Alltag

Eine Kollegin hat mich heute gefragt, ob ich mich konkret an einzelne Schulstunden meiner Jugend erinnere. Von all den rund zehntausend Schulstunden, die ich absolviert habe, sind in meinem Kopf noch fünf oder sechs vorhanden – der Rest ist verschwommen. Schade irgendwie – aber auch beruhigend.

Weil ich in diesem Jahr einen Stundenplan mit vielen Lücken habe, nutze ich die Gelegenheit, bei unterschiedlichen Kollegen zu hospitieren. Das ist insofern spannend, als das ich die meisten meiner Kollegen nur privat oder aus dem Lehrerzimmer kenne, aber nie in ihrer Funktion als Lehrer erlebe. „Beim Kaffee ist die Müller immer so lustig – aber wie ist sie vor dreißig pubertierenden Kindern?

Ich bin da mega-neugierig.

Heute durfte ich mich in den Deutsch-Leistungskurs einer fantastischen Kollegin setzen. Meine letzte Deutsch-Stunde liegt schon einige Jahre zurück und es war ein irritierendes Gefühl, vom klassischen richtig-falsch-Dualismus der Mathematik zum „das könnte man so sehen„-Kosmos eines sprachlichen Faches zu wechseln. Schön nochmal zu erleben, wenn man so gar keine Ahnung hat. Ich frage mich, ob ich heute anders durch die Schule gehen würde. Zielgerichteter womöglich?

Wie gerne hätte ich die Gelegenheit, nochmal regelmäßig Chemie zu lernen. Oder eine Sprache. Aber so nähren einzelne Stunden zumindest meinen Hunger nach Wissen.

Gestern habe ich mit meiner Klasse ein verspätetes Weihnachtsgeschenk geöffnet: Unsere Skype-Klasse aus Ecuador hat uns ein riesiges Paket voller landestypischer Süßigkeiten und eine liebe Grußkarte geschickt und wir haben uns mit ein paar Fotos und einem Video dafür bedankt. Wir hatten im Gegenzug Spekulatius nach Südamerika geschickt und warten gespannt, ob diese weihnachtliche Spezialität südamerikanischen Kinder-Gaumen mundet.

Die nächsten OER-Lerntheken werden innerhalb der nächsten 14 Tage veröffentlicht – bin da gerade hochmotiviert.
Mit meinem Physikkurs möchte ich ein längeres Projekt starten: Aus Gründen werden die Kurse neu zusammengesetzt, das bedeutet: je ein Teil der Schüler hat jedes Thema schon behandelt – einige Mechanik, andere E-Lehre und die nächsten Kernphysik. Regulärer Unterricht mit einem Thema würde für eine Gruppe zur langweiligen Qual. Also möchte ich eine Art „Facharbeit“ schreiben lassen: In Gruppen sollen die Kinder sich ein interessantes Thema überlegen und theoretisch und praktisch erarbeiten. Wer sich bisher mit Mechanik beschäftigt hat, nimmt wohl ein Thema daher. Mit E-Lehre und Atomphysik ähnlich. Interessieren würde mich bspw. die Frage, ob eine Tomate nachweisbar radioaktiv wird, wenn man sie eine Zeit lang mit einem Schulstrahler bestrahlt. Oder, ob man die Titanic heben könnte, wenn man sie mit Tischtennisbällen füllte.  Weitere Themenvorschläge gerne in die Kommentare – ich lasse meine Schüler dann für euch arbeiten. Weil ich im Alltag nicht dazu komme, meinen Schrittzähler auf ein akzeptables Niveau zu heben, möchte ich auch eine Gruppe darauf ansetzen, mir eine gefakte Hand zu bauen, die insbesondere auch den Pulssensor überlistet – auf die eine oder andere Art werde ich meine Frau besiegen.

Bis dahin genieße ich Spaziergänge in den verschneiten Wäldern mit meinem Hund.

Winterwonderland 01.2017 #winter #australianshepherd #aussie #dog #snow #nature

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6 Responses to Alltag

  1. Andy says:

    Die Idee, eine Maschine für den Schrittzähler zu bauen um die Frau hinters Licht zu führen, erinnert mich an eine Folge der Bing-Bang-Theory (S9.5) :-).

  2. Tine says:

    Komisch, ich komme mit Unterricht und Hund auf ziemlich viele Schritte am Tag.

    Bewegt ihr euch schon jenseits der 10.000 oder rennen Referendare mehr im Unterricht rum? ^^

  3. Chrissy says:

    Sehr interessant, dass uns die gleichen Gedanken umtreiben. Seit ich die Referendare betreue, sitze ich in Lehrproben um fachfremden Unterricht und stelle mir die gleichen Fragen nach einer erneuten Schulkarriere meinerseits.

    Und das mit Chemie: Mir sagen regelmäßig Kollegen, dass sie noch mal gern Chemieunterricht hätten. Ich lade sie dann immer in meinen Unterricht ein, gekommen ist aber nie jemand. Wir haben halt alle viel zu viel zu tun …
    Weiterhin frohes Unterrichten,

    LG Chrissy

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