Schulanekdoten.

Ich versuche all meinen Schülern immer und immer wieder klarzumachen, dass man Mathematik oder Physik nicht lernen kann, indem man mir zuschaut. Vorne erklären, Aufgaben gemeinsam besprechen – all das sind Dinge, die sich meine Schüler oft wünschen, die ich ihnen aber meist verwehre. Mathematik ist eben wie dieses Bild.
Und tatsächlich haben das viele verstanden. Neulich habe ich meine Klasse 8 dreißig Minuten an einer (leichten) Aufgabe rätseln lassen, bis ich sie schließlich an der Tafel besprechen wollte. “NEEIINN!”, brüllten sofort eine Handvoll. “Herr, Klinge, lassen Sie uns in Ruhe!”

Ein Blick auf die Uhr und in andere gequälte Gesichter reichte mir. “Sorry, aber in fünf Minuten spätestens müssen wir das hier lösen.”

Als die 5 Minuten dann um waren, protestierte ein gutes Viertel der Klasse. Ob sie nicht auf dem Flur alleine weiterrechnen könnten. Also ließ ich sie hinaus und besprach mit dem Rest die Lösung.

Was mich wirklich freut ist die Tatsache, dass diese Schüler sowohl den Ehrgeiz hatten, Aufgaben allein zu lösen, als auch verstanden haben, dass alles Vorrechnen nichts nützt. Ein Traum. Ein absoluter Traum – denn de fakto bin ich für diesen Teil der Klasse überflüssig. Und genau das ist mein höchstes Ziel: Ich möchte überflüssig werden, meine Schüler sollen alleine zurecht kommen. Tatsächlich sollte sich mein Engagement noch rächen – aber das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Statt dessen habe ich mich den ganzen Tag über die Eigenständigkeit meiner Schüler  gefreut, bis Frau Tellmann mich ansprach, die jenen Schülern auf dem Gang begegnet war. “Ich wusste ja schon immer, dass dein Unterricht schlecht ist, aber wenn die Schüler jetzt schon freiwillig auf dem Gang arbeiten, weil sie dich nicht mehr ertragen, dann müssen wir uns was überlegen.”

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