Meditation im Unterricht

Meditation im Unterricht

Vor rund einem Jahr habe ich das Buch „Entspannungsmomente für Schülerinnen und Schüler“ bereits einmal in einem Artikel erwähnt und mir vorgenommen, diverse Übungen in meiner neuen Klasse anzuwenden.

Nun: Inzwischen habe ich eine neue Klasse.

In den vergangenen Wochen haben wir das ein oder andere Mal die Muße gefunden, einfache Atem- und Bewusstseinsübungen zu machen. Insbesondere am späten Nachmittag, wenn die Jungs und Mädchen wirklich durch den Wind sind, bietet sich so etwas an. Jeder ist eingeladen, niemand muss. Wer keinen Bock hat, der schließt die Augen und träumt vor sich hin – aber er soll die anderen nicht stören.

Weil die Hemmschwelle am Anfang besonders groß ist, habe ich mit einem kleinen Trick gearbeitet. Nach einer schwierigen Klassenratsstunde über diverse Streits war die Stimmung am Boden. Also ging ich mit den Kindern nach draußen und lies sie in Windeseile zweimal um die Schule rennen. Anschließend trafen wir uns im angrenzenden Waldstück auf den Holzbänken wieder. Alle mit Schweißperlen auf der Stirn, heftig keuchend und ordentlichem Puls – aber deutlich besserer Stimmung.
Wie schon am Tag zuvor begannen wir mit einer einfachen Atem- und Konzentrationsübung. Dazu legt man die Fingerspitzen aneinander. Erst nur von Daumen und Zeigefinger. Anschließend Mittelfinger etc. Und man achtet darauf, die Berührung der Fingerspitzen als einzelne Punkte zu spüren. Gleichzeitig wies ich die Kinder an, bewusst ein- und auszuatmen. Ein. Und aus. Die Berührungen aller Fingerkuppen zu fühlen. Einatmen. Ausatmen.
„Hey, das funktioniert ja wirklich!“, wurde leiste gemurmelt. Denn natürlich beruhigten sich Atem und Puls (das hätte es natürlich auch getan, wenn man sich einfach nur hingesetzt hätte, aber, pssst!)

Seitdem haben wir eine gewisse Routine gewonnen. Die Stunde um 14:35 beginnt nun mit einer einfachen Atemübung. Es ist absolut still. Niemand kichert, schnauft oder stört. Ich hoffe, dieses Element immer weiter zu ritualisieren. Im Idealfall schaffen es meine Kinder diese Übungen für sich selbst zu adaptieren und bewusst einzusetzen.

Noch sitzen wir nicht im Schneidersitz meditierend auf den Tischen – aber lang kann es auch nicht mehr dauern.

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