Zu Beginn des Schuljahres haben meine Co und ich entschieden, das Lehrerpult rauszuwerfenRevolutionär, dachte ich! Stein der Weisen!, dachte ich. Nur um dann doch die Hosen voll zu haben („Herr Klinge, die Kinder sitzen mit dem Gesicht zur Wand?? Sind Sie eigentlich wirklich Lehrer?“) zu erfahren, dass diese Sitzordnung aus der Grundschule schon bekannt ist.

Zur Illustration – etwa so sieht mein Klassenraum aus:

Sitzordnung
Sitzordnung im Klassenraum

Die Tische bilden einen großen Kreis. Die Kinder sitzen innen und schauen nach außen – entweder aus dem Fenster oder gegen eine Wand. Die zwei Gruppentische in der Mitte sind unbesetzt und werden nach Bedarf genutzt.

Vorweg: Eine Sitzplatzanordnung keine Lösung für irgendwas. Schlecht geplante Stunden oder unklare Lehrerrolle führen zu Chaos – egal, wie die Tische stehen oder welche Ideen man sonst anbringt. Trotzdem habe ich einen Vergleich: Bisher habe ich immer in klassischen Sitzordnungen gearbeitet: Ob Klippert-Ls, U-Form, Gruppentische oder stramme Reihen. Alles schon gehabt und alles hat seine Vor- und Nachteile.

Fast jede Stunde meines Unterrichts beginnt und endet im gemeinsamen Sitzkreis. Dabei kann jedes Kind jedes andere sehen. Schön dabei: Alle Materialien (wie die Tablets) liegen im Rücken der Kinder. Das Ablenkpotential ist deutlich reduziert. Als ich am Donnerstag vor den Ferien mit dem neuen Thema in Mathematik anfangen wollte, musste ich die Tafel wischen – auf der noch in meiner eigenen Handschrift die Einführung der vorherigen Einheit stand. In meiner Klasse wird die Tafel also wenig bis gar nicht genutzt. Ob das gut oder schlecht ist, sei dahingestellt – es ist erst einmal eine Beobachtung. Das Lehrerpult vermisst augenscheinlich niemand.

Ob mehr oder weniger Unterrichtsstörungen – es ist der regemäßige Stuhlkreis, der in meinen Augen die größte Auswirkung auf die Klasse hat: Auf die Lernatmosphäre, das Miteinander. Immer wieder sitzt man sich gegenüber. Immer wieder bespricht man Abläufe, Probleme, Erfolge. Das fühlt sich weniger belehrend, weniger dozierend an und das mag ich sehr.

Für die nächsten Wochen darf das gern so bleiben.