Es gibt sie noch… diese Eltern

Als Lehrer hat man oft und viel mit den Eltern der Kinder zu tun – und man macht so seine Erfahrungen.
Schwierig wird es, wenn Eltern und Lehrer nicht an einem Strang ziehen. Kinder merken das sofort und beginnen, beide gegeneinander auszuspielen. Insbesondere bei disziplinarischen Maßnahmen führt das zu großen Schwierigkeiten (“Waaaas? Mein Nils? Niemals!”…).

Nachdem ich letzte Woche – am zweiten Schultag nach den Ferien – schon einen Test über den Stoff des letzten Schuljahres habe schreiben lassen, schwante mir bereits Übles.
Nun haben wir beim Lehrerfreund ja gerade gehört, das strenge Lehrer langfristig die beliebteren sind (und ich möchte zu meiner Verteidigung hinzufügen, dass der Inhalt des Tests einen Tag vorher in zwei Mathestunden sorgsam vorbereitet wurde).

Trotzdem.

Am zweiten Tag einen Test zu schreiben, ist nicht nett.
Aber er fiel recht gut aus. Bis auf vier Schüler hatten alle mehr oder weniger gelernt – jene vier gaben allerdings fast leere Blätter ab. Rückgabe am Donnerstag mit der Ankündigung für jene vier, am darauffolgenden Freitag in der 7. Stunde zum Nachsitzen Nacharbeiten dazubleiben.
Auch nicht nett – aber nötig: Denn ohne eine Ahnung von einfacher Bruchrechnung wird es in der 7. Klasse einfach schwer. Und freiwillig tun Schüler nichts. Nicht in der 7. Klasse. Und erst recht nicht in Mathematik.

Und so erwartete ich die ersten empörten Elternanrufe am Donnerstagnachmittag. Aber nichts geschah. Statt dessen saßen die vier Schüler Freitag mit hängenden Köpfen vor mir.

“Ich soll von meiner Mutter fragen, ob das jetzt jede Woche stattfindet”, fragt eine Schülerin. Ich muss lachen. “Nur, wenn du deine Hausaufgaben ständig vergißt. Aber ihr wißt schon, warum ihr hier seit, oder?”
Eine andere Schülerin seufzt. “Meine Mutter meint, ich hätte es verdient.”

Es gibt sie noch… diese Eltern.

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  1. Hallo Jan-Martin,
    na da wünsche ich dir weiterhin so kooperative Eltern und Schüler!

    Habe deinen Blog schon mal bei Judith entdeckt und gerade wieder gelesen. Interessant, was du so schreibst, vor allem weil mein Mann ebenfalls Mathelehrer ist und auch Physik und Werken/Technik unterrichtet, gerade mit seinem Ref fertig geworden und Klassenlehrer einer 7.Klasse geworden ist! Also immerwieder lesenswert dein Blog, würde dich daher gerne auf meine Blogroll setzen.
    Grüße von Jojo

  2. Ach, da werde ich ja glatt neidisch. Nach einer Mittags“pause“, während der „Meiner“ gleich zweimal von wütenden Eltern gestört wurde, könnte ich mal wieder alle Eltern auf den Mond schiessen. (Dass ich selber zur Kategorie Eltern gehöre, übersehe ich dann mal geflissentlich…)

  3. Das freut mich aber jetzt, dass es auch vernünftige Eltern gibt. Ich weiß ja, wie’s damals bei uns war und kann mir gut vorstellen, dass sich diverse Lehrer einiges von so manchem Elternteil anhören durften. Dass die „lieben Kleinen“ normalerweise selbst an Strafarbeiten und schlechten Noten Schuld waren, also bitte, sowas kann ja wohl nicht sein!

    Ein Test am 2. Schultag ist schon fies (da hätten wir auch sehr laut protestiert…), aber gerade wenn’s am Vortag nochmal fairerweise wiederholt wurde, kann man damit leben. Und dass du tatsächlich die Zeit aufwendest und dich mit den „Problemkindern“ nochmal nach der Schule hinsetzt, finde ich wriklich gut. Das macht längst nicht jeder Lehrer. Und ich denke, das bringt am ehesten was. Wenn dann die Eltern auch noch so gut mitziehen – schön! (Meine Eltern hätten sich auch nicht beschwert, sondern wären wahrscheinlich eher in der „Selbst Schuld“-Schiene gefahren. *g*)

    • Der Test war mehr ein „pädagogischer Tritt in den Hintern“ – die Schüler verschlafen allzuoft den Anfang eines Jahres und laufen dann hinterher…

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