Lehrerwechsel vs. Kontinuität?

24. Februar 2015 8 Von Jan-Martin Klinge

20140827_130625Im Sommer werde ich meine Klasse schon drei Jahre leiten. Dann ist Halbzeit. Ein guter Augenblick, sich Gedanken zu machen, ob ich die Klasse behalten oder abgeben möchte.
An meiner Schule werden stets zwei Klassenlehrer eingesetzt und nachdem meine erste Co mich wegen ihrer Familienplanung verlassen hat, habe ich mit ihrer Nachfolgerin genauso viel Freude im Alltag. Als wir uns über die Zukunft unserer Klasse unterhalten wird uns beiden schnell klar: Egal was und wie – aber wir bleiben zusammen.

Wir nehmen uns Zeit, viel Zeit, um uns Gedanken zu machen. Zwei Aspekte stehen zentral im Vordergrund:

  • Was ist gut für die Klasse? und
  • Was wollen wir eigentlich?

Ich kenne Schulen, bei denen wird alle zwei Jahre der Klassenlehrer gewechselt und ich kenne Schulen, da werden alle zwei Jahre alle Klassen neu durchgemischt und zusammengesetzt. Bei uns an der Schule wird normalerweise das Klassenlehrerteam gewechselt, außer es passt super – dann bleiben alle zusammen.
Das hat Vor- und Nachteile.
Ich selbst hatte mein ganzes Gymnasial-Leben lang immer den gleichen Religionslehrer. Man, war das ermüdend. Und da wir uns nicht so richtig grüne waren auch ziemlich anstrengend. Mir hätte ein Lehrerwechsel sicher gut getan. Der Gedanke, dass meine Schüler womöglich von der 5. bis zur 10. Klasse immer den gleichen Mathematiklehrer haben, ist nicht unbedingt positiv. Für Schüler, die mich ätzend finden, wäre ein Lehrerwechsel sehr erstrebenswert.
Auf der anderen Seite sind meine Co & ich sehr eingespielt. Wir haben sehr ähnliche Vorstellungen von Disziplin, Spaß, Leistungsbereitschaft und Pädagogik. Wir haben unsere Klasse gern. Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist großartig (wir haben den Eindruck, dass die Eltern uns vertrauen). Zusammen mit den anderen Kollegen ‘funktioniert’ diese Klasse ehrlicherweise völlig reibungslos. Mit all ihren Schwierigkeiten und Herausforderungen läuft die Inklusion bei uns sehr gut. Dieses funktionierende System aufzugeben, könnte leicht zum Nachteil der Klasse werden. Never change a running system.

Und wir?
Unsere Schule wird im Sommer erweitert. Der Umzug in ein neues Gebäude, die Herausforderung an zwei Standorten arbeiten zu können reizt mich. Der Gedanke, eine neue 5. Klasse zu bekommen, frische quirlige Schüler kennenzulernen und mit ihnen das Miteinander zu üben… hmm. Neue Eltern zu begrüßen und mit ihnen gemeinsam ihre Kinder zu begleiten. Vertrauen zu erarbeiten und miteinander durch die Pubertät zu laufen. Trost zu spenden. Beraten. In den Hintern treten.

Wenn ich sehe, wie meine Klasse miteinander umgeht, dann macht uns das unheimlich stolz. Klammert man den Spezialfall “Inklusion” aus, dann haben wir keine Außenseiter in der Klasse. Jeder arbeitet mit jedem. Jeder hilft jedem. Natürlich gibt es Streits und hier und da Ärger – aber das Miteinander ist bei ihnen ganz stark ausgeprägt.

In gewisser Weise… brauchen sie uns gar nicht mehr.

Und das Neue? Das unentdeckte Land? Das reizt uns beide sehr.

Wie ist das bei euch an der Schule? Und wie entscheidet ihr euch? Wechselt ihr gerne oder eher ein Plädoyer für Kontinuität?