Odysseum, Bestechung & Brennball

14. September 2013 7 Von Jan-Martin Klinge

ZOE_0008-55FF2CBD_6-31940754Donnerstag sind wir in Köln, im Odysseum gewesen. Solche Ausflüge sind auch mit Rollstuhl-Kindern eigentlich kein Problem, die Kombination mit den Glasknochen und 26 zu beaufsichtigenden weiteren Kindern macht die Sache aber etwas heikel.
Trotzdem ist natürlich alles gut gegangen.  Es zahlt sich aus, über Monate hinweg auf Disziplin und so Dinge wie Zweierreihen (“Wir sind doch nicht in der Grundschule, Herr Klinge!” – “Ist mir doch egal!”) zu achten. An den Bahnhöfen mussten einige Treppen überwunden werden – aber nichts, was man mit vier Erwachsenen nicht hinbekommt. Überraschend für mich: Die Bahn möchte, dass Schulklassen sich 14 Tage vorher anmelden, damit sie Zug und Zeit (!) zugewiesen bekommen. Habe ich nicht gewusst.

Das Odysseum ist eine Art Abenteuermuseum, bei dem die Kinder mit Scannern zwischen den Ausstellungsstücken herumlaufen, Aufgaben lösen und Punkte sammeln.

Für die Kinder war es aufregend und in der Feedbackrunde meldeten sich 28 von 28 Schülern, dass sie gerne nochmal dorthin wollten.
Mir hat es dagegen nicht besonders gefallen. Vielleicht hing es damit zusammen, dass ich schon in den zwei Stunden Anreise ständig aufmerksam und angespannt war – jedenfalls erlebte ich eine Überforderung der Sinne: Überall blinkte und leuchtete es. Computermonitore hier, LEDs da, Knöpfe dort, Geräusche da hinten und ein Video da vorne. Too much information! Und während das Herumlaufen mit den Scannern und der rote Faden im Museum (“Rettet die Welt, Kinder!”) sich durchaus an Schüler der Unterstufe richtet, waren viele Aufgaben und Exponate im Museum z.T. so anspruchsvoll, dass auch meine Oberstufen-Schüler daran ihren Spaß hätten. Meiner Co ging es ähnlich und nachdem wir 5 Euro auf dem Boden fanden, flohen wir zügig in die Cafeteria.

Ruhe.

Großartig.

Dort gesellten sich die Kollegen der Parallelklasse (genau: diese Parallelklasse) zu uns und wir genossen die Zeit. Irgendwann stand ein Schüler jener Klasse vor uns – er habe 5 Euro verloren. Ich deutete achselzuckend auf seinen Klassenlehrer: “Oh man.. davon hat sich der Herr Müller gerade sein Essen gekauft!” Herr Müller blickte auf seinen Teller und entschuldigte sich: “Oh Jonathan… ich war einfach so hungrig… Tut mir leid!”
Eine Sekunde starrte Jonathan uns hilflos an, da brach ich das Schweigen: “Hier, du bekommst von mir 5 Euro.. aber dafür.. morgen beim Sportturnier..” Ich zwinkerte ihm zu. “…verpasst du den ein oder anderen Ball, hm?” Der Schüler nickte. “Vielleicht habe ich ja eine Zerrung oder so…” Er grinste schelmisch, woraufhin der Kollege ihm hinterherrief, er solle sich doch nicht kaufen lassen, dass hätte ein Nachspiel.

Auch die Rückfahrt war völlig in Ordnung – wenn auch anstrengender.

ZOE_0010-8E170419_11-29909091Freitag gab es dann vor dem Brennballturnier noch gemeinsames Frühstück und ich konnte einen weiteren Entwicklungsschritt in der Klasse beobachten: Als ich reinkam, waren Tische und Stühle schon so gestellt, dass wir loslegen konnten und auch das Aufräumen im Anschluss dauerte keine 5 Minuten und erfolgte ohne weitere Anweisungen.

Vor dem Turnier erinnerte ich Jonathan nochmal an unsere Abmachung und der Wettkampf zwischen unser beider Klassen nahm einen so skurrilen Verlauf, dass mir das ohnehin niemand glauben würde: Wir gewannen mit einem Punkt Vorsprung. Danke, Jonathan Zwinkerndes Smiley. Zum Turniersieg reichte es dann nicht ganz, aber das spielte keine Rolle. Die Woche ist endlich rum.
Ab Montag sind alle Klassen und Lehrer wieder da, der normale Stundenplan setzt ein und wir können anfangen, richtig zu arbeiten.

Damit meine Schüler auch ihre Eltern ein Stück weit an der Woche teilhaben lassen können, habe ich hat mein Handy einen jener 30-sekündigen Video-Clips erstellt, die ich hier und da schonmal zum Einsatz brachte.

Also.. unsere Woche in 30 Sekunden: Smiley

Fahrtenwoche 2013