Seit Kurzem nenne ich ein iPhone mein eigen – eine Mischung aus Neugierde und notgedrungenem Zwang – und obwohl ich mich selbst als Geek bezeichnen würde, bin ich eigentlich nur genervt.

Abschied vom Galaxy Fold 2

Galaxy Fold 2

Zunächst der Auslöser: Mein Galaxy Fold 2 ist kaputt und es nervt mich sehr.

Das Handy öffnet sich seit einigen Tagen nicht mehr komplett, sondern bleibt bei etwa 170° stehen. Das ist brutal nervig, weil das Gerät dann nicht mehr plan auf einem Tisch liegt, sondern hin und her wabbelt.

Auch in der Hand ist die Bedienung spürbar „schräg“: Die Knickfalte – sonst kaum zu sehen oder zu spüren – spiegelt jetzt einfallendes Licht deutlich zurück, jedes YouTube-Video hat einen sichtbaren Knick in der Mitte. Das ist einfach Mist und für ein neun Monate altes Smartphone der Premium-Oberklasse nicht zu tolerieren.

Es fühlt sich an, als sei etwas in das Scharnier gelangt und würde nun den Klappmechanismus behindern. Ich habe versucht, mit etwas Luft die Hinge, also das Gelenk, sauber zu pusten – aber das war nicht von Erfolg gekrönt. Die Verarbeitung ist so passgenau, dass da unmöglich Dreck hineingelangen kann. Kein Schimmer, was das Problem ist.

Über die Samsung Homepage habe ich den Ärger reklamiert – morgen wird das Gerät kostenfrei von mir zu Hause abgeholt und repariert. Aber ein paar Tage oder Wochen ohne Handy – das ist einfach nicht drin.

ein iPhone X

Als Ersatzgerät hätte ich am liebsten ein Samsung Galaxy Ultra. Weil ich vor zwei Jahren mit dem Miet-Dienst Grover gute Erfahrung gemacht habe, schaute ich dort nach einer Möglichkeit, für ein paar Tage an ein Galaxy S21 Ultra zu kommen.

Ich bin von dem Gedanken wieder abgekommen.

Angesichts von Pandemie und Weihnachten kann ich unmöglich abschätzen, wie lange die Reparatur dauert und so ein Mietvertrag ist ganz schön teuer.

Für gleiches Geld bekomme ich bei ebay Kleinanzeigen ein gebrauchtes iPhone X und weil ich seit jeher empfänglich für die Werbeversprechen aus Cupertino bin, habe ich mich letztlich dafür entschieden.

So schlage ich in der Theorie zwei Fliegen mit einer Klappe: Ich bin gezwungen, mich einmal länger als zwei Tage mit einem iOS Gerät beschäftigen zu müssen, ich komme aus meinem eigenen technischen Horizont heraus und habe ein preisgünstiges Gerät, das ordentliche Fotos schießen kann.

Android vs. iOS

iPhone und Galaxy Fold 2

In erster Linie bin ich aber maximal genervt. Ich merke, dass viele meiner Routinen und Abläufe nicht wie gewohnt funktionieren. Unter iOS läuft alles anders und umständlich.

Ich bin unschlüssig, was mich mehr ärgert: Die Tatsache, dass das iPhone so beschränkt ist oder die Selbsterkenntnis, das ich geistig nicht besonders flexibel bin.

Dinge, die mir auf den Zeiger gehen, für die das iPhone aber nichts kann:

Zahlreiche Apps lassen sich nur sehr umständlich auf ein neues Gerät portieren: Ich bezahle mit meinem Handy, reiche Rechnungen an die Beihilfe-Stelle und meine Krankenkasse digital ein. Google Pay läuft auf dem iPhone eher nicht. Meine Banking-App zu übersetzen ist zeitaufwändig und  – lohnt sich das für ein, zwei, drei Wochen überhaupt?

Überhaupt ist ein Wechsel kostspielig: Vor allem von Android in Richtung iPhone. Die Apps sind gefühlt doppelt so teuer und das Angebot an kostenlosen Angeboten scheint deutlich geringer.

Dinge, die für Android-User beim iPhone völliger Mist sind:

Unter Android kann ich praktisch jede App im Split-Screen-Modus nutzen: Ein Passwort-Manager auf der einen, die Webseite auf der anderen Hälfte. Eine Mail links und der Kalender rechts. Eine Teams-Nachricht oben und eine ToDo App unten. Einen kleinen Bildschirmausschnitt (z.B. das Foto einer URL) ausschneiden und im Vordergrund auf dem Bildschirm anheften lassen, während man im Hintergrund die URL eingibt. Grrr.

Die Widgets sehen unter iOS hübsch aus, sind aber funktionslos: Warum kann ich mein Hörbuch nicht starten? Bei Spotify einen Song überspringen? Hm.

Außerdem: Für Android gibt es eine populäre App, mit der man YouTube ohne Werbung genießen kann. Die Rückgewöhnung ist wirklich ein Graus – andererseits ist YouTube dadurch so unerträglich geworden, dass mein Konsum mittlerweile gegen Null fährt.

Die Verzahnung der Apps untereinander ist absurd. Ich sehe mir ein Foto an. Will das Foto direkt an Instagram schicken um es dort weiterzuverarbeiten – aber das geht nicht. Ich muss erst Insta öffnen und von dort aus durch meine Fotos scrollen um es zu finden.

Unter Huawei seinerzeit und auch bei Samsung gibt es mit dem Secured Folder die Möglichkeit, zwei Handys mit zwei verschiedenen Profilen, verschiedenen Apps und Inhalten parallel laufen zu lassen. Sozusagen ein Business- und ein Urlaubs-Handy. Weil sowohl das drei Jahre alte Huawei Mate 20 Pro, als auch das Fold 2 mehrere SIM-Karten schlucken, vereinen sie tatsächlich zwei Smartphones in einem. Hmpf.

Die fehlende Ordnerstruktur ist ärgerlich. Ich habe in der Cloud einen Ordner mit Musik, der im Hintergrund auf meine Android-Geräte kopiert wird. Tja. Gleichermaßen werden noch einige andere Ordner mit Bildern, Backups und Dokumenten zwischen allen Geräten synchron gehalten.

Zieht man die Benachrichtigungsleiste bei iOS oder Android herunter, kann man WLAN, Bluetooth etc. ein oder ausschalten. Aber bei Android genügt ein langer Druck auf das  jeweilige Symbol, um sofort in die Einstellungen zu kommen. Unter iOS sind die Einstellungen eine elendige, unübersichtliche Liste von Menüs und Untermenüs. Schrecklich.

Fazit

Galaxy Fold 2Mein Vergleich ist sicher unfair – ich bin einfach tief im Kosmos von Android und Windows gefangen. Mal sehen, wie lange Samsung für die Reparatur benötigt und wie ich bis dahin klarkomme. Vielleicht sehe ich die Sache in zwei Wochen ja ganz anders und will nie mehr zurück.