Es gibt sie noch… diese Eltern

6. September 2010 6 Von Jan-Martin Klinge

Als Lehrer hat man oft und viel mit den Eltern der Kinder zu tun – und man macht so seine Erfahrungen.
Schwierig wird es, wenn Eltern und Lehrer nicht an einem Strang ziehen. Kinder merken das sofort und beginnen, beide gegeneinander auszuspielen. Insbesondere bei disziplinarischen Maßnahmen führt das zu großen Schwierigkeiten (“Waaaas? Mein Nils? Niemals!”…).

Nachdem ich letzte Woche – am zweiten Schultag nach den Ferien – schon einen Test über den Stoff des letzten Schuljahres habe schreiben lassen, schwante mir bereits Übles.
Nun haben wir beim Lehrerfreund ja gerade gehört, das strenge Lehrer langfristig die beliebteren sind (und ich möchte zu meiner Verteidigung hinzufügen, dass der Inhalt des Tests einen Tag vorher in zwei Mathestunden sorgsam vorbereitet wurde).

Trotzdem.

Am zweiten Tag einen Test zu schreiben, ist nicht nett.
Aber er fiel recht gut aus. Bis auf vier Schüler hatten alle mehr oder weniger gelernt – jene vier gaben allerdings fast leere Blätter ab. Rückgabe am Donnerstag mit der Ankündigung für jene vier, am darauffolgenden Freitag in der 7. Stunde zum Nachsitzen Nacharbeiten dazubleiben.
Auch nicht nett – aber nötig: Denn ohne eine Ahnung von einfacher Bruchrechnung wird es in der 7. Klasse einfach schwer. Und freiwillig tun Schüler nichts. Nicht in der 7. Klasse. Und erst recht nicht in Mathematik.

Und so erwartete ich die ersten empörten Elternanrufe am Donnerstagnachmittag. Aber nichts geschah. Statt dessen saßen die vier Schüler Freitag mit hängenden Köpfen vor mir.

“Ich soll von meiner Mutter fragen, ob das jetzt jede Woche stattfindet”, fragt eine Schülerin. Ich muss lachen. “Nur, wenn du deine Hausaufgaben ständig vergißt. Aber ihr wißt schon, warum ihr hier seit, oder?”
Eine andere Schülerin seufzt. “Meine Mutter meint, ich hätte es verdient.”

Es gibt sie noch… diese Eltern.