Lehrerwechsel vs. Kontinuität?

20140827_130625Im Sommer werde ich meine Klasse schon drei Jahre leiten. Dann ist Halbzeit. Ein guter Augenblick, sich Gedanken zu machen, ob ich die Klasse behalten oder abgeben möchte.
An meiner Schule werden stets zwei Klassenlehrer eingesetzt und nachdem meine erste Co mich wegen ihrer Familienplanung verlassen hat, habe ich mit ihrer Nachfolgerin genauso viel Freude im Alltag. Als wir uns über die Zukunft unserer Klasse unterhalten wird uns beiden schnell klar: Egal was und wie – aber wir bleiben zusammen.

Wir nehmen uns Zeit, viel Zeit, um uns Gedanken zu machen. Zwei Aspekte stehen zentral im Vordergrund:

  • Was ist gut für die Klasse? und
  • Was wollen wir eigentlich?

Ich kenne Schulen, bei denen wird alle zwei Jahre der Klassenlehrer gewechselt und ich kenne Schulen, da werden alle zwei Jahre alle Klassen neu durchgemischt und zusammengesetzt. Bei uns an der Schule wird normalerweise das Klassenlehrerteam gewechselt, außer es passt super – dann bleiben alle zusammen.
Das hat Vor- und Nachteile.
Ich selbst hatte mein ganzes Gymnasial-Leben lang immer den gleichen Religionslehrer. Man, war das ermüdend. Und da wir uns nicht so richtig grüne waren auch ziemlich anstrengend. Mir hätte ein Lehrerwechsel sicher gut getan. Der Gedanke, dass meine Schüler womöglich von der 5. bis zur 10. Klasse immer den gleichen Mathematiklehrer haben, ist nicht unbedingt positiv. Für Schüler, die mich ätzend finden, wäre ein Lehrerwechsel sehr erstrebenswert.
Auf der anderen Seite sind meine Co & ich sehr eingespielt. Wir haben sehr ähnliche Vorstellungen von Disziplin, Spaß, Leistungsbereitschaft und Pädagogik. Wir haben unsere Klasse gern. Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist großartig (wir haben den Eindruck, dass die Eltern uns vertrauen). Zusammen mit den anderen Kollegen ‘funktioniert’ diese Klasse ehrlicherweise völlig reibungslos. Mit all ihren Schwierigkeiten und Herausforderungen läuft die Inklusion bei uns sehr gut. Dieses funktionierende System aufzugeben, könnte leicht zum Nachteil der Klasse werden. Never change a running system.

Und wir?
Unsere Schule wird im Sommer erweitert. Der Umzug in ein neues Gebäude, die Herausforderung an zwei Standorten arbeiten zu können reizt mich. Der Gedanke, eine neue 5. Klasse zu bekommen, frische quirlige Schüler kennenzulernen und mit ihnen das Miteinander zu üben… hmm. Neue Eltern zu begrüßen und mit ihnen gemeinsam ihre Kinder zu begleiten. Vertrauen zu erarbeiten und miteinander durch die Pubertät zu laufen. Trost zu spenden. Beraten. In den Hintern treten.

Wenn ich sehe, wie meine Klasse miteinander umgeht, dann macht uns das unheimlich stolz. Klammert man den Spezialfall “Inklusion” aus, dann haben wir keine Außenseiter in der Klasse. Jeder arbeitet mit jedem. Jeder hilft jedem. Natürlich gibt es Streits und hier und da Ärger – aber das Miteinander ist bei ihnen ganz stark ausgeprägt.

In gewisser Weise… brauchen sie uns gar nicht mehr.

Und das Neue? Das unentdeckte Land? Das reizt uns beide sehr.

Wie ist das bei euch an der Schule? Und wie entscheidet ihr euch? Wechselt ihr gerne oder eher ein Plädoyer für Kontinuität?

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8 Responses to Lehrerwechsel vs. Kontinuität?

  1. Michael Mönsters says:

    Hallo Jan,

    Auf jeden Fall zusammenbleiben! Eine funktionierende Teamarbeit und eine gut geführte Klasse kann man gar nicht hoch genug schätzen!
    Nach meiner Erfahrung (17 Jahre GU) ist ein eingespieltes Lehrerteam mehr als die halbe Miete. Da ich aber auch andere Erfahrungen machen durfte, weiss ich auch, dass die Zusammenarbeit mit KollegInnen, die nicht zu einem „passen“ die Hölle sein können – gerade im pädagogischen Bereich!
    Und was die Klasse angeht: Ich fand es immer sehr befriedigend, wenn man in der zweiten Hälfte eines Durchgangs „ernten“ durfte, was man gesät hat. Das würde ich ganz egoistisch nicht gerne aus der Hand geben… 😉

  2. Maggy says:

    Ich finde es interessant, dass so ein Wechsel offenbar bei dir üblich ist. Ich kann nur aus Schülerperspektive berichten und da war es so, dass man prinzipiell immer den gleichen Klassenlehrer hatte, außer ein Wechsel war aus irgendeinem Grund (Lehrer geht in Pension, Klasse muss neu zusammengesetzt werden, weil die Teilungszahlen nicht mehr erreicht werden etc.) notwendig. Die Parallelklasse hatte ihren Klassenlehrer von der 5. bis zur 12. Klasse. Wenn man einen guten lehrer erwischt hat, kann das wirklich toll sein.

  3. Cvalda says:

    Hallo Jan, ich sehe auch die Nachteile… Ebenso wie du, denke ich, dass es für Schüler, die nicht so mit einem können, eine verdammt lange Zeit werden kann. Und etwas frischer, oder anderer :), Wind schadet nicht.
    Ich stehe vor derselben Entscheidung.
    Wäre es vllt möglich die Klasse als Fachlehrer zu behalten, als Klassenlehrer aber abzugeben?

    Das überlege ich gerade.
    Viel Erfolg.

    Cvalda
    Ps: Kannst du bei Gelegenheit mal berichten, wie das mit dem Klassenleiterteam bei euch funktioniert? Wie stimmt ihr euch ab? Zu festen Terminen oder zwischen Tür und Angel? Wie teilt ihr euch die Arbeit? Ich bin neugierig

    • Über die Klassenleiterteams kann ich gerne mal berichten.
      Das mit dem Fachlehrer wäre allerdings keine Option: Für den neuen Klassenlehrer wäre das ziemlich blöd, wenn der alte Hase immer noch überall seine Nase drin hat. Die Schüler würden dann auch automatisch zum alten Klassenlehrer laufen und man stünde in (bewusstem oder unbewusstem) Konkurrenzkampf um die Führung der Klasse. Ganz oder gar nicht. 🙂

  4. Hanni says:

    Ich unterrichte an einer beruflichen Schule, die Ausbildung ist dreijährig, einzügig und schulisch (ohne Betrieb als Ausbilder). Seit Jahren habe ich die 10. Klasse zu betreuen und ich weiß, dass ich das auch gut mache. Bis zum Halbjahr haben die meisten Schüler verstanden, dass sie sich nun nicht mehr auf der Mittel-/Realschule sondern in der Ausbildung befinden, können mit Konsequenzen aus nichteingehaltenen Regeln leben und haben diese Regeln auch als sinnvoll akzeptiert – sie wissen quasi, wie der Hase läuft.
    Ab jetzt macht es Spaß in die Klasse zu gehen. Eine Gemeinschaft hat sich durch den Klassenrat entwickelt (für den mir keine Extrazeit zur Verfügung steht, dafür muss andere Unterrichtszeit verwendet werden), Auszubildende, für die diese Ausbildung nichts ist, haben sich anderweitig orientiert und stören das Klassenklima nicht mehr, wir haben uns kennen und respektieren gelernt.
    Schön.
    Dann kommt das nächste Schuljahr, ich hab wieder die Klasse, die sich mindestens ein halbes Jahr als schwierig erweist (mein Klientel ist nicht das einfachste), während die 11. Klasse relativ leicht zu händeln ist.
    Das empfinde ich oft als nicht befriedigend. So schön es ist, nach all der Anstrengung eine gut funktionierende Klasse „geformt“ zu haben, es wäre doch angenehm, mit dieser Klasse weiterarbeiten zu können, mal selbst die Lorbeeren zu bekommen.
    Die Anregung, dass der jeweilige Klassleiter die Klasse drei Jahre lang begleitet, wird mit dem Argument „Und wer soll DANN statt dir die 10. Klasse machen?“ zur Seite gewischt. Mein weiterführendes Argument, dass dann ja der Lehrer der 11. Klasse dies übernehmen könnte, wird nicht beachtet und ich weiß genau, dass es daran liegt, dass keiner die 10. Klasse übernehmen möchte, weil es meinen meist älteren Kollegen zu viel Aufwand/Anstrengung/Mühe bedeutet.
    Es ist übrigens bei mir trotzdem der Fall, dass die Schüler der 11. und 12. Klasse bei Problemen zu mir kommen, obwohl ich nicht mehr die Klassleitung habe…

    Grüße

    Hanni

  5. Ruth says:

    Ich habe meine Klasse seit dem 5.schuljahr. Nun sind sie in der 9.
    Nächstes Jahr werde ich sie sicher auch noch haben.
    Es ist interessant die (auch wenn es mittweile zu einer gewissen Fluktuation in der Zusammensetzung gekommen ist) zu beobachten. Einige habe sich sehr gut entwickelt, leider einige auch zu ihrem Nachteil. Aber gerade da kann man gut ansetzen und mit den Eltern zusammen arbeiten, da man die Kinder eben so gut kennt.
    Es ist nun das 2.Mal, dass ich eine Klasse von der 5. bis zur 10.Klasse begleite.

  6. Frau Henner says:

    Wir können gar nicht wählen, ein Klassenlehrer bleibt zwei Jahre drin und dann kommt ein neuer. Das ist gut so, selbst wenn ich mich an meine chaotischen Sechser gewöhnt habe und mit meinem Co gut zurecht komme. Die meisten mögen mich zwar, aber ich bin sicher nicht die ultimative Lehrerin, die Kinder sollen ruhig mal andere Stile kennen lernen. Ich mag sie auch, aber es soll sich nichts einschleifen und da reizt mich dann doch ein Neuanfang mit einer mir unbekannten Klasse. Natürlich bemühe ich mich um faire Beurteilungen, aber es gibt doch Kinder, die einem sympatischer sind als andere. Aber jeder verdient wieder eine Chance und so bekommen sie diese Chance, ohne Altlasten ganz neu beginnen zu können. Mir gefällt auch, dass ich so bis zur Oberstufe viele unserer Schüler besser kennenlerne. Wenn sie dann in der Oberstufe wieder freiwillig zu mir in den Kurs kommen, freue ich mich umso mehr über ein Wiedersehen und ihre Entwicklungsschübe. Es gibt also auch Vorteile eines erzwungenen Lehrerwechsels.

  7. Lena says:

    Interessant, dass es offenbar an vielen Schulen üblich ist, den Klassenlehrer (und generell die Lehrer) lange zu behalten. Ich hatte zwei verschiedene Klassenlehrer (und Klassen – wir wurden neu gemischt) in der Unter- und Mittelstufe.
    Es wäre besser gewesen, wenn wir/ich die ganze Zeit den ersten Klassenlehrer behalten hätten, aber den zweiten die ganze Zeit? Oh je. Das kommt sehr auf den Lehrer an und von daher finde ich es gut, dass man nicht immer den gleichen Lehrer hat.

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