Es ist die immer gleiche Nummer: Man kauft sich ein neues Spielzeug Gadget und freut sich an Design und Funktion. Doch nach den ersten Tagen bemerkt man die nervigen Dinge. Eigenschaften, die man vorher ausgeblendet hat oder nicht kannte – und nach wenigen Wochen macht sich Frust breit. Seit einem Monat nutze ich das Samsung Galaxy Fold 2. Wie hat es sich nach der ersten Euphorie geschlagen? Lohnt sich der Kauf? Ein kleines Fazit nach dem ersten Hype.

Galaxy Fold 2Vor etwa einem Monat habe ich mein noch-nicht-so-altes Samsung Galaxy S20+ an meine Frau weitergereicht und mir das Galaxy Fold 2 gekauft. Das besondere an diesem Smartphone ist, dass es sich in der Mitte falten lässt und somit gleichzeitig Handy und Tablet zu sein versucht.

Das gelingt dem Gerät auf Kosten von Kompromissen: Es ist etwa doppelt so dick, wie ein normales Smartphone und fühlt sich deutlich zerbrechlicher an.

Pro: „Leider geil!“

Samsung Galaxy Fold 2

Der Wechsel aus Front- und Hauptdisplay geht nahtlos vonstatten und wird von mir etwa im Verhältnis 1:2 genutzt: Schnell mal durch Twitter scrollen, eine Mail lesen oder via Signal meiner Frau schreiben – das geht alles einhändig und auf dem Frontdisplay. Auch tippen wischen geht via gboard zügig und problemlos.

Wann immer ich einer App etwas mehr Aufmerksamkeit schenke, nutze ich das 7,5 Zoll große Hauptdisplay. Obwohl ich in vielen Berichten viel Wehklagen über nichtangepasste Apps gehört habe, bin ich recht zufrieden. Ja, das Design von Instagram könnte besser sein – aber Fotobearbeitung und Filterauswahl machen auf dem riesigen Bildschirm extrem viel Freude.

Ebenfalls in einer eigenen Liga ist alles, was mit Lesen zu tun hat. Meine NewsApp Palabre begeistert mich jeden Tag aufs Neue, OneNote ist übersichtlicher als auf dem Handy und insbesondere das Surfen im Internet ist mit dem am PC absolut vergleichbar. Gleiches gilt für Pinterest, Reader oder Blinkist.

Grundsätzlich kann man sagen: Ob YouTube oder ebook – Medienkonsum macht am Fold 2 ohne Wenn und Aber Spaß. Das gilt besonders, wenn man hin und wieder Bundesliga via Sky Go schaut.

Das Galaxy Fold 2 - Nach dem Hype 1

Ich bin wahrlich kein Gamer. Das Autorennspiel Asphalt 9 funktioniert – aber die fünfhundertsiebenundachzig Klicks bis man endlich fahren kann verleiden mir das Spiel stets aufs Neue. Civilization 6 läuft leider gar nicht – die Auflösung steht da im Weg. Mein Schachprogramm dagegen scheint wie für das annähernd quadratische Display gemacht zu sein.

Der Speicherplatz ist ausreichend, die Software von Samsung angepasst und die Kombination aus 12 GB Arbeitsspeicher und flottem Prozessor sorgen dafür, dass man niemals irgendwo warten muss. „Die Kiste rennt“, wie ein bekannter YouTuber es ausdrückt.

Nicht mehr missen möchte ich Kleinigkeiten: Der Fingerabdrucksensor im Powerknopf ist sensationell schnell und genau. Ich benötige ihn weit öfter, als nur zum Entsperren meines Handys: Immer wieder muss ich mich authentifizieren und das geht mit dem Daumen an der Seite viel besser, als mit einem Scanner unter dem Display. Scheint eine Kleinigkeit zu sein – die Situation begegnet mir aber jeden Tag zwei bis dreimal.

Außerdem wahnsinnig praktisch: Ich filme immer wieder mal Interview mit meinen Kindern: Das Fold 2 muss ich nicht zwischen einer Vase und drei Büchern einklemmen, um aufrecht filmen zu können: Halb aufklappen, hinstellen, fertig.

Außerdem habe ich mir eine passende KFZ-Halterung fürs Auto besorgt – Navigation mit einem Tablet ist schon nochmal irgendwie cooler, als mit einem kleinen Smartphone.

Contra: „Hm. Naja. Eigentlich ätzend.“

Bei aller Lobhudelei gibt es jedoch genau drei Aspekte am Fold 2, die mich wirklich maximal nerven. Und zwar deutlich mehr, als ich zu Beginn gedacht hätte. Ohne viel Federlesens:

  1. Dicke.
    Das Gerät fühlt sich an wie ein Goldbarren und nicht wie ein edles Stück Technik. Das macht es klobig und unhandlich. Ein echter „Genuss“ ist das zu keinem Zeitpunkt. Die Schutzhülle kommt da nochmal drauf.
  2. Empfindlichkeit
    Bei aller Spielerei sind meine Gadgets zunächst Werkzeuge und keine Modeartikel: Weder poliere ich meine Handys ständig noch achte ich auf Kratzer. Nicht, dass ich extra grob bin – aber der Tisch wird vorher nicht auf Kerben untersucht, bevor ich mein Smartphone ablege. Beim Fold 2 habe ich aber ständig das Gefühl, achtsam sein zu müssen. Nicht mit dem Fingernagel auf dem Display! Es ist nicht wasserdicht! Sei vorsichtig, dass es dir nicht hinfällt!
    Diese permanente Stimme im Hinterkopf sorgt dafür, dass ich das Gerät nicht wirklich genieße, sondern ständig Angst habe. Vor allem, wenn man ständig im Garten arbeitet oder unterwegs ist. Das hatte ich in der Form noch bei keinem Gerät.
  3. Kamera
    Es ist gewiss Jammern auf hohem Niveau und die Kamera des Galaxy Fold 2 ist sicher nicht schlecht. Aber das Gefühl bleibt, dass da mehr drin gewesen wäre. Speziell Portraitaufnahmen gelingen nur mit etwas Anlauf – das fühlt sich noch nach Rückschritt an.
    Bei geschlossenem Display fotografieren ist übrigens, wie auf eine Briefmarke schauen – für jedes ordentliche Foto muss das Handy also eigentlich geöffnet werden: Umständlich!

Besondere und andere Aspekte

Das Galaxy Fold 2 - Nach dem Hype 2

Vor dem Kauf des Fold 2 habe ich mehr als nur einen Testbericht gelesen bzw. YouTube-Video dazu angeschaut. Immer wieder wurde – analog zum Surface Duo Smartphone – auf die großartigen Multitasking-Möglichkeiten hingewiesen. Und tatsächlich, zwei oder drei Apps nebeneinander laufen lassen ist wäre gar kein Problem.

Aber: Ich habe das in den letzten zwei Wochen genau ein einziges Mal getan – um die Funktion zu testen. Auch am PC nutze ich selten mehr als ein Fenster zeitgleich – meist, wenn ich Unterricht vorbereite oder Blogartikel schreibe: Recherche links, Arbeitsergebnis rechts. Auf einem Smartphone arbeite ich jedoch nicht. Jedes Anwendungsszenario erscheint mir auch immer gekünstelt, weil es in der Praxis anders gehandhabt wird:

Videokonferenz via Teams und dann schnell etwas notieren? YouTube-Video und dabei einen Gedanken aufschreiben? Stets werden die Videostreams in kleinen, verschiebbaren Fenstern fortgeführt, während ich meine Notizen im Rest des Bildschirms großflächig ausbreiten kann. Geteilte Bildschirme? Braucht es gar nicht. Weder Spotify noch den Twitter-Feed brauche oder will ich ständig vor der Nase haben.

Wenig Beachtung schenke ich in diesem Artikel jenen Punkten, die auch mit jedem anderen Smartphone laufen: Audible und Spotify sind die zeitmäßig meist genutzten Apps, laufen hier jedoch genauso, wie auf einem viele Jahre alten HTC One. Man muss dem Fold 2 aber zugute halten, dass die Lautsprecher extrem gut und laut sind.

Die Hinge, also die spürbare Vertiefung an der Faltstelle des Bildschirms, stört mich kaum. Sie wird vom Hirn vermutlich ebenso ausgeblendet, wie die iPhone-Notch. Weil sie senkrecht verläuft, ertastet man sie nur selten – der Daumen streicht ja meist parallel dazu von unten nach oben.

Fazit nach 4 Wochen zum Galaxy Fold 2: Aber!

In den letzten bald zwanzig Jahren bin ich mit jedem meiner Smartphones innerhalb von Minuten warm geworden: Von den ersten XDAs bis zum Galaxy S20+. Wenn ich dann Monate später das Gerät gewechselt habe, dann weniger aus Ärger über das aktuelle Handy als vielmehr aus Lust auf etwas Neues. Unzufrieden war ich eigentlich nie.

Das Galaxy Fold 2 - Nach dem Hype 3

Diese Begeisterung fehlt mir jedoch etwas. Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch, aber vermutlich ist der Formfaktor immer noch gewöhnungsbedürftig.

Aber die Kombination aus nicht bestmöglicher Kamera, ungewohnter Dicke und insbesondere der befürchteten Empfindlichkeit des Geräts lassen mich das Galaxy Fold 2 nie ohne ein „Aber..!“ genießen. „Aber dir fehlt der Zoom vom S20!“ „Aber sei vorsichtig! Das Gerät ist nicht wasserdicht!“

Aber, aber, aber.

Wenn ich bei YouTube Kommentare von begeisterten Nutzern lese „Nie wieder etwas anderes!“ denke ich immer wehmütig: Ich wäre auch gerne so begeistert. Aber das bin ich nicht so recht.

Das Galaxy Fold 2 - Nach dem Hype 4Ich werde das Galaxy Fold 2 aber sicher nicht mehr hergeben. Es ist deutlich robuster, als mir mein Unterbewusstsein suggeriert („Oh nein, nur 200.000 Faltvorgänge? Dann reicht es ja nur etwa 10 Jahre!“) und auch der faltbare Plastikbildschirm hat nach Wochen der Nutzung keine Schramme, keinen Kratzer. Die meisten Aspekte überzeugen. Mein Tablet, ein Samsung Tab S6 – schon vorher wenig genutzt – ist nun völlig obsolet, weil ich praktisch alles mobil-mögliche nun am Fold 2 erledigen kann.

Außerdem wüsste ich genau: Nach zwei Wochen mit dem Galaxy Ultra würde ich feststellen, dass ich doch eher selten mit dem Gerät schwimmen gehe und auch die Kamera nicht unentwegt brauche – mich aber nach dem großen Bildschirm zurücksehnen.

Naja, das Gras ist immer grüner auf der anderen Seite des Zauns. Missen möchte ich das Galaxy Fold 2 aber nicht.

Empfehlen würde ich das Gerät aber (und das ist der Unterschied zu früheren Handys) niemandem, der nicht ganz genau weiß, was er will. Dazu ist die Umgewöhnung zu deutlich.


Disclaimer: Das Galaxy Fold 2 wurde mir von der wunderbarsten Ehefrau der Welt geschenkt. Es ist bei Amazon aktuell für rund 1150 € erhältlich (Affiliate-Link). Ich nutze diese Hülle von Spigen (Affiliate-Link) und diese Halterung fürs Auto (Affiliate-Link).

Ein Gedanke zu „Das Galaxy Fold 2 – Nach dem Hype“

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