Es war mir eine Freude!

Es war mir eine Freude!

Nun ist die gemeinsame Zeit also rum.
Nach sechs Jahren des gemeinsamen Lernens, Scheiterns und Aufrichtens, des Spielens und Wachsens trennen sich unsere Wege.
Alle Schülerinnen und Schüler meiner Klasse haben einen Schulabschluss erhalten, etwa die Hälfte geht den direkten Weg in die Oberstufe, der Rest teilt sich auf in Berufskollegs und Ausbildungsplätze. Die Zeugnisübergabe war angemessen rührend und kurzweilig, das Programm der verschiedenen Klassen konnte sich sehenlassen. Es gab aufwändig gestaltete Videos (eine Klasse stürmt als kleine Fünftklässler ins Gebäude, performt eine mannequin challenge und verlässt es als große 10. Klasse wieder), zwei Band-Gesangs-Darbietungen und eine Tanzvorführung.
Zum Abschied schenkte mir meine Klasse einen großen Apfelbaum – was nun wirklich das schönste Geschenk ist, dass ich mir wünschen kann. Den werde ich beizeiten in meinem Garten pflanzen und er mag mich die nächsten hundert Jahre an diese wunderbare Klasse erinnern. Zauberhaft!

Auch die Zeit mit meinen beiden Glasknochenmädels ist nun um.
Stellenweise gewinnt man den Eindruck, es habe sich nur wenig bewegt in sechs Jahren Inklusion. Das Thema ist viel zu komplex, um auf einzelne Stimmen reduziert zu werden – trotzdem halte ich ein Fazit für angebracht.
Aus meiner Perspektive ist die Inklusion gelungen. Nicht nur war es für die Mädchen eine wichtige und richtige Entscheidung, sich mitten ins Leben zu stürzen – auch die anderen Kinder haben profitiert. Es hat ihren (und meinen) Horizont erweitert, im Alltag zu erleben, das man Rücksicht nehmen muss, dass es Schwächere gibt. Aber auch: Das es ein Miteinander gibt.
Klar gab es Schwierigkeiten und insbesondere die unterschiedliche Persönlichkeitsentwicklung in Kombination mit drastisch verschiedenen Lebenswelten macht ein Miteinander zuweilen schwer. Die Grenze zwischen Toleranz und Akzeptanz ist schmal und schmerzhaft.
Trotzdem bin und bleibe ich ein Befürworter (gut gemachter) Inklusion. Ich möchte eine Gesellschaft gestalten (und in einer Leben), in der ein „Miteinander“ als hohes Gut gilt.

Abends dann noch gemeinsames Grillen und tränenreicher Abschied. Die meisten (ehemaligen) Schülerinnen und Schüler werde ich wohl nie wieder sehen, aber bei einigen wird ein loser Kontakt wohl bestehen bleiben.

Viele schöne Erinnerungen an unglaublich nette Kinder sind unbenommen – aber mehr denn je bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass der anstehende Bruch für mich genau richtig ist. Es gibt keinen Blick zurück und auch kein wehmütiges Erinnern. Es ist gut wie es ist.
In den kommenden, letzten zwei Schulwochen werde ich bereits einen fließenden Übergang an meiner neuen Stelle einleiten. Obwohl ich künftig als Abteilungsleiter verstärkt in der Organisation einer Schule mitwirken werde, bleibe ich doch Lehrer und in der kommenden Woche werde ich ein neues Team und neue Eltern kennenlernen.

Ein Kapitel ist zu Ende. Ein neues wird aufgeschlagen.

Es war mir eine Freude, liebe Gesamtschule Eiserfeld!

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