Gruppendynamische Spiele und Lehrergesundheit

Freitags endet die Woche bei uns immer mit der Klassenlehrerstunde.

Sitzplatzrotation
Alle sechs Wochen rotieren wir im Sitzplan, damit jeder mal neben jedem sitzt. Das führt dazu, dass man Kinder, die man vielleicht erst doof findet, irgendwann vielleicht doch zu mögen lernt. In den letzten sechs Wochen hat sich insbesondere eine Tischgruppe, die sich zunächst eher befremdlich musterte, zu einem ausgeprägten Kaffeekränzchen entwickelt. Leistungsmäßig ist das eher schlecht – aber ich feiere im Stillen die gute Laune („Herr Klinge, könnten Sie uns vielleicht noch Kekse bringen?“). Die Neuordnung verläuft völlig ohne Murren. Hier und da schadenfrohes Gelächter, wenn ein Rabauke neben jemand besonders Stillen sitzt – aber es ist Gelächter der positiven, fröhlichen Art. Niemand, der sich hinterher schlecht fühlt.

Gruppendynamische Spiele
Außerdem aufregend: Einmal mehr haben wir aus unserer Lerntheke ein Gruppendynamisches Spiel herausgesucht, um mit den Kindern Teamarbeit zu üben. Heute stand „Spiel ohne Regeln“ auf dem Plan, ein „Frust-Spiel“, wie es Markus am Ende der Stunde ausdrückte.

Jedes Kind bekommt zu nächst einen Ball und die Anweisung, diesen in die Mitte des Stuhlkreises zu setzen und sich wieder zu setzen. Auf ein Zeichen von uns, solle man sich einen Ball schnappen – wer keinen Ball hat, scheidet aus. Nach und nach werden Bälle aus dem Spiel genommen.

Das Spiel wird – normalerweise – sehr schnell sehr ätzend. Die Jungen stürzen sich ohne Rücksicht auf Verluste ins Getümmel, irgendwer hortet zwei oder drei Bälle oder versteckt einen unter dem Pulli und wenn jemand vor dem Signal schon losstürmt, ist das („Spiel ohne Regeln“) nicht verboten.
Unsere Klasse hat aber ein Gespür dafür entwickelt, worauf diese Spiele zielen und das war heute wunderbar zu beobachten. Statt großem Gezanke saßen zwei Jungen nach der ersten Runde friedlich nebeneinander und hielten beide den gleichen Ball fest. „Herr Klinge, es gibt keine Regeln – also ist das erlaubt!“

Zack! Clevere Kinder!

Erst, nachdem wir dann doch eine Regel eingeführt haben („Jeder schnappt sich einen Ball, wer keinen hat, fliegt raus!“) ging es etwas wilder zur Sache. Aber auch am Ende, als es eine Gewinnerin gab, wurde das Ergebnis mit „Kein Regeln? Dann bestimme ich, dass wir alle gewonnen haben!“ kommentiert.

Ganz wunderbar – auch, wenn das Spiel am Ende in meinem Sinne scheiterte. Einige empfanden es wegen der fehlenden Regeln zwar als blöd und Frust-Spiel – aber nicht wenige hatten trotzdem ihren Spaß dabei.

Lehrergesundheit
Spannend: Meine Schule hat eine (anonym gehaltene) Spende erhalten mit dem Vermerk, das Geld in den Bereich der Lehrergesundheit zu stecken.
Wir haben einige Ideen zusammengetragen, diskutiert und verworfen und sind am Ende zu dem Ergebnis gekommen, dass ein „Ruhe- und Chillraum“ einen großen Einfluss auf das Wohlfühl-Empfinden jedes einzelnen haben könnte. Ein Ort, an dem man in der Freistunde mal kurz abschalten und die Füße hochlegen kann, an dem man mit dem Lieblingskollegen einen Kaffee trinkt und für ein paar Minuten den Stress hinter sich lässt.

In der Wirtschaft völlig klar: Je zufriedener die Angestellten, desto gesünder und glücklicher und produktiver. Gerade im Lehrerberuf, der viel mit Burnout und Aufopferung zu kämpfen hat, kann ich mir vorstellen, dass so eine kleine Oase allen Kolleginnen und Kollegen sehr gut tut. Vor Augen habe ich natürlich Google und Microsoft, die sehr viel Energie in die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter stecken – die Bilder davon haben viele von uns wohl vor Augen. Erste Entwürfe werden geteilt, ich bin ganz gespannt und freue mich sehr.

Auch an anderer Stelle bewegt sich meine (wunderbare! großartige!) Schule: Ein Kollege hat eine Lehrersportgruppe ins Leben gerufen, die begeistert aufgegriffen wird und im gleichen Maße für gute Laune und schmerzende Muskeln sorgt. Im Kopf denke ich immer, ich sei ja doch noch ein bisschen fit – aber verglichen mit vielen Kolleginnen und -kollegen bin ich in der Verfassung meines Großvaters. Immerhin sorgen meine traurigen Versuche, einen Liegestütz zu schaffen, für heitere Gemüter.

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