Im Ziel (3)

Im Ziel (3)

Die Vorbereitung auf meine Revision (hier) verlief ähnlich, wie bei meinem zweiten Staatsexamen: Von langer Hand geplant.
Ich gehöre nicht zu den Leuten, die Aufgaben gerne kurzfristig und unter Druck angehen. Ich fühle mich dann schlecht vorbereitet und ärgere mich im Nachhinein über Fehler und Fettnäpfchen. Zu jedem der vier Prüfungsteile (eigene Stunde, Beratung, Konferenz, Kolloquium) habe ich einen Abschnitt in OneNote angelegt und zunächst recherchiert, gesammelt und sortiert.
Meine eigene Stunde sollte – naheliegend – eine Lernthekenstunde in meiner Klasse 9 sein. Der Unterricht bereitet sich selbst vor, die Schüleraktivität ist absurd hoch und die Stunde gerät nicht zu einer Vorführstunde sondern entspricht meinem regulären Unterricht. Der aufwändigste Teil war das Formulieren des Unterrichtsentwurfes.

Beratung

Das Beratungsgespräch hat mir vorher und auch am Prüfungstag die meisten Bauchschmerzen bereitet: Das ist nun ein Feld, indem ich am wenigsten Erfahrung sammeln konnte. Im Vorfeld habe ich zunächst Gespräche mit verschiedenen Fachleitern über kluge Gesprächsführung und Stundenanalyse geführt. Wie kann ich bei einer Stunde erkennen, ob sie ge- oder misslungen ist? Wie die Knackpunkte feststellen und zur Sprache bringen? Wie in wenigen Minuten sinnvolle Alternativen entwickeln und formulieren? Zusätzlich habe ich mir „Unterricht kompetenzorientiert nachbesprechen“ von Katja Köhler und Lorenz Weiß aus meinen Herbstferien nochmal zu Gemüte geführt und die wichtigsten Aspekte herausgeschrieben. Insbesondere der Fragenspeicher und die Vorschläge für Karteikarten empfand ich als hilfreich.

Konferenz

Im Rahmen der Konferenz habe ich mich auf die Erarbeitung eines Medienkonzeptes für unsere Schule konzentriert. Das war herausfordernd, aber extrem spannend. Für Laien formuliert: Das Land wird uns als Schule nicht einfach 60 iPads hinwerfen, sondern will jede Investition gut begründet und fest in den Schulalltag verankert sehen: Das nennt man „Medienkonzept“.
Fürs #Twitterlehrerzimmer formuliert: Mir ist der Vorwurf der App-isierung von Unterricht im Ohr geblieben. Axel Krommer hat das in einem brillianten, zweiminütigen Video kurz zusammengefasst: Vor 50 Jahren haben kluge Professoren begeistert auf die Möglichkeiten des computergestützten Lernens hingewiesen – die Anleitung zu einem solchen Arbeiten passt 1:1 auch auf heutige Learning-Apps. Erschreckend! Inwieweit reduziere ich die „Digitalisierung“ also auf die Ebene, Ideen und Apps vorzustellen (weil dies einer umsetzbaren Praxis entspricht) oder verfolge ich einen idealistischen, höheren Ansatz und erarbeite ein Medienkonzept sozusagen auf der Meta-Ebene der Digitalisierung? Wozu und was machen wir hier eigentlich?
Eingebracht habe ich neben dem NRW-Medienkompetenzrahmen auch das SAMR-Modell zur Analyse der technischen Integration im Schulunterricht und die Kolleginnen und Kollegen anschließend kurz arbeiten lassen. Auch im Nachhinein empfinde ich die Konferenz als Highlight: Es wurde viel gelacht und probiert und die Präsentation der Ergebnisse war wunderbar amüsant und hilfreich. Die Ergebnisse der Konferenz werden in die jeweiligen Fachkonferenzen geführt und außerdem in das Medienkonzept der Schule eingearbeitet.

Kolloquium

Die Vorbereitung auf das Kolloquium lässt sich am schwersten in Worte fassen. Ich habe meine (erweiterte) Schulleitung mit Fragen und Gesprächen genervt, die Abteilungsleiter hier und da und dort um Rat gebeten. In den Osterferien außerdem die Bereinigte amtliche Sammlung von Schulvorschriften (BASS) quergelesen und zusammengefasst – mit Fokus auf meinem zukünftigen Aufgabenfeld. Sehr geholfen hat mir, dass ich – im Unterschied zum Staatsexamen – im Vorfeld mit dem Dezernenten sprechen und Gesprächsfelder eingrenzen konnte. Dazu einige Mindmaps erstellt und gelesen, vergessen, nochmal gelesen.

Fazit

Letztlich bin ich in den Tag einigermaßen entspannt gegangen. Klar, das hätte auch schiefgehen können – aber was wäre schlimmstenfalls passiert? Ich hätte die nächsten Jahre mit meinen wunderbaren Kollegen weiterarbeiten dürfen und mit Riza Kara noch mehr Bücher geschrieben. Ich wäre weich gefallen.

So habe ich aber alles bestanden – eine schriftliche Bewertung der verschiedenen Prüfungsteile erhalte ich in den nächsten Tagen. In den nächsten Wochen bis zum Sommer heißt es nochmal tief eintauchen, Unterricht genießen, gestalten und hinterfragen und dann…

3 Replies to “Im Ziel (3)”

  1. „Sehr geholfen hat mir, dass ich […] im Vorfeld mit dem Dezernenten sprechen und Gesprächsfelder eingrenzen konnte.“

    Echt? Sowas würde es bei uns auf gar keinen Fall geben, zumindest nicht offiziell. Bei meiner Revision kam echt alles dran. Gab es keine Mitbewerber auf die Stelle? Das wäre sonst ja ein unfairer Vorteil.

    1. Wenn man die (sehr grobe) Eingrenzung allen Bewerbern mitteilt, ist es ja wieder fair.
      Ich weiß aber nicht von anderen Bewerbern – da wäre es eh hinfällig. Ich empfand die ganze Sache dadurch halt nicht als universitäres „aussieben“.

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