langsam geht’s wieder los…

So langsam nähern sich die Ferien in NRW ihrem Ende. Ich bin sowieso schlecht darin, während des Urlaubs in ein ganz anderes Leben zu wechseln, so dass ich mich durchweg auch mich Schulkram beschäftigt habe. Die kommenden Wochen werden eine echte Herausforderung für mich und ich mache mir schon in die Hose freue mich sehr auf das, was da kommt.

 

Zunächst einmal werde ich Klassenlehrer. An unserer Schule übernehmen das stets zwei Kollegen – die pädagogischen Vorteile liegen auf der Hand. Zusammen decken wir zwei zufällig alle Hauptfächer und einen Großteil der Nebenfächer ab, so dass wir unsere zukünftige Klasse in über zwanzig Stunden pro Woche sehen. Da eröffnen sich echte Möglichkeiten, eine Klasse “auf Kurs” zu bringen. Außergewöhnlich wird diese Klasse durch die Tatsache, dass wir zwei Schülerinnen im Rollstuhl mit Glasknochen dabei haben. Da kommen sicher eine ganze Menge Situationen und Probleme auf mich zu, von denen ich jetzt noch keine Ahnung habe. Vor den Ferien haben meine Kollegin und ich uns mit den Eltern der Kinder zusammengesetzt und einen Kaffee getrunken. Denn, um ehrlich zu sein, mein Wissen über Glasknochen beschränkte sich auf den Wikipedia-Artikel und den Film “Unbreakable”.
Überhaupt wird der Umgang mit Behinderten in den nächsten Jahren stärker in den Fokus des schulischen Lebens rücken. Das erzeugt Unsicherheit und Ängste – nicht nur bei Lehrern, sondern auch bei Eltern und Schülern. Nicht selten sind Mütter und Väter anderer Kinder besorgt, wenn sie hören, ein behindertes Kind komme in die gleiche Klasse: “Und das Niveau…?!”, fragen sie dann.

2012-07-19 15.02.18Vor diesem Hintergrund habe ich die freundliche Erlaubnis der Eltern, in den kommenden Monaten und Jahren über die speziellen Herausforderungen und Lösungsansätze dieser Problematik zu bloggen. Mit durchaus naiver Herangehensweise und dem Ziel der Aufklärung. Während dieser Sommerferien werden bereits Teile der Schule behindertengerecht umgebaut und z.B. eine Rampe für Rollstuhlfahrer errichtet. Alles nicht ganz einfach. Direkt in der ersten Woche fahren alle neuen Klassen auf Klassenfahrt. Da meine Klasse in ein CVJM-Heim ganz in der Nähe fährt, haben wir die Entscheidung getroffen, dorthin zu wandern.
Ich bin mit meiner Kollegin die Strecke einmal während der Ferien spaziert gekrochen – auch unter dem Blickwinkel: Geht das auch mit einem Rollstuhl?

Wie man auf dem Foto sieht – es wird herausfordernd.

Außerdem muss die Schulhomepage endlich umziehen. Ein großer Teil ist mittlerweile geschafft und es fehlen nur noch Kleinigkeiten, die sich im Laufe der nächsten Wochen von allein ergeben werden. Wenn dann irgendwann die alte Seite endgültig abgeschaltet wird und man nicht mehr zweigleisig fahren muss, läuft das auch besser. Danke an Maik Riecken an dieser Stelle für den Hinweis mit WordPress.

Und schließlich: Mit Entsetzen habe ich festgestellt, dass die Seite CISCI.net eingestellt wurde – auf dieser Seite wurden Filmausschnitte auf ihren naturwissenschaftlichen Hintergrund überprüft. Grandios für den Unterricht! Ich habe Professor Oberhummer von der TU Wien mein Bedauern über die Einstellung ausgedrückt und im Laufe des Schriftverkehrs die Erlaubnis erhalten, sämtliches Material von CISCI hier weiterzuverwenden. Wenn das nicht absolut fantastisch ist…?! Ich grüble noch über Art und Weise, wie ich die Inhalte speziell für den Unterricht an Schulen anpasse und dann hier einbinde. Das wird aber sicher noch einige Zeit dauern.

Wie man sieht… ich habe eine Menge vor. Packen wir’s an. 😀

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  1. ich glaube, die beiden kinder mit der glasknochenkrankheit kenne ich aus erzaehlungen einer kommilitonin, die mal ein praktikum gemacht hat. wir kriegen ab diesem sommer auch ein rolli-kind und die umbaumassnahmen laufen auch bei uns. leider uebernimmt diese klasse ein kollege, der ueberhaupt nicht von der ganzen sache ueberzeugt ist. schoen, dass du so offen an die sache herangehst! mit dieser einstellung werden sich viele probleme loesen lassen…

  2. Wow, das klingt ja alles sehr spannend. Ich finde es toll, wie du damit umgehst.
    Man wächst mit seinen Herausforderungen 🙂

  3. … ein gutes neues Schuljahr wünsche ich! Viele Grüße aus Stuttgart, Daniel Renz (der über den Artikel in der „Süddeutschen“ hierhergefunden hat)

  4. Hey,
    ich bekam den Link gerade von einer Kollegin geschickt. Es hört sich so an, als wenn meine ehemaligen Schülerinnen bei euch in guten Händen sind! Klasse!Ich bin auf eure Berichte gespannt. Viele Grüße aus der FcS in Rudersdorf.

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