Digitale Medien. Workflow. Papierlose Schultasche.

Digitale Medien. Workflow. Papierlose Schultasche.

Immer wieder begegnen mir beeindruckende Projekte von anderen Lehrern: Die Kollegin einer benachbarten Schule beginnt demnächst mit einer iPad-Klasse. Kurt Söser erzählt vom Einsatz neuer Microsoft-Technologien in seinem Unterricht. Solche Dinge halt. Abgefahren, aber.. fern.

Denn so beeindruckend das jedesmal klingt: An meiner Schule habe ich keinen Klassensatz Tablets und wir sind auch weder Apple- noch Google oder eine Microsoft zertifizierte Schule. Wir haben Computerräume mit Windows XP und dem alten Office 2003.

Abgesehen von den festinstallierten (VGA-)Beamern in allen Räumen entspricht meine Schule vermutlich dem Durchschnitt.

Trotzdem machen mir moderne Medien (bzw. intelligenter Technologieeinsatz) das Leben an vielen Stellen leichter. Tatsächlich kann ich mir nicht mehr vorstellen, ohne Computer und Tablet zu arbeiten.

Dabei begegnet mir häufig erstauntes Kopfschütteln: Für viele bedeuten „moderne Medien“ in erster Linie „mehr Aufwand“ bei höchstens gleichem Nutzen. Vor kurzem schrieb ich über meine papierlose Schultasche und war von der Resonanz erstaunt. In meinem Umfeld herrscht ein Bedürfnis nach „ich würde auch gerne…“ in Kombination mit „…aber ich weiß nicht wie!“

Ich möchte euch daher auf eine kleine Reise mitnehmen und zeigen, wie ich mit sehr wenig schulischer Infrastruktur recht effektiv und kooperativ arbeite. Dabei habe ich im Blick, dass unsere Schule (und vermutlich auch eure) nicht über die modernste Ausstattung verfügt.

Es geht um

  • Welches Gerät ist für mich im schulischen Kontext das Richtige?
  • Wie lässt sich Unterricht zeitsparend vorbereiten? Wie verhindere ich, dass ich in hundert Ordnern voller Dateien ersticke?
  • Gibt es eine bessere Variante, mit Kollegen Ideen/Material/Unterricht auszutauschen, als per USB-Stick? (Geht das auch zeitsparend und ohne Gefrickel?) (Der Teil wird großartig!)
  • Ein paar wirklich coole Ideen zum weiterspinnen

Vollkommen ausblenden möchte juristische Aspekte. Was in welchem Bundesland und an welcher Schule erlaubt und was verboten ist…. Böh… Lieber Fokus auf das Wichtigste.

Ich habe mittlerweile eine ganze Reihe Tablets und Notebooks für meinen Beruf verschlissen ausprobiert.

Die meiste Zeit habe ich mit verschieden großen Android-Tablets gearbeitet. Mal mit, mal ohne Stiftbedienung. An ihnen schätze ich das geringe Gewicht, die lange Akkulaufzeit und vor allem das fantastische Angebot an Software. Das Tablet diente mir als Ersatz für mein Notenbuch, ich habe damit E-Mails beantwortet und hatte stets meinen Unterrichtsverlauf vor Augen. Genervt hat mich dagegen der geringe interne Speicherplatz, die Größe in Kombination mit fehlendem richtigen Office.

Hin und wieder habe ich deswegen mein Lenovo Notebook mitgeschleppt. Damit konnte ich dann vernünftig tippen und arbeiten, das Gerät hat jedes Video abgespielt und ich hatte stets meine gesamte Bibliothek dabei. Genervt hat mich der Beamer-Adapter, der ständig kaputtgegangen ist (und zu oft genau dann nicht mehr funktioniert hat, wenn ich ihn brauchte!) und das Gewicht. Außerdem war es ein extra-Gerät, das ich mitnehmen musste.

surface pro 4Seit ein paar Tagen bin ich auf ein Surface Pro 4 umgestiegen. Das Gerät ist deutlich leichter als mein Notebook, die Akkulaufzeit reicht locker für den Schultag und weil das Gerät ein vollwertiger Windows-Rechner ist, kann ich damit alles machen. Es verbindet meine bisherigen zwei Geräte zu einem. Ich habe die günstige Variante mit Mobilprozessor gewählt und profitiere vom fehlenden Lüfter und langer Akkulaufzeit. Schon nach wenigen Tagen weiß ich – dies ist die eierlegende Wollmilchsau, nach der ich gesucht habe. Für Office-Anwendungen ist die Leistung perfekt, Filme schneiden und aktuelle Computerspiele sind für mich nicht wichtig.

Mein Zubehör besteht aus der beleuchteten Tastatur (110 €), einer MicroSD-Karte (30 €) und einem MiniDisplay2VGA-Adapter (8 €) für die Schulbeamer. Den mitgelieferten Stift nutze ich ständig, weil ich mir handgeschriebenes besser merken kann („von der Hand in den Verstand“). Überhaupt ist der Stift ganz fantastisch: Endlich kann ich meine eigenen Klassenarbeiten handschriftlich lösen und habe diese Lösung auch digital. Wunderbar.

Am Ende lande ich bei 1000 € für einen Dienstcomputer. Viel Geld – aber dafür kann das Gerät auch wirklich alles, was ich will.

Wichtige Software ist für mich

  • Office 365 (5 € im Monat)
    Besonders relevant: 1 Terrabyte Speicherplatz bei OneDrive für Datenaustausch und Backup und außerdem OneNote, das Office-Programm schlechthin.
  • UnbenanntMEMU – ein Emulationsprogramm, dass mir mein altes Android-Tablet in das Surface holt. So kann ich weiterhin mit Tapucate arbeiten und die ein oder andere Android-App nutzen, ohne jeden Aufwand. Ich habe jetzt sozusagen zwei Tablets in einem.

Der einzige Wehrmutstropfen des Surface ist der begrenzte Speicherplatz. Das umgehe ich mit einer SD-Karte. Synchronisierte Ordner von Onedrive (Dropbox etc.) werden dahin umgelenkt. Trotzdem sind die 128 GB schnell mit Kram belegt, der sich mit Wechseldatenträgern nur schlecht versteht (z.B. der OneNote Cache). Da bin ich aber auch ein Spezialfall. Außerdem absurd, dass man selbst den SSD-Treiber aktualisieren muss – aber das geht ja mit zwei Klicks.

Fazit: Nach viel Ausprobieren bin ich letztlich beim Microsoft Surface gelandet, weil es alles kann. Keine Kompromisse an keiner Stelle.

Morgen dann: Die Software. Was und wie?

 

 

Disclaimer: Ich wurde nicht von Google/Apple/Microsoft bezahlt und es hat auch niemand1 Einfluss auf mich oder diese Reihe genommen.

1: mit Ausnahme der Verschwörung der Echsenmenschen.