Anforderungen an den Lehrerberuf

22. Dezember 2011 9 Von Jan-Martin Klinge

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Ich glaube, an jeder Schule gibt es Lehrer und… ganz besondere Lehrer.  Auch an meiner. Einer dieser besonderen Kollegen zeichnet sich unter anderem durch ein phänomenales Gedächtnis aus. Aus dem Stehgreif kann er von jedem Schüler den er in den vergangenen dreißig Jahren unterrichtet hat immer noch die Abschlussnote, den Sitzplatz und die familiären Verhältnisse beschreiben. Er kennt die Lebensgeschichte des Neffen von der Schwester ehemaliger Schülerinnen genauso wie er (als Mathematiker) ohne mit der Wimper zu zucken klassische Gedichte oder Aufsätze in Latein wiedergeben kann.

Atemberaubend.

Vor zwei Wochen brach tatsächlich Panik im Kollegium aus, weil besagter Lehrer sich nicht mehr an den Namen der Schwester eines Absolventen von 1986 erinnern konnte. Weil jene Schwester inzwischen geheiratet, wieder geschieden und nach Baden-Württemberg gezogen sei. Oder so ähnlich. “Es geht zu Ende”, riefen wir, als der Kollege partout nicht auf den Namen kam.

In seinem Klassenraum hängt ein kleines Poster, das mir sehr gefallen hat. Darauf werden die Anfoderungen an den Lehrerberuf auf drastische Art und Weise verdeutlicht:

Wahrscheinlich gibt es nicht viele Berufe, an die die Gesellschaft so widersprüchliche Anforderungen stellt:

  • Gerecht soll er sein, der Lehrer, und zugleich menschlich und nachsichtig
  • straff soll er führen,
  • doch taktvoll auf jedes Kind eingehen,
  • Begabungen wecken,
  • pädagogische Defizite ausgleichen,
  • Suchtprophylaxe und Aids-Aufklärung betreiben;
  • auf jeden Fall den Lehrplan einhalten, wobei hochbegabte Schüler gleichermaßen zu berücksichtigen sind wie begriffsstutzige.

Mit einem Wort:

Der Lehrer hat die Aufgabe, eine Wandergruppe mit Spitzensportlern und Behinderten bei Nebel durch unwegsames Gelände in nordsüdlicher Richtung zu führen und zwar so, dass alle bei bester Laune und möglichst gleichzeitig an drei verschiedenen Zielorten ankommen.

Bei einem Hearing zitiert von Professor Müller-Limmrot aus “Die Weltenwoche, Zürich” vom 2.6.1989

Und nun: Frohe Ferien!