Günther Jauch.

Günther Jauch.

Diesen Sonntag darf ich tatsächlich nach Berlin in die Talkshow von Günther Jauch reisen, um ein, zwei Gedanken zum Thema “Inklusion” zu verlieren.

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Obwohl das Thema ein Ernstes ist, bedeutet diese Erfahrung für mich vor allem Aufregung und viel Spaß. Meine Kollegen gaben mir ein abstruses Codewort mit, dass ich sagen solle, um sie zu grüßen. Meine Frau kam auf die gleiche Idee (aber mit anderem Codewort). Meine Schüler ebenfalls.
Um mich abzulenken, reise ich schon Samstag nach Berlin – vielleicht komme ich noch in den Genuss des DFB-Pokalfinales. Je nachdem, wer gewinnt, werde ich dann Sonntagabend fröhlich oder missmutig in der Runde sitzen.
Tatsächlich werden die bestehenden Probleme um und mit Inklusion sicher nicht in dieser Talkshow gelöst. Ich denke, es geht vor allem darum, sich Gedanken zu machen. Zu sprechen. Zu denken. Immer wieder zu prüfen, was das Beste für die Kinder ist. Und dabei den ein oder anderen Zuschauer mitzunehmen.

Wer diesen Blog schon länger verfolgt, wird meine Position diesbezüglich erahnen: Mit einer Klasse haben wir mit dem DFB zusammengearbeitet, mit einer anderen für ARTE in einer Doku mitgewirkt und mit noch anderen ein riesiges Modell unserer Schule gebaut, dabei immer wieder neue Lernformen und Methoden ausprobiert und hier vorgestellt, Filme in meinen Physikunterricht eingebunden, meinen Schülern in flüssigen Stickstoff getauchte Marshmallows zu essen gegeben und immer wieder schreibe ich über meine Inklusionsklasse und meine Erfahrungen damit. Als Lehrer darf man sich ausprobieren, darf wagen, experimentieren, forschen, spielen, entdecken, lernen1.
Ich blende die Schwierigkeiten gewiss nicht aus. Ich weiß, dass Inklusion an vielen Schulen katastrophal umgesetzt wird. Es ist ein schwieriger, langer Weg voller Fehler und Tragödien – aber auch mit viel guten Entwicklungen.

Ich liebe diesen Beruf. (Sagte ich das bereits?)

Am Telefon wies man mich übrigens ausdrücklich darauf hin, nichts Kleinkariertes zu tragen. Auch wenn das einen fernsehtechnischen Hintergrund hat: Alle Welt scheint zu glauben, wie Lehrer würden stets karierte Jackets mit Flicken auf den Ärmeln tragen.  Ich versicherte jedenfalls, mich angemessen zu kleiden. Ob mir das gelungen ist, dürft ihr selbst beurteilen. Zwinkerndes Smiley

1: Insbesondere die mitlesenden Lehramtsstudenten: Es ist großartig! Großartig!

36 Replies to “Günther Jauch.”

    1. Ja, ich kann Ihnen nur Recht geben, es gibt nichts Tolleres, als den Beruf des Lehrers. Ihre Leidenschaft für all die Herausforderungen, die diese Tätigkeit an uns stellt (maßgeblich auch von politischen Entscheidungen beeinflusst) teile ich. Ich freue mich auf Ihren Auftritt bei Jauch, auch wenn ich ihn wahrscheinlich aufnehmen werden muss, da mir die Sendezeit einfach zu spät ist. Als total engagierter und damit aber auch übermüdeter Lehrer werde ich da schon im Bett liegen. Ihnen jedenfalls viel Spaß!

  1. Du hast wahrscheinlich viele Bekannte hier, sonst könnten wir dir eine Stadtführung anbieten… Wir könnten die Senats-Werbetour der letzten Woche nachfahren, durch Neukölln & Co, vielleicht kommst du dann auf den Geschmack und besserst unsere Lehrerquote auf :)))

  2. Ich lese bei dir schon eine Weile mit; über Feedly, deswegen ist dies erst mein erster Kommentar.

    Uvhn fesgespannt auf die kommende Sendung und vor allem auf die Codewoerter. Loese sie danach doch bitte auf 😉

    Viel Spaß und beste Grüße,
    Der (noch) Lehramtsstudent Futzipelz

  3. Ich werde auch die Sendung schauen.
    Bin mal gespannt, ob ich die Codewörter rausbekomme.
    Über eine Auflösung würde ich mich auch freuen.
    Ist Montag für dich schulfrei??? 😉

  4. Sehr gut, dass du dort vertreten bist! Ich denke du kannst einen guten und authentischen und sehr wichtigen Blickwinkel einbringen!
    Ein bis jetzt stiller Mitleser… 🙂

  5. Viel Erfolg morgen!
    Ich werde die Diskussion ebenso wie die Beiträge hier mit Interesse verfolgen, denn das Thema interessiert mich sehr. Nachdem ich am Ende meines Studiums in einer Hausarbeit noch ein flammendes Plädoyer für die Inklusion verfasst habe, stehe ich dem nun zehn Jahre später durchaus skeptisch gegenüber. Die Idee, dass alle Menschen miteinander leben, arbeiten und lernen können sollten, vertrete ich immer noch. Aber in der Praxis erlebe ich leider zu oft, dass die Bedingungen so schlecht dafür sind, dass Menschen mit Behinderung irgendwann nur noch als „Probleme“ wahrgenommen werden. Und das kann und darf nicht das Ergebnis von Inklusion sein.
    Liebe Grüße
    SaWie

  6. Lieber Jan-Martin,
    grüß mir die Hauptstadt und dir alles Gute in illustrer Runde. Alle Augen warten auf dich. Das machst du schon!!!
    Liebe Grüße
    Christoph

  7. Seit drei Jahren bin ich KL meiner Inklusionsklasse (u.a. 2 Mädchen mit Down- Syndrom) am Gymnasium stets voller Freude auf den Unterricht, denn der macht in meiner Lieblingsklasse besonders viel Spaß! Leistung, Sozialverhalten, es stimmt einfach alles in der Truppe 🙂 Bin sehr gespannt auf die Sendung und hoffe besonders, dass das leidige Thema „I- Kräfte“ einmal angesprochen wird…da gibt es ja keine Standards und diese Menschen werden über Zeitarbeitsfirmen beschäftigt…manchmal sind drei Kräfte mit verschiedenen „Arbeitgebern“ in einer Klasse…( an meiner Schule sind wir nicht die einzige „I- Klasse“ 🙂

  8. Sehr geehrter Herr Jauch,
    dieses Thema „Inclusion“ beschäftigt mich schon seit langem.Ich bin seit 47 Jahren Lehrerin und das mit Herz und Seele.Bin auch noch immer tätig,hier in Mecklenburg-Vorpommern.Zur Zeit bin ich Klassenleiterin einer DFK 0. Zehn Kinder sind mir anvertraut. Sie benötigen besondere Lernwege,um in allen Bereichen zu einem Lernzuwachs zu kommen.Es ist sehr schön,dass man sich bei dieser Klassenstärke den Kindern individuell widmen kann.Natürlich ist es auch eine Herausforderung.Mir gelingt es durch viele von mir gesuchten Wege,die mir anvertrauten Kinder zum Erfolg zu bringen. Wenn ich mir nun aber vorstelle,bei einer Klassenstärke von über 25 Schülern dieses leisten zu müssen, ist das meiner Meinung nach nicht machbar.Außerdem müsste dann jeder Lehrer, der in seiner Klasse Kinder,die besonders sind,unterrichtet ,auch dementsprechende Kenntnisse besitzen,um an diese Kinder heran zu kommen.Sie dort abzuholen,wo sie stehen.Die anderen 20 dürften dann aber auch nicht vernachlässigt werden. Meines Erachtens wird eine Inclusion nur möglich, wenn der „Schlüssel“ der zu Unterrichtenden ein anderer wird. Hier müsste unbedingt investiert werden.Die Bereitschaft vieler meiner Kolleginnen und Kollegen ist vorhanden.Es gibt so viel Veränderungswürdiges in Sachen Bildung und Erziehung.Es sollte von unten nach oben diskutiert werden und nicht andersherum!Die“ Basis“ muss gehört werden.
    Und noch etwas möchte ich los werden, werter Herr Jauch.Ich denke,Inclusion kann nicht aufdiktiert werden,sondern sie muss gewollt werden von den Betroffenen. So wie es der Fall Henri zeigt.
    Bin schon gespannt auf die Diskussion heute abend!
    Ich möchte mich herzlich bei Ihnen bedanken,dass Sie sich diesem Thema gewidmet haben. Hoffentlich bringt es etwas!
    Mit lieben Grüßen Ihre “ Verehrerin“
    Marita Wilke aus Rostock

  9. Lieber Herr Klinge,
    dafür, dass Sie kein Medien-Profi sind, haben Sie den Auftritt bei Günther Jauch sehr gut gemeistert und gute Argumente gebracht. Witzig fand ich, dass Jauch Ihnen Ihr Beispiel mit dem wackeligen Haus/Brettzuschneiden und der Notengebung geklaut hat. Wie läuft das denn hinter den Kulissen ab? Wird den Gästen im Vorgespräch solch eine Anekdote rausgekitzelt, die dann der Moderator als Frage aufgreifen kann?^^

  10. Toll, wie du das Schwarz-Weiß-Ding aufgebrochen hast (der eine redete genauso furchtbares Zeug wie die andere, wenn auch aus unterschiedlichen Richtungen). Ich hätte nicht mit dir tauschen wollen, hab dir aber immer zustimmend zugenickt 🙂

  11. Toller Auftritt bei Jauch! War vor längerer Zeit schon einmal auf Ihr Blog gestossen und hatte mich gefreut, dass ja jemand mit Leidenschaft Lehrer ist. Ich weiß aus meiner eigenen Schulzeit, da gibt es nicht viele. Nun haben Sie es zu Günter Jauch geschafft und mich hat es nicht wirklich gewundert.
    Was Sie über Inklusion gesagt haben, unterschreibe ich alles und wünsche Ihnen deshalb noch viele Einladungen zu Sendungen oder Interviews jeglicher Art. Denn als Lehrer wissen Sie ja am besten: einmal etwas Richtiges sagen, reicht nicht, damit es der Schüler lernt. Es muss wiederholt werden! Immer und immer wieder.

    Ich habe mit Leidenschaft meinen Zivildienst in einer Sonderschule für Geistig- und mehrfach Behinderte Kinder gemacht. Daher weiß ich: so schön, wie man immer sagt „jedes Kind ist einzigartig“, gilt dies auch für alle Kinder mit Förderbedarf. Deshalb stimme ich Ihnen voll zu – es gibt nicht DEN Weg für Inklusion, weil es nicht DEN Behinderten gibt. Man muss sich jeden Fall, jede Familie, jedes Kind einzeln anschauen und versuchen, eine gute Lösung für alle zu finden. Man darf auf Erfolge hoffen, man muss auch mit gelegentlichem Scheitern rechnen. Hauptsache, man probiert es! Ich danke einfach mal für Ihre Einstellung und Ihre Arbeit! Mit Lehrern wie Ihnen kann es gelingen.

  12. Danke für die klaren Worte zur Haltung von Herrn Kraus. Es wäre mir als Lehrerin wirklich peinich gewesen, wenn seine Meinung als „die Lehrermeinung“ zum Thema stehen geblieben wäre! Da muss wohl noch viel getalkt werden bevor der Inklusionsgedanke allen etwas klarer wird.

  13. Großen Dank an dich, Jan-Martin, dass du uns als Lehrer in dieser Diskussion so super vertreten hast. 🙂 Ich denke nämlich genau so wie du und wahrscheinlich auch so wie viele andere Lehrer. Der Gedanke der Inklusion ist toll, jedoch fehlt es an Rahmenbedingungen! Und an geeignetem Personal.
    Ich denke, dass unsere schlechte personelle Situation wohl auch noch ein bisschen länger bleiben wird…
    Und das alles auf Kosten der Kinder…

  14. Ich verfolge deinen Blog schon eine ganze Zeit, und war wirklich dankbar, dass du als Christ, Lehrer und Vater an dieser Diskussion teilnehmen durftest. Deine Beiträge haben das Gespräch mehr als aufgewertet. Auch wenn du nicht durch „verhärtete Fronten“ durchdringen konntest sind wir als Familie dankbar, dass es Lehrer wie dich gibt, die unseren Kindern Werte vermitteln! Selbst Mutter von vier Kindern im bayrischen Bildungssystem, bin ich mir durchaus der Grenzen die dieses System hat bewußt ,und hoffe wir können auf Dauer und mit viel Geduld, Grenzen aufbrechen um neue Wege zu gehen.

  15. Lieber Jan-Martin,
    gerade versuche ich auf der ard-mediathek die Sendung zu finden – erfolglos. Falls du einen Link hast, kannst du ihn hier bitte posten?
    Danke!

    1. Habs gefunden, aber nicht über die unübersichtliche Mediathek, sondern über google 😉
      Jetzt guck ich mal die Sendung an…

  16. Vielen Dank für die wohltuenden strukturierten Worte des Praktikers in der Sendung! Anwalt aller Kinder – zutreffender geht es nicht. Und ehrliche Antworten: „Experte für Glasknochen“ 🙂 Wie gerne möchte ich eine Ausbildung für solche besonderen Kinder haben und bekomme sie nicht. Meine derzeitige Strategie: kooperatives Lernen (Norm Green – http://www.gi-nord.de).
    Bitte nicht nachlassen in Ihren Bemühungen! Diesen Blog genieße ich mit äußerstem Wohlbefinden 🙂
    Ein Ma/Ph/Inf Wissensvermittler aus MäcVorPomm

  17. Hallo Hr. Klinge,

    was bei Jauch leider gefehlt hat:
    http://www.zeit.de/2014/20/sonderschulen-inklusion

    Mein Sohn mit Down-Syndrom besucht im Moment eine 1. Klasse an einer Montessori Schule. Laut seinem Lehrer ist er einer der beliebtesten Schüler in der Klasse. Das war er in der KITA auch schon.

    Mein Sohn lernt viel von den anderen Kindern, natürlich besonders im sozialen Bereich. Wenn ich ihn an eine Sonderschule schicken muss, an der nur Kinder mit Defiziten sind, wie soll er da von anderen lernen? Was soll er sich da abschauen?

    Wichtig scheint mir das Zusammenspiel zwischen Lehren, Eltern und Therapeuten zu sein. Jeder lernt in dieser Runde von jedem. Und Sie sollten nicht allein im Unterricht sein. Italien macht vor wie es geht. Lasst uns doch einen deutschen Weg finden. Es gibt für mich kein Argument gegen Inklusion.

    Das Deutschland kein Geld hat ist auch Quatsch. In diesem Zusammenhang möchte ich an die Drohne für 500 Mio Euro erinnern, die nicht fliegt. Vielleicht hätte man einen Teil des Geldes in Bildung investieren sollen. Vielleicht wäre sie geflogen (zugelassen worden). 😉

  18. hallo Kollega!
    Setze mich auch schon lange in BW für Inklusion ein, zur Zeit als Sonderschullehrer in einer Berfusschule! Aber so locker und treffend konnte ich die Sache nie präsentieren wie Du in der Sendung, ein toller Auftritt, mein Kompliment. Jedes Kind kann man integrieren- aber nicht in jede Gemeinschaft. Auch an den vermeintlich homogenen Förderschulen haben sich manchmal Klassen gebildet, die man eigentlich nicht mehr unterrichten kann. Es kommt auf die richtige Mischung vor Ort an! Und auf die notwendigen Förderstunden. Natürlich könnte man das behinderte Kind auch am Gymnasium fördern- man müsste nur die Lehrer aus den Sonderschulen rausholen und mit den Schülern an die Regelschule schicken -aber gewachsene Strukuren aufgeben, das traut sich doch niemand. Dann habe ich nochmal eine dumme Frage: Wenn immer mehr behinderte Kinder an Regelschulen gefördert werden, dann müsste doch prallel dazu die Anzahl der Sonderschüler sinken, oder? Gerade wenn alle Schülerzahlen sinken wegen des demografischen Wandelds – müssten da die zahlen an den Sonderschulen nicht sogar noch schneller sinken. Dass sie dies nicht tun, das könnte damit zusammenhängen, dass hier eine große Scheindebatte läuft. In Wahrheit besuchen alle Kinder mit besonderem Förderbedarf in BW die Sonderschulen – und die wenigen, über die alle reden- die Inklusionskinder- die hätten es zum Teil auch ohne Förderstunden an der Regelschule geschafft. Was ist hier das entscheidende Kriterium? Wenn sich die Eltern engagieren – Unterschriften sammeln usw., dann kommt ihr behindertes Kind auf eine Regelschule und die vielen anderen – insbesondere die Eltern, bildungsfern und mit Migrationshintergrund – landen alle auf der Sonderschule!

  19. Lieber Jan,
    dank der Info von HWK habe ich die Sendung gesehen und bin sehr angetan von deinen Beiträgen. Ich habe mich als Lehrerin von dir optimal vertreten gefühlt. Du hast mir aus dem Herzen gesprochen! Danke dir !!!!

    Lieben Gruß
    Margrit

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