Zum Inhalt springen

Als Autor auftreten oder ein Pseudonym nutzen? (9/11)

„Du hast was..?!“ „Hast du schon gehört…!?“

Will ich eigentlich, dass mein Umfeld weiß, dass ich und was ich für einen Roman geschrieben habe? Brauche ich die Erfahrung, dass in meinem privaten, beruflichen Umfeld Leute mein Buch lesen, womöglich die Nase rümpfen und die Augen verdrehen?

Ich schrieb es bereits im ersten Teil der Reihe: Eine fiktionale Geschichte zu schreiben ist etwas persönliches.

Viel persönlicher, als ein Sachbuch oder ein Blogartikel oder ein Beitrag zu einer pädagogischen Zeitung. Ein Roman ist geprägt von eigenen Erlebnissen, der eigenen Sprache und Intention. Man macht sich verletzlich, denn nun kann die Kritik leicht persönlich werden: „Liebesgedichte?! Ich meine… DU?!“

Anonymität hat große Vorteile. Wenn die Qualität des Buches doch zum Fremdschämen einlädt, begegnet mir die Kritik nie. Und Qualität liegt auch im Auge des Betrachters und wird oft genug vom Geschmack des Rezipienten gefärbt. Sind Til Schweiger-Filme gut oder schlecht? Hängt davon ab, wen man fragt, oder?

Als Autor auftreten oder ein Pseudonym nutzen? (9/11) 1

Ich könnte einen erfundenen Namen über das Buch setzen, es in die Welt entlassen und niemals würde der Roman mit mir in Verbindung gebracht werden. Dazu via AI ein künstliches Profilbild erstellen lassen (nur erkennbar am Ohrring und den unförmigen Pupillen). Weiterer Vorteil: Ich habe mal gelesen, dass Romane von Autorinnen eher gekauft werden, als von Autoren.
Wenn ich mich bei Amazon so umschaue, sind überraschend viele Namen sehr blumig: Mia Faye, Riley Flowers, Sarah J. Brooks, Piper Rayne, Everly Ashton.

Aber mit einem Pseudonym beraube mich meiner Reichweite. Eines Anschubs. Und ehrlicher Kritik.

Wenn ich bei einem Verlag veröffentliche, kann ich mich „Emma Blohm“ nennen und der Verlag lässt die gleiche PR Maschinerie durchlaufen, als wenn ich unter richtigem Namen auftrete. Kein Unterschied.

Im Self-publishing dagegen versinke ich komplett in der Anonymität. Ich kann keine Reichweite in Social Media nutzen, um auf mein Werk aufmerksam zu machen und nur darauf hoffen, dass zufällig irgendwer, irgendwo das Buch liest, es weiterempfiehlt und eine Lawine ins Rollen kommt.

Die Wahrheit ist, ich bin bis heute immer noch wankelmütig zwischen beiden Optionen und nehme mir die Osterferien (die in NRW jetzt beginnen) um darüber nachzudenken.

Eure Meinung, Anregungen, Hinweise und Gedanken dazu lese ich gern!


Alle Teile der Reihe:

  1. Wie schreibt man einen Roman?
  2. Prämisse und Buchrücken ausarbeiten
  3. Vom Buchrücken zur Absatzgeschichte
  4. Interview mit einem Geist
  5. Einer Schneeflocke folgen
  6. Einen Roman schreiben
  7. Testleser*innen suchen und finden
  8. Self-Publishing oder Verlag? Was verdient man mit einem Buch?
  9. Als Autor auftreten oder unter Pseudonym schreiben?
  10. The Clients Disease: Ein Buchcover finden
  11. Veröffentlichung

8 Gedanken zu „Als Autor auftreten oder ein Pseudonym nutzen? (9/11)“

  1. Ein Gedanke/Frage/Anregung dazu: Wie könnte die Zukunft aussehen?

    Ich habe vor mehr als zehn Jahren Texte veröffentlicht (unter Spitznamen, nicht unter Pseudonym). Heute, zehn Jahre später, ärgere ich mich ein wenig über die damalige Entscheidung. Und zwar, weil es heute ein „Stück Geschichte“ von mir ist, das nicht (mehr) direkt zu mir zugeordnet werden kann.
    Und ja, ich würde die Texte heute so nicht mehr schreiben, aber das ist nach all der Zeit wahrscheinlich mit fast jedem Text so.

  2. Aber…. Wenn du das Buch unter Pseudonym veröffentlichst, wie sollen wir dann das Buch finden? Man kann doch nicht 11 Blogartikel lang Spannung aufbauen und dann das Ergebnis am Ende doch verheimlichen

  3. Bzgl. „Brauche ich die Erfahrung, dass in meinem privaten, beruflichen Umfeld Leute mein Buch lesen, womöglich die Nase rümpfen und die Augen verdrehen?“ – Damit sie es lesen, müssen sie das Buch ja auch kaufen, also klares ja. 😉

    Was ansonsten noch hilft für solche Entscheidungen, ist sich klar zu überlegen, was konkret im schlimmsten Fall passieren wird.

  4. Pingback: Vom Buchrücken zur Absatzgeschichte (3/11) - Halbtagsblog

  5. Pingback: Apfelkuchen im Spätsommer (10/11) - Halbtagsblog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.