Wunderbarer Physikunterricht.

In ihrem aktuellen Artikel beschreibt Kollegin Henner, wie ihre Tochter im Physikunterricht leidet. Sie schreibt, dass ihre Tochter unter der schlechten Laune des Physiklehrers [ML] und auch den Erklärungen leidet.

Leider sind die Erklärungen nicht sonderlich verständlich, weil ML Fachbegriffe benutzt, die den Schülern nicht klar sind.

Obwohl Frau Henner eher nicht mich anspricht (hoffentlich!), fühle ich mich seltsam mitschuldig.

Ich glaube, ich bin als Mathematiklehrer ganz okay. Die Stimmung ist gut (mittlerweile auch in meiner neuen 9) und die Ergebnisse der Zentralen Abschussprüfungen sind zufriedenstellend. Das Fach läuft.
Auch als Techniklehrer würde ich mich als solide einstufen: Mein letzter Jahrgang hat den Übergang in den Beruf gut geschafft und sich im Nachhinein positiv über Lernatmosphäre und Unterrichtsinhalte geäußert. Elektrotechnik und Bautechnik sind als intensive Highlights auch nach Jahren hängen geblieben.

Aber Physik.

Die aller- aller- allerwenigsten Schüler werden mich rückblickend als tollen Physiklehrer betrachten.

Und, ja, das ärgert mich.

Ich bin mit meinem eigenen Unterricht unzufrieden, kann aber die Ursache nicht erkennen.
SmartSelectGIF_2017-10-06-14-20-32In den wenigen Wochen dieses Schuljahres habe ich bereits den Bären vom Dach geworfen. Wir sind über den Schulhof gesprinted und haben überprüft, ob “Kevin – Allein zu Haus” auf der Erde oder auf dem Mond gedreht wurde. Wir haben rohe Eier durch den Klassenraum geworfen und sie spektakulär zerschlagen. Außerdem mit elektrischen Schaltungen experimentiert und lange und ausführlich anschauliche Analogien zu Stromstärke und Spannung gesucht. SmartSelectGIF_2017-10-06-14-22-02Wir haben versucht, Strom in einem Kabel “zu fangen” und werden nächste Woche den typischen Badewannen-Fön-Unfall nachstellen und ein Würstchen an die Steckdose anschließen um zu schauen, was – analog – im Fall eines Stromunfalls mit dem menschlichen Körper passiert.

Und trotzdem bleibt Physik für viele Kinder das langweiligste, unangenehmste, ödeste und abstrakteste Fach überhaupt. Es gibt in paar Interessierte (meist Jungen) und eine große Mehrheit, die jede Stunde in stiller Demut erträgt. Ich sehe es in ihren Gesichtern, höre es an ihren Aussagen und bemerke die geringe Beteiligung.

Ich weiß nicht, ob Frau Henners Tochter etwas grundlegend anderes erzählen würde, wenn sie statt bei Herrn “Miese Laune” von mir unterrichtet würde.

Das ärgert mich. Meine eigene Hilfslosigkeit ärgert mich.

Seit Beginn des Schuljahres habe ich es geschafft, auf meiner Suche nach gutem Unterricht in jeder Woche mindestens einmal bei ganz unterschiedlichen Kollegen meiner Schule zu hospitieren. Von Deutsch über Religion und Fremdsprachen bis hin zu Erdkunde… die ganze Bandbreite einmal hoch und runter. Mehr als einmal habe ich hinten in der letzten Reihe gestaunt. Über Gesprächsführung, Methodenwechsel, Humor und Menschenkenntnis. Ich lerne unentwegt dazu und stelle von Woche zu Woche mehr fest, was ich alles nicht kann.

Wie gerne hätte ich noch einmal die Zeit des Referendariats. Wie gerne würde ich als Physik-Referendar nochmal hospitieren. Lernen. Es muss doch möglich sein, dieses wunderbare Fach so zu unterrichten, dass am Ende nicht nur fünf Leute begeistert sind.

Über Hinweise, Erfahrungsberichte und Empfehlungen würde ich mich freuen.

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