Meine Schüler:innen erhalten in diesem Jahr zwei Zeugnisse, denn die leisesten Mitglieder unserer Gesellschaft sind auch jene, die mit am Schwersten unter der Pandemie zu leiden haben. Ein Zeugnis ist wie immer – und eines, das dieses Jahr besser beschreibt. 

Seit mehr als einem Jahr begleitet uns die Pandemie in der Schulwelt. Wechselunterricht, Hybridmodelle, Distanz- und Präsenzunterricht wechseln sich ab und zehren nicht nur an den Nerven der Lehrer:innen und Eltern, sondern sind auch für die Kinder anstrengend.

Die letzten Wochen und Monate haben aber auch gezeigt, zu welchen Leistungen wir imstande sind: Maximale Flexibilität, alternative Prüfungsformen und die Besinnung auf „Was ist eigentlich wirklich wichtig?“ stand vielerorts im Vordergrund.

Wie immer im Leben sind es oft die Extreme, die unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen:

Die Schulverweigerer, die nicht im Online-Unterricht auftauchen, technische Probleme vortäuschen und völlig untertauchen. Wie viele Telefonate, wie viele Gespräche, wie viel Ärger und Geschimpfe. Aber manchmal steht dahinter auch ein völlig überfordertes Kind, dass sich plötzlich hauptverantwortlich um Haushalt und Geschwister kümmern muss.

Die stets präsenten, fleißigen Kinder. Jene, deren Namen schwärmerisch über die Lehrerzunge fließen wie ein guter Wein: „Ach, ja, die Josephin! Immer macht sie alle Aufgaben, auch die freiwilligen! Die ist so engagiert!“ Aber manchmal sitzt vor dem Computer auch sehr, sehr viel Druck und die Angst der Eltern, die Josephine könnte den Anschluss verlieren.

Blicke ich auf meine Schülerschaft, dann bewegt sich die überwältigende Mehrheit zwischen diesen Polen: Kinder, die hin und wieder verschlafen, manchmal eine Wochenplanaufgabe nicht abgeben und wo ich hier und da mal zu Hause anrufen muss – die aber fast immer pünktlich sind und fast alle Wochenplanaufgaben abgegeben haben und wo ich an 49 von 50 Tagen nicht anrufen und an die Schule erinnern muss.

In spätestens zwei Jahren wird sich niemand mehr an dieses Schuljahr erinnern. An die Herausforderungen. Die Verantwortung. An all das, was wir unseren Kindern zugemutet haben.

Eine Idee ist, den Schüler:innen in diesem Jahr zwei Zeugnisse auszustellen.
Eines mit den Fächern und Noten wie immer. Denn viele haben sich angestrengt, Mühe gegeben und waren fleißig und ihre guten Noten sind hart erarbeitet.

Aber auch ein Zeugnis, in dem jene Kompetenzen wertgeschätzt werden, die ansonsten untergehen: das frühe Aufstehen, obwohl man alleine zu Hause sind; stundenlanges Sitzen vor einem Bildschirm; das Niederringen von technischen Hürden.

Ein erster Entwurf könnte zum Beispiel so aussehen:

Ein Corona-Zeugnis für meine Schüler:innen 1

Erstellt – wie immer – mit dem Killerwerkzeug PowerPoint (die SCHILD-Formularerstellung liegt einfach über meinen Fähigkeiten). Um versehentliches Formatieren zu vermeiden, habe ich mit dem Folienmaster gearbeitet.

Ein Corona-Zeugnis für meine Schüler:innen 2

Editierbar sind nun nur noch Name, Klasse und die Textfelder engagiert/sehr engagiert.

Wie eigentlich immer gilt: Nachmachen, anpassen und verbessern unbedingt empfohlen. Die Datei zum experimentieren gibt es zum Download an dieser Stelle (aber über einen Kaffee freue ich mich immer!).