche dann zuweilen so:

Sapperlot, Papa, war das ein schöner Schultag heute!”
Donnerlittchen, das freut mich aber sehr, Lina!”
”Und… Papa, Herrschaftszeiten habe ich mich auf dich gefreut!”
”Ja, Kreuz, Birnbaum und Hollerstauden! Das freut mich zu hören!”
”Und machen wir jetzt noch was Schönes? Eis essen zum Beispiel?”
Donnerwetter! Das ist mal ein Vorschlag!”

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Happy Birthday, Universum!

IMG_20131110_180102Morgen wird meine kleine Tochter acht und darob haben wir den Tag heute besonders zelebriert. Alles wurde heute zum letzten Mal mit 7 gemacht: Zum letzten Mal etwas vorgelesen bekommen. Zum letzten Mal toben. Zum letzten Mal lachen, kreischen und gemeinsam singen. Zum letzten Mal mit 7 ins Bett gehen.

Durch die Medien, im Alltag Schule und auch im Umfeld begegne ich jedoch immer wieder Kindern, die nicht das Glück haben, das meine Tochter genießen darf. Und Eltern, die nicht das Glück haben, das ich genießen darf.
Und wenn ich sehe, wie an vielen Stellen Potential verschenkt wird, blutet mir das Herz. Kinder, die in ihrer Geschichte so gefangen sind, dass kaum eine Hoffnung auf irgendetwas besteht. Verhaltensweisen, die sich so stark eingeprägt haben, dass sie kaum zu lösen sind. Kinder, deren weiterer Lebenslauf stark vorgezeichnet ist.

Und umso mehr genieße ich die Nachmittage mit meiner Prinzessin.

Hin und wieder schlägt mir Amazon neue Bücher und Hörbücher vor: “speedlesen”, “besser arbeiten”, “effektiver denken”, “das volle Gehirnpotential ausnutzen”, “alles, was Sie wissen müssen”. Ich habe vor Jahren mal die CD “Bildung: Literatur – Alles was man wissen muss” von Schwanitz gehört und sie genossen. Ständig habe ich gedacht “Wow! Abgefahren. Wie spannend! Das muss ich mir merken!” Und das war es! Wirklich großartig. Aber heute weiß ich

nichts

         mehr.

Vor einigen Monaten stolperte ich über das Bild eines Leichenwagens, vollbepackt mit Kisten und Kartons, Surfbrett und Krimskrams. Und an der Seite standIMG_20131111_195014You can’t take it with you!1”. Ein beeindruckendes Bild. Im gleichen Zusammenhang las ich eine Rabbinische Weisheit (es ist eine Lehrerkrankheit, dass man Geschichten und Anekdoten sammelt, man möge es mir verziehen):

Jeder Mensch muss zwei Blätter Papier mit sich tragen und jeden Tag draufschauen. Auf dem einen steht: ‘Du bist nichts als Staub und Asche’, auf dem anderen: ‘Für dich wurde das Universum geschaffen.’

Dieses Universum feiert morgen seinen Geburtstag.
Mehr als je zuvor genieße ich die Zeit mit meiner Tochter. Es ist ein Segen des Lehrerberufs, dass man soviel Zeit für seine Kinder hat. Sie macht mir immer wieder klar, dass ich nicht mein volles Gehirnpotential ausnutzen, sondern ihr lieber Zeit schenken soll.

Zeit zum backen. Zum Fußballspielen. Zum Witze-erzählen. Zu “wer zuerst mit den Augen klimpert hat verloren”-Wettbewerben. Ich brauche gerade nicht mehr. Und ich habe ein paar Kinder vor Augen, denen ich wünsche, solch unbeschwerte Tage erleben zu dürfen. Ich denke, die meisten Lehrer haben das.

Als ich Carolina schließlich am Ende eines langen Tages vorschlug, sie müsse auch zum letzten Mal mit 7 in der Nase bohren, lachte sie frech, hob einen Zeigefinger lehrerhaft in die Luft und sagte: “In der Nase bohren.. und in den Mund stecken!”

Happy Birthday, Universum!

Erziehung

Wir gucken Star Trek: Deep Space 9.
Die Pilotfolge läuft und Captain Sisko erklärt den Wurmlochwesen die Prinzipien der menschlichen Existenz und der linearen Zeit.

Plötzlich setzt sich meine Tochter auf. “Hey, das stimmt! Wenn ich jetzt Fußball spielen würde und man wüsste, dass ich gewinne – dann wäre das ja voll langweilig!”

Es gibt im Leben eines Vaters viele großartige Momente. Aber zu erleben, wie eine 7jährige aufspringt und das Prinzip linearer Zeitabfolge durch eine Star Trek-Episode versteht gehört mit zu den besten!

Rabauki

2013-08-03 18.55.06Die nächsten 3 Wochen ist meine Tochter bei rabauki angemeldet: Betreut von einer Vielzahl Pädagogen und Sozialarbeitern werden knapp 150 Kinder auf einem großen Bauspielplatz aus Holzlatten Hütten bauen. Die Kinder bekommen dazu eigentlich nur Hammer, Nägel und Holz und sollen mal sehen, wie sie damit klarkommen eigenverantwortlich und selbstbestimmt arbeiten, ohne dass ihnen ein Erwachsener genau sagt, was wie gemacht wird. Das Projekt gibt es in Siegen seit mittlerweile 18 Jahren, Carolina ist dieses Jahr zum ersten Mal dabei. Von 10 Uhr morgens bis 17 Uhr abends. Der Teilnehmerbeitrag beträgt 5 Euro pro Woche und Kind, alle 30 Mitarbeiter (Studenten, Lehrer, Sozialarbeiter uvm.) arbeiten ehrenamtlich von etwa 8 Uhr morgens bis 22 Uhr abends. Ich empfinde Demut und Bewunderung für soviel Einsatz. Die Leute wirken sehr alternativ sympathisch und insgeheim wäre ich auch gerne so frei mutig, bei so einem Projekt mitzuarbeiten.

Heute war Elternabend.

Ich. Liebe. Elternabende. Findet ihr nicht auch, dass die Fragen besorgter Mütter/Väter oft ganz viel über die Leute aussagen?

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Ich bin meine eigene Schwiegermutter.

Neulich ist meine Tochter allein in die Gemeinde gelaufen, weil sie unbedingt beim (Senioren-)-Tanzkreis mitmachen wollte. “Keine Sorge, Papa”, erklärte sie mir. “Ich gehe zu Fuß hin und zu Fuß wieder zurück. Du kannst also weiter mit deinem Handy spielen arbeiten.”

“Gut”, erklärte ich mich einverstanden und wies sie dann noch einmal auf die Gefahren der Straße etc. hin. “Sag der Mama, sie soll mir kurz schreiben, wenn du da bist!”

Sie versprach es. Und ging. Natürlich kam kein Anruf. Als ich bei meiner Frau nachfragte, erfuhr ich, dass sie gar nicht dort sei. Und während in meinem Kopf ein entsetzlicher Film ablief, klingelte das Telefon. “Papaaa”, keuchte Carolina, “ich habe ganz vergessen, anzurufen. Nicht dass du denkst, ich bin überfahren! Aber die Mama ist gar nicht da.”

imageJahrelang habe ich meine Schwiegermutter grinsend verulkt, wenn sie um einen Anruf nach langer Autofahrt bat. Oder wenn ich einfach nur nicht ans Telefon gegangen bin und sie sich entsetzliche Schreckensszenarien ausmalte.

Und heute?
Natürlich habe auch ich sofort das Schlimmste befürchtet. Der Film im Kopf rattert einfach durch und ich merke, ich bin wie meine eigene Schwiegermutter geworden. Loslassen ist nicht so einfach.

Sorry, Mama! Smiley

Fett wie ein Turnschuh

Ich muss mehr Sport machen.
Dezember_93 027Diese Erkenntnis ist nicht neu – aber wie alle guten Ideen brauchte auch diese einige Zeit Jahre, um zu reifen und schlußendlich ausgesprochen zu werden. Gerne würde ich wieder Fußball im Verein spielen – meine vielen Jahre beim SV Hörn als Libero sind mir in guter Erinnerung geblieben; zumindest besser, als mein eines Jahr beim belgischen RUA Plombière, wo ich auf Grund der Sprachprobleme nur mühsam verstand, welche Position ich überhaupt spielen soll…
Aber sehen wir den Tatsachen ins Auge: Trotz brasilianischen Bluts in der Familie bin ich einfach zu schlecht.

Für ein Fitnessstudio reicht meine Motivation nicht. Ganz abgesehen davon, dass mir die Zeit für Besuche dort fehlen, sehe ich gar nicht ein, mit Hin- und Rückfahrt und pipapo jedesmal zwei Stunden opfern zu müssen. Vom vielen Geld ganz zu schweigen. Bleiben noch Fitness-Apps oder Sein-lassen.