Gespräch mit einem Befürworter „Interaktiver Klassenzimmer“

4. Februar 2013 5 Von Jan-Martin Klinge

Wie alle Autoren eines Blogs erhalte auch ich immer wieder Anfragen von allen möglichen Leuten und Firmen. Vor zwei Wochen bot man mir an, den Blog als Buch zu drucken und zu verkaufen (12% des Erlöses für mich bei prognostizierten 4 verkauften Exemplaren) und wöchentlich die Anfrage, ob ich nicht Werbung einen Gastbeitrag für dieses oder jenes machen wollte. Ich bin da, ehrlich gesagt, ziemlich egoistisch.

Wenn ich über das Flashen eines CustomROMs auf das neueste HTC Handy schreibe, dann nicht, weil ich damit „Traffic“ generiere oder weil es auch nur einen Bruchteil „meiner Leser“ interessiert, sondern weil ichs geil finde. In den meisten Fällen halte ich es wie Herr Rau und ignoriere solche Mails einfach. Selten einmal frage ich nach und ganz, ganz selten ergibt sich ein unterhaltsamer Austausch. So wie hier:

Ich hatte die Gelegenheit, mich mit Felix Kayser zu unterhalten, dem Geschäftsführer der 1edu GmbH – im Gegensatz zu mir ist er ein starker Befürworter interaktiver Klassenzimmer. Eine sinngemäße Wiedergabe unseres Gesprächs darf ich hier veröffentlichen.

Jan: Felix, ich bin ja wirklich ein Technik-Freak. Kein Gadget ist mir zu abgedreht, als dass ich damit nicht privat Spaß hätte. Aber in der Schule? Ich weiß, du bist überzeugt und verkaufst ja auch komplette Systeme an Schulen, aber die Kinder ich sitze den ganzen Tag vor dem Rechner – wieso sollte ich das jetzt auch im Unterricht wollen?

Felix: Ach.. es geht ja gar nicht um die Technik selbst, die man jetzt noch irgendwie in den Unterricht reinquetscht. Einen Haufen Laptops in eine Klasse werfen? Nein, das muss man schon vernünftig durchdenken. Viele Lehrer, die solche ausgearbeiteten Systeme nutzen, berichten, dass die Schüler durch die Interaktivität im Unterricht aufmerksamer und konzentrierter sind und mehr Spaß am gemeinsamen Lernen haben.

Jan: Nunja.. bei interaktivem Unterricht fällt mir sofort das Whiteboard ein. Gefühlt der heilige Gral der Pädagogik und ich habe auch hin und wieder damit gearbeitet – das ist schon lustig, aber am Ende bin ich damit nicht so richtig warm geworden. Nicht, weil ich damit aus technischer Sicht nicht klarkäme – sondern aus pädagogischer Sicht. Ein Whiteboard zu nutzen bedeutet ja, dass ich oder ein Schüler vorne steht und redet – Frontalunterricht. Als großer Anhänger von eigenverantwortlichem Lernen und Lerntheken-Guru ist das jetzt so gar nicht mein Ding.

Felix: Ich denke die Lösung dafür liegt eindeutig in kreativer Didaktik. Selbst eine Kreidetafel muss nicht für Frontalunterricht stehen. Es kommt doch darauf an, wofür die Tafel, das Whiteboard oder sonstige Technik genutzt wird. Das Whiteboard selbst ist nicht die Lösung. Interaktivität wird erst durch die Einbindung der Schüler-Laptops inkl. passender Software möglich. Und hast du nicht vorhin Christian Spannagel zitiert: „Wenn man die gleiche Aufgabe mit der Hand oder mit dem Computer machen kann – dann besteht der Mehrwert eben im Umgang mit dem Computer.“

Jan: Oh weh.. du solltest mal die Handschrift meiner Schüler sehen.. (lacht). Aber gut – zurück zur Praxis: Einer der meistgehörten Sätze in meinem Unterricht ist: „Meine Patrone ist leer?“ und „Hat jemand mal ein Blatt für mich?“ Probleme, die schnell gelöst sind. Wenn dagegen ein Schülernotebook ausfällt, das Passwort vergessen wurde oder ein Programm streikt… Herr Larbig hat das auf seinem Blog aktuell ziemlich plastisch dargestellt. [Link]

Felix: Jep. Ist wie bei deinem Examen – ein, zwei Backup-Rechner sollten immer zur Verfügung stehen. Wir haben z.B. Rechner, die vor ausgelaufenen Trinkpäkchen geschützt sind. Wäre vielleicht auch was für deine Frau (lacht).

Jan: Du liest meinen Blog ja ganz schön aufmerksam. Dann hast du ja auch gelesen, dass meine Tochter großen Spaß daran hat, die xBox auszutricksen. Sie sucht nach Lücken im Spiel, wirft Bowling-Kugeln in die Zuschauer oder versucht beim Fußball Eigentore zu schießen. Lauter so Unsinn.

Felix: Ich weiß was du meinst – und genau das sagte ich vorhin: Einfach einen Haufen Notebooks in eine Klasse zu werfen funktioniert nicht. Kann gar nicht funktionieren. Darum bieten wir ja auch komplette Systeme an. Unsere Schüler-Laptops sind komplett vom Lehrerpult aus steuerbar. Ein Missbrauch ist damit ausgeschlossen.

Jan: Vielleicht solltet ihr eins meiner Tochter geben.

Felix: Nochwas, ich habe gelesen, dass du eine Inklusionsklasse hast. Das kommt ja in den nächsten Jahren auf viele, viele Kollegen zu. Hier hättest du einen ganz konkreten Vorteil: Meine Tafelbilder kann ich beliebig vergrößern, ich könnte Audio-Aufnahmen des Unterrichts gestalten, Videos vom Schritt-für-Schritt-Aufbau eines Tafelbildes erstellen, Inhalte per E-Mail verschicken und so weiter.

Jan: Okay, zugegeben, dass klingt schon cool. Aber es bleibt das Problem, dass ich mich in die Technik einarbeiten müsste. Puuuh.. wenn ich da an meinen Alltag denke: Unterricht vorbereiten, Familie… also.. ehrlich gesagt, bin ich zu faul, mich da einzuarbeiten. Reine Bequemlichkeit.

Felix: (lacht) Jetzt kommen wir der Sache näher. Klar muss man sich einarbeiten – aber das ist wie bei deinem OneNote-Projekt: Da hast du doch auch das Ziel vor Augen, oder nicht? Anfangs war es viel Arbeit aber heute ziehst du binnen Sekunden irgendwelche Arbeitsblätter und Stunden aus deinem OneNote und mit meiner Vorstellung eines interaktiven Klassenzimmers möchte ich am Ende den Lehrern das Lehren und den Schülern das Lernen erleichtern.

Jan: Na, damit haste mich jetzt aber. Darf ich unser Gespräch veröffentlichen?

Felix: Gern. Und darf ich jetzt noch Werbung machen?

Jan: (lacht) Das hast du dir aber auch hart erkämpft.

Felix: Ach was… Wir wollen ja nicht einfach Interaktive Klassenzimmer verkaufen, sondern beteiligen uns an der Einarbeitung und Implementation solcher Systeme. Wir sind wirklich von dem überzeugt, was wir tun.

Jan: Vielen Dank für das Gespräch J.