Digitalisierung von unten (2)

Digitalisierung von unten (2)

Vor genau einem Jahr startete meine Tochter (Klasse 7) ein Experiment: Ausgestattet mit einem gebrauchten Galaxy Note-Tablet wollte sie soviele Unterrichtsinhalte wie irgend möglich digital mitschreiben. Das Tablet konnte mit Stift bedient werden und wann immer der ein oder andere Lehrer Zweifel durchblicken lies, schummelte Carolina sich mit der alten „Ach, bei allen anderen Lehrern darf ich das aber„-Ausrede durch.
Nach einem Jahr ist es Zeit, ein kurzes (subjektives) Fazit zu ziehen.

Die Rahmenbedingungen

Bei dem Gerät handelte es sich um ein gebrauchtes Samsung Galaxy Note 10.1, das ich für etwa 120 € bei ebay kleinanzeigen erworben habe. Ausgangspunkt aller Notizen war „OneNote“. Diese App ist kostenlos und ermöglicht die Synchronisation mit einem Computer um aufwändigere Schreibarbeiten zu erledigen.

Negatives

Das Galaxy Note ist kaputt. Es könnte am Alter liegen. Oder an einer Physikstunde, in der Carolina und ihre Freundinnen mit Magneten herumhantiert haben. Letzteres weckt meine (wissenschaftliche) Neugier – ohne eine Antwort zu kennen soll es an dieser Stelle zumindest als Warnung dienen. Nach einem Dreivierteljahr war das Experiment beendet. Die Grafik erinnert an alte EGA Zeiten und nur meine Faulheit hat bisher verhindert, dass ich das Gerät verschenkt bzw. verschrottet habe.
Außerdem war die Kamera des Tablets so schlecht, dass ausgeteilte Arbeitsblätter nicht ordentlich abfotografiert und in OneNote eingefügt werden konnten. Das führte dazu, dass sie letztlich doch einen Ordner mit den ganzen (handschriftlich ausgefüllten) Arbeitsblättern im Ranzen hatte.
Zudem hat meine Tochter hin und wieder vergessen, den Tablet aufzuladen – da konnte es im Schulalltag schonmal eng werden.

In einigen Einheiten war der Tablet hinderlich: Der Umgang mit Zirkel und Geodreieck erfordert halt doch ein Heft.

Positives

Neben einem weitgehend unveränderten Notenbild hat Carolina enorm an Kompetenzen gewonnen. Der Umgang mit Office Programmen fällt ihr leicht und sie beherrscht ein flüssiges Schreiben auf der Computertastatur, ohne einzelne Buchstaben suchen zu müssen. Ihre Handschrift hat sich durch das Schreiben auf Glas nicht verändert. Nach kurzer Eingewöhnungszeit bemerkt sie keinen Unterschied mehr – Schreiben auf Glas wie auf Papier geht gleich schnell.

Aus dem Nichts heraus fragte Carolina vor einigen Wochen, ob es Wege gäbe, im nächsten Schuljahr wieder digital zu arbeiten. Es habe ihr Spaß gemacht und sie genieße ihr Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Medien. Am liebsten hätte sie ein „Surface Go“ aber ich traue der Akkulaufzeit eines richtigen Computers für eine Ganztagsschule nicht und tendiere erstmal wieder zu einem Android Tablet. Ein iPad erfüllt sicher den gleichen Zweck – allerdings habe ich keine Berührungspunkte zum Apple-Universum.

5 Replies to “Digitalisierung von unten (2)”

  1. Super, dass du uns ein Fazit mitteilst! Ich kaufte mir vor 4 Jahren auch ein Galaxy Note 10.1 für das Studium und bin bis heute sehr zufrieden damit. Für die Uni ist die Akkulaufzeit (2-3 Tage) vollkommen ausreichend und vor allem die Möglichkeit, Notizen in vorher hochgeladene Skripte und Vorlesungspräsentationen im Pdf oder PP-Format zu machen erspart viel unnötigen Papierkram! Außerdem ist das Tablet viel handlicher als mein Laptop.
    Im Schulalltag hab ich bereits mit interaktiven Whiteboards gute Erfahrungen gemacht und kann mir gut vorstellen diese in Verbindung mit Tablets zu nutzen, wenn die Software entsprechend aufeinander abgestimmt ist. Viele Grüße!

  2. Ich verwende seit ca. 2 Jahren ein Surfacebook im Unterricht. Die Surface Geräte haben sehr gute Laufzeiten was den Akku angeht. Ein 10 Stunden Tag schafft das Surfacebook locker. Ich benutze auch noch Programme wie Photoshop, Illustrator, Spotify und surfe nebenbei im Internet. Dieser Teil wird bei deiner Tochter wohl wegfallen, von daher sollte sie keine Probleme mit dem Surface-Akku bekommen.

    Mir gefällt die Suchfunktion von OneNote. Man hat sämtliche Unterrichtsmaterial der letzten Jahre dabei und kann sogar die handschriftlichen Notizen durchsuchen lassen. So findet man etwas zum Nachschlagen relativ schnell wieder.

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